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Drei Wochen La Palma - Ein astronomischer Abriss
#1
Hallo zusammen,

Nachdem ich drei ganze Wochen auf La Palma verbraucht habe, möchte ich euch natürlich darüber berichten - Auch wenn´s schon wieder über sechs Wochen her ist...

Eigendlich hatte ich vorgehabt im letzten Jahr schon auf die Insel La Palma zu fliegen, jedoch hatte ich damals kurzfristig den Urlaub abgeblasen, da nicht sicher war, ob ich zu dem gewünschten Zeitraum ein Teleskop zur Verfügung hatte. Glücklicherweise hatte ich damals so entschiede, denn einige Dinge wären vor einem Jahr so wohl nicht möglich gewesen.

Am 20. September flog ich von Frankfurt/Main Richtung La Palma. Nach ca. vier Stunden Flug kam ich auf dem Inselflughafen an. Um auf der Insel Mobil zu sein, habe ich mir für meinen Aufenthalt einen VW Polo (Immernoch zu klein für mich Dodgy ) gemietet. Nach knapp zwei Stunden Fahrt kam ich an meiner Unterkunft an.  Zum Ende der Woche hin holte ich Jörg am Hafen von Santa Cruz ab. Er blieb 11 Tag auf der Insel. Da die Insel nicht nur astronomisch etwas zu bieten hatte, wurd tagsüber viel Gewandert. Zum Glück konnte Jörg etwas Spanisch, sodass wir beim Einkaufen und Essen bestellen zurecht kamen.Am 4. Oktober flog Jörg wieder in Richtung Heimat. Ich hingegen blieb noch eine Woche auf La Palma. Am 11. ging es dann auch für mich zurück nach Deutschland. In der Nacht flog ich dann an Madrid und Zürich vorbei nach Frankfurt.



Gerätschaften

Als Beobachtungsgeräte wurde anfangs ein 10“ Dobson von Skywatcher genutzt. Dieser gehörte zur Hacienda dazu und kann umsonst mitgenutzt werden. Das Gerät war neben einem Telrad-Finder und einem Justierlaser mit einfachen Okularen ausgestattet. Der Dobson war zum damaligen Zeitpunkt schon etwas überholungsbedürftig.

Später wurde dann mit einem 16“ Infinity Dobson von Spacewalk-Telescopes beobachtet, welchen wir bei ATHOS mieteten. Der Dobson war mit einem Filterschieber (3 mal 2“), Fangspiegelheizung und Streulichthülle ausgestattet. Des weiteren war der Dobson mit digitalen Teilkreisen und einem 2“ OAZ von Moonlite (Untersetzt!) ausgestattet. Die Optik machte nach ausgiebiger Justage einen sehr guten Eindruck. Diese erfolgte angenehmerweise von der Oberseite der Spiegelbox. Der Aufbau gestaltete sich als sehr einfach, auch das Aufsetzen des Huts. Was das Zubehör wie Okulare, Filter, Astrolampe und Kartenmaterial betrifft – Das habe ich im Handgepäck mitgenommen.

Den Dobson konnte man sehr kompakt zusammenlegen, sodass man die großen Einzelteile wie Hut, Spiegelbox und Rockerbox ineinander setzten konnte. So war es möglich, dass das komplette Gerät mitsamt Zubehör und Astrostuhl in den von uns gemieteten VW Polo passte. Gleichzeitig war es möglich, die Sitze bis zum Anschlag nach hinten/unten zu stellen.


ATHOS – Astrocampus → Kai von Schauroth

Bei diesem Urlaub stand und fiel alles mit dem Teleskop. Da der Transport meines 16“ mit dem Flugzeug für mich einfach zu aufwändig und vor allem zu teuer gewesen wäre, entschied ich mich dazu ein schon auf La Palma vorhandenes Gerät zu nutzen. Auf der Hacienda stand hierzu ein 10“ Dobson bereit, dessen Benutzung im Preis mit inbegriffen war.

Im Frühjahr diesen Jahres entdeckte ich dann in der Interstellarum eine ganzseitige Anzeige über das ATHOS Centro Astronómico. Der Beginn für die Vermietung war zwar für den 1. Dezember angegeben, jedoch rief ich dort einfach mal auf „verdacht“ an, um mich zu erkundigen. Es stellte sich glücklicherweise heraus, dass die Miete des 16“ Dobsons in dem vom mir gewünschten Zeitraum möglich war, denn wenige Tage vor meiner geplanten Ankunft sollten die neuen Geräte geliefert werden. Nach einer weiteren E-Mail und einem Telefonat war die Sache dann unter Dach und Fach. Ich hatte für 11 Nächte einen 16“ Dobson von Spacewalk-Telescopes (Infinity-Serie) mieten können. Als wir dann auf der Insel waren, schlossen wir uns kurz zuvor nochmals telefonisch kurz, um die Abholung zu regeln.

Am 26. September haben Jörg und ich den Dobson dann abholen können. Der Dobson wurde gemeinsam mit Kai abgebaut, sodass der spätere Aufbau klar war. Auch probierten wir vor Ort die Digitalen Teilkreise und die Stromversorgung für die Fangspiegelheizung aus.
Als die Übergabe des Dobsons abgewickelt war, stellte uns Kai seine Projekt, dem ATHOS Centro Astronómico, genauer vor. Mit diesem Projekt möchte Kai anderen Amateur-Astronomen die Möglichkeit bieten, qualitativ hochwertige Ausrüstung vor Ort mieten zu können. Bei Ihm hat man die Möglichkeit sich für die Dauer des Aufenthalts komplett mit einer fotographischen bzw. visuellen Ausrüstung ausstatten zu lassen. Das beginnt, wie bei mir zum Beispiel, beim Teleskop und einem kleinen Astrostuhl, über Okulare, Filter, Adapter, Kameras, Montierungen usw.

Zu der Zeit als dort waren, war die Sternwarte gerade im Rohbau. Die Sternwarte kann man, so wie ich das verstanden habe, später remote aus einem der Ferienhäuser steuern. Auch soll es im Untergeschoss eine Art Steuerraum die die Anlage in der Kuppel geben. Auch war er zum dem Zeitpunkt dabei mehrere Beobachtungsplätze auf dem Areal zu bauen. So gibt es unter anderem die Möglichkeit auf dem Flachdach eines Ferienhauses zu beobachten.
Auch erzählte er uns, dass er dabei sei, einen Beobachtungsplatz oberhalb von Puntagorda zu planen. Dieser soll auf etwas mehr als 2000 Metern Höhe am Ende einer Brandschutzschneiße entstehen. Die Anfahrt wird voraussichtlich über eine Betonpiste erfolgen.


Hacienda La Palma

Die Hacienda La Palma ist ein knapp 200 Jahre altes, kleines Weingut, welches sich auf auf die Produktions ökologischen Weins spezialisiert hat. Das Gut befindet sich auf einer Höhe von knapp 1380 m über dem Meer und liegt somit meistens über den Passatwolken. Auf dieser Höhe ist man auch schon innerhalb der Kiefernwälder. Unsere Unterkunft nannte sich „La Placita“ und war einen kleines Haus mit Küche, Bad und Schlafzimmer. Von dort aus hatte man direkte Sicht auf das Meer.

Während des Aufenthalts wurde mit dem Dobson mehrmals ungezogen. Anfangs beobachteten wir noch direkt am Pool. Jedoch hatten wir das Problem, dass dort ein paar Bäume direkt angrenzen, die die Sicht stark einschränken. Der zweite Umzug, nur knapp 25m, brachte dann schon eine ganz passable Horizontsicht. Der dritte Standort war ein geschottertes Rondell, welches mit großen Findlingen eingefasst war. Er liegt keine fünf Minuten von der Unterkunft entfernt im Weinberg und hat einen Durchmesser von ca. 5,5 m. Ein Stück oberhalb gibt es noch ein zweites Rondell mit ca. 3 m Durchmesser gleicher Bauart. Dieses verfügt auch über einen Stromanschluss.


Astro-Tourismus auf La Palma

Überall auf der Insel lässt sich das Astronomische bemerken. Egal ob es das Emissionsschutzgesetz zum Erhalt der Dunkelheit auf der Insel ist, die Straßenschilder mit dem Hobbyastronomen drauf oder einfach nur die Souvenirläden, die T-Shirts mit Sternwarten-Motiven verkaufen.
So gibt es auf der Insel überall „Astronomische Aussichtspunkte mit Infotafeln in verschiedenen Sprachen. Diese weisen auf diverse Himmelskonstellationen und -erscheinungen hin. Auch gibt es auf der Insel diverse offizielle Beobachtungsplätze, jedoch sind diese meistens recht nach an den Dörfern.

Auf dem Roque de Los Muchachos wird im Moment das „Centro de Visitantes del Roque de Los Muchachos“ gebaut. Dieses soll dann auch Astronomische Themen behandel. Leider wird es aber nicht möglich sein dort auf dem Parkplatz zu beobachten – so zumindest ein Mitarbeiter des Rathauses, den ich befragt habe.

Leider muss man aber auch sagen, dass die Wartung/Pflege/Instandsetzung auf La Palma doch sehr zu wünschen übrig lässt. Viele der Tafeln und Bauwerke sind schon stark verwittert und teilweise unleserlich.


Die Besichtigung den GranTeCan

Lange Zeit war es auf La Palma so, dass man die Observatorien nur während einer bestimmten Zeit im Jahr besichtigen konnte. Mittlerweile ist es so, dass man dort ganze Jahr über an geführten Besichtigungen teilnehmen kann. Die Anmeldung wird über das Internet ( http://orm.astrocamp.es/index_en.html ) abgewickelt. Über einen Kalender kann man sich den jeweiligen Tag aussuchen. Die Teilnehmergebühr, für Erwachsene kostet es 9€, wird entweder über PayPal oder Kreditkarte bezahlt. Treffpunkt ist immer der Parkplatz am Wirtschaftshof (gegenüber der Unterkünfte) und ist ausgeschildert.

Zur Führung selbst:

Unser Guide (Er hieß Rob) überprüfte anfangs die Teilnehmerliste. Anschließend für jeder mit seinem Auto zum ersten Haltepunkt – den Helikopter Landeplätzen. Hier gab es eine kurze Erläuterung zum Standort und den einzelnen Teleskopen auf dem Roque de Los Muchachos. Interessant ist unter anderem, dass sämtliche Daten als Kopie auf Festplatten aufs Festland geflogen werden. Das Internet ist also nicht nur bei mir besch..... langsam.
Anschließend fuhren wir zusammen zum GranTeCan. Aus der Nähe doch beeindruckend groß...
Bevor wir das Observatorium betraten, gab es für uns eine kurze Sicherheitsunterweisung (vor allem für den Großen ;-))
In der Kuppel selbst ist es recht frisch. Eine Klimaanlage sorgt dafür, dass in der Kuppel die durchschnittliche Nachttemperatur vorherrscht. Innerhalb der Kuppel ist es recht aufgeräumt. Lediglich zwei Hubbühnen und ein Rechner standen zu dem Zeitpunkt herum.
Am Teleskop selbst war unter anderem eine Einheit für IR-Messungen montiert. Es gibt insgesamt sieben Möglichkeiten an denen die Messgeräte am Teleskop montiert werden können. Zum Schluss wurde für uns die komplette Anlage, sprich das Teleskop selbst und die Kuppel, demonstrativ bewegt.


Die Nacht auf dem Roque de Los Muchachos


Nachdem der Wetterbericht für den Roque de Los Muchachos endlich wenig Wind gemeldet hatte, hatte ich mich dazu entschlossen die Mietdauer des Dobsons noch um eine Nacht zu verlängern. Eine Liste mit bestimmten Objekten hatte ich mir nicht zurechtgelegt. Stattdessen wurde die Nacht genutzt um die, für mich, schönsten Objekte der vergangnen Nächte nochmals zu beobachten. Es sollte also die abschließende Beobachtungsnacht auf La Palma sein. Da die Schranken zum Gelände der Observatorien und somit zu den Heli-Landeplätzen um 20 Uhr geschlossen werden, machte ich mich schon frühzeitig auf den Weg „nach oben“. Die Zeit bis zum Sonnenuntergang wurde rege genutzt, denn des gab viel zu tun. Der Dobson wurde gleich zu beginn aufgebaut. Die Autoscheinwerfer und -lichter wurde von mir sorgfältig mit Schwarzer Folie und Malerkrepp abgeklebt, sodass keinerlei Licht vom Fahrzeug mehr ausgehen konnte. Das Auto sah nach der „Folierung“ wie ein Erlkönig aus. Der Sonnenuntergang auf 2180 m über dem Meer war wie die anderen Sonnenuntergänge auf der Hacienda sehr beeindruckend. Die Farben am Horizont wesentlich intensiver, nicht zu vergleichen mit Mitteleuropa. Die Passatwolken, die sich weit unterhalbt bewegten, erzeugten durch die Eigenbewegung ein eigenes Schauspiel für sich. Die Sonne war von einzelnen Wolkentürmchen teils länge Schatten auf die Oberseite der Wolkendecke.

Noch während der Dämmerung wurde es für etwa eine halbe Stunde recht lebhaft auf dem weitläufigen Gelände. Ständig fuhren Mitarbeiter der Observatorien den Berg hoch und runter. Die Sturmsicherung (wenn man sie denn so nennen kann) der MAGIC-Teleskope wurde entriegelt. Zu anfangs wurden diese auch gleich um gute 180° geschwenkt, was in etwa 30 Sekunden auch ziemlich flott geht. Im verlauf der Nacht schlugen die beiden Teleskope auch öfters um. Jedoch konnte man, bedingt durch die Dunkelheit, dies nur hören. Es quietscht und knarrt recht arg ;-)
Auch konnte man beobachten wie sich die anderen Observatorien startbereit machten. Oberall wurden die Kuppeln geöffnet und diverse Teleskope lugten heraus. Ab und an konnte man das laute Hupen beim Umschwenken hören.

Da der Mond erst gegen Mitternacht unterging, nutzte ich die Zeit um die Planeten für ein letztes mal aufs Korn zu nehmen. Allerdings musste ich feststellen, dass auch dort oben das Seeing recht schlecht war. Kai, der Vermieter des Dobsons, berichtete dass das Seeing schon seit Wochen zu wünschen ließ...

Nachdem der Mond endlich unter dem Horizont war, gings endlich wieder ums Beobachten der Deep Sky Objekte. Die Transparenz war wiedereinmal ausgezeichnet. Der Himmel wurde sowohl mit dem Dobson als auch mit dem bloßen Auge beobachtet. Vor allem die Milchstraße hatte es mir angetan... Da mir klar war, was für ein Himmel mich in Mitteleuropa erwartet, (vor allem in Anbetracht des kommenden Winters) beobachtete verstärkt die hellen Objekte die man auch von uns aus beobachten kann.

Gegen 5 Uhr in der früh setzte ich mich dann ins Auto und schlief eine Rund. Gegen 7 Uhr wurde ich dann von der Morgendämmerung wach. Es ging, wenn auch ziemlich schleppend ans Abbauen der Gerätschaft. Zum Abschluss hatte ich auch wieder ein paar Bilder der Observatorien in der Morgendämmerung gemacht. Danach gings dann den Berg hinunter zur Unterkunft – Essen fassen ;-)
   
   
   
   
   
   


Fortsetzung wird noch folgen, jedoch kann das noch ein paar Tage dauern.

Aber bis dahin - Viel Spaß beim Lesen.

Gruß
Simon
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Andreas Paul (30.11.2016), Astrokarsten (01.12.2016), Florian B. (01.12.2016), Georg (30.11.2016), Herbipollution (01.12.2016), Karsten (04.12.2016), Martin.F (02.12.2016), Thomas64 (30.11.2016), Ulf (30.11.2016)
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#2
Hallo Simon,

klasse Bericht. Daumen hoch 

Auf dem einen Bild bist du mit Arktisausrüstung zu sehn, war da so kalt?
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

Wer die Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!
Benjamin Franklin
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#3
Hallo Simon,

toller Bericht und schöne Bilder. Daumen hoch Da werden Erinnerungen wach an letztes Jahr auf Kripotib. Eindrucksvoll das Bild mit der abgedeckten Sonne durch den Daumen, wie klar und trocken die Luft dort ist. Ich war letztes Jahr im Frühjar auch auf La Palma und kann die tolle Lage auf dem Roque del los Muchachos nur bestätigen. Schön dass noch eine Fortsetztung folgt. Vielleicht als BB ? Ich lass mich überraschen. Ein Vortrag für einem Stammtisch zusammen mit Jörg (vielleicht in Schweinfurt Wink ) könnte ich mir auch gut vorstellen und würde sicher vielen gefallen.

Gruß Philipp
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#4
Hallo,

@ Ulf
Das Foto ist auf knapp 2200 m Höhe auf dem Helipad neben den MAGIC-Teleskopen entstanden. In der damaligen Nacht hatte es ca. 4°C und es ging ganz leicht der Wind. Aber auch bei den vorhergehenden Beobachtungsnächten auf 1300 m hatte ich die Kombi an. Vor allem wenn die Wolken bis kurz unterhalb des Beobachtungsplatzes kamen, wurde es etwas feucht und somit recht frisch.
Ich bin daher im Nachhinein froh, dass ich die Daunenjacke und -hose eingepackt habe. So hatte ich in keiner der Beobachtungsnächte ein Problem mit der Kälte gehabt. Eigendlich hätte ich in der Montur auch gleich am Teleskop ausschlafen können. Wink

@ Philipp
Das von dir angesprochene Foto hatte ich gleich am zweiten Tag auf dem Roqu de Los Muchachos gemacht. Zu dem Zeitpunkt war es wettertechnisch noch am Besten. Im Laufe der Woche kam dann etwas Dunst auf, der etwas an der Transparenz nagte, jedoch war der Himmel dann immernoch klasse.

Zum kommenden Stammtisch in SW bringen ich auf jeden Fall meinen Laptop mit.
Eine Beobachungsnacht habe ich noch als BB aufbereitet auf der Festplatte liegen. Den werd ich noch einstellen. Bilder habe ich auch noch jede Menge auf dem Rechner, die ich euch zeigen werde.

Gruß
Simon
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Florian B. (01.12.2016), Ulf (30.11.2016)
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#5
Hallo Simon,

super Bericht! Wie es der Zufall so will, war ich ab dem 09.11. zwei Wochen auf La Palma und habe ebenfalls die ATHOS Finca besucht. Ich kann alles bestätigen was du geschrieben hast. Beeindruckend fand ich den Blick in den Lagerraum mit den zur Verfügung stehenden Teleskopen und Ausrüstungsgegenständen! Da ist ordentlich investiert worden. Die ganze Anlage mit Garten und den verstreut stehenden Häusern machte einen sehr einladenden und gepflegten Eindruck. Ich könnte mir vorstellen mich hier für einen "Astrotrip" einzumieten. Hier noch der Link zur Finca, bei dem auch eine Preisliste für das Mieten der Instrumente zu finden ist:

ATHOS

Ich fahre schon einige Jahre nach La Palma und sehe erst jetzt in jüngster Vergangenheit, dass langsam eine Infrastruktur für die Hobbyastronomen entsteht. Hier ist die ATHOS Finca ein wichtiger Schritt. Was immer noch fehlt ist eine Möglichkeit auf dem Roque de los Muchachos nachts zu bleiben. Das Observatoriums-Gelände ist eigentlich nach 20:00 Uhr für Privatpersonen gesperrt und auf der Zufahrtsstraße gibt es nicht genügend Parkmöglichkeiten, geschweige denn Plattformen zum Beobachten. Hier muss noch etwas Geschehen...


viele Grüße

Frank
Nur in einem ruhigen Teich
spiegelt sich das Licht der Sterne...
(aus China)
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#6
Hallo Simon!
Glückwunsch! und mehr davon!   Daumen hoch
Viele Grüße
Christoph

http://www.klostersternwarte.de
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#7
Hallo Frank,

Also wir dort die Ausrüstung abholten, war das Allermeiste noch auf den Paletten in der Garage verpackt Erst wenige Tage vor unserer Ankunft kamen die Gerätschaften vom europäischen Festland auf La Palma an. Dementsprechend war´s wie Weihnachten, da alles erst noch ausgepackt werden wollte. Kai hatte bei der Auswahl des Equipements in erster Linie auf Qualität gesetzt. Zum Stammtisch bringe ich mal die Prospekte mit, die wir bekommen haben.

Was die Beobachtungsnacht bei den Observatorien betrifft, war ich mir anfangs auch nicht sicher,  nicht doch noch verscheucht zu werden. Als ich aufbaute hielt auch ein Fahrzeug an, welches der Beschriftung nach wohl zum technischen Personal gehörte, jedoch fuhren diese auch gleich wieder weiter. Ich hatte vorsichtshalber sämtliche Lichter und Scheinwerfer am Auto mit Schwarzen Mülltüten und Malerkrepp abgeklebt. Das Auto sah zum Schluss wie ein Erlkönig aus. Während der Nacht hätte ich auch nicht die Möglichkeit gehabt, das Gelände mit dem Auto zu verlassen, da außerhalb der "Öffnungszeiten" die Straße mittels Schranke gesperrt ist.

   

Bevor ich die Reise antrat, hatte ich die Straße mittels Google-Streeview nach brauchbaren Plätzen abgesucht. Die Möglichkeiten an der Höhenstraße zu Beobachten sind wirklich dünn gesät. Und wenn es Plätze gibt, die von der Fläche her passen würden, sind diese auch icht ungefährlich (Absturzgefahr!). Zudem ist, ausgenommen am Mirador de Lo Andenes, der Südhorizont strak eingeschränkt. Beim Mirador de Los Andenes ist zudem der Platz sehr begrenzt. 

Die Koordinaten dazu:
28°45'39.87"N
17°52'2.71"W

   

Als "Reserveplatz" hatte ich diesen hier eingeplant:
28°45'54.80"N
17°53'4.90"W


Eine alternativer Beobachtungsplatz wäre am Hochbehälter, welcher auf knapp 2000 m Höhe oberhalb von Puntagorda liegt. Dieser ist über eine betonierte Piste erreichbar, welcher einer Brandschutzschneiße folgt. Am Ende befinden sich zwei ebene Betonflächen. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Anfahrt teilweise sehr steil ist (25%+!) und es ab und zu nur ein paar Ausweichbuchten gibt. Es empfiehlt sich daher dringend die Straße vorher ab Tag abzulaufen bzw. abzufahren. Des weiteren ist die Horizontsicht durch den Berg selbst und die Bäume etwas eingeschränkt. Auch ist es denke ich am besten den Platz nur bei Tag an- und abzufahren.

Hier die Koordinaten dazu:
28°44'54.22"N
17°54'32.00"W

   
   

Wie schon geschrieben, wird es am Besucherzentrum wohl keine offiziellen Beobachtungsplätze geben, obwohl dort ein ausreichend großer Parkplatz geplant ist. Allerdings bin ich mich nicht sicher, ob dieser z.B. durch eine Schranke versperrt sein wird.

   
   


Gruß
Simon
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#8
Hallo Simon,

ich denke, es war DIE perfekte Aktion, sämtliche Fahrzeug-Lichter abzukleben.
Auf diese Weise war sofort ersichtlich, daß von Dir bzw. Deinem Fahrzeug keinerlei
Licht-Emissionen zu erwarten sind und daß Du weißt, worauf es dort oben ankommt
– absolute Dunkelheit.
Bitte noch ein Foto von dem abgeklebten Auto! :-)

Wirklich coole Aktion, toller Bericht, danke!

Viele Grüße,
Andreas
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#9
Hallo Simon.

Ich schließe mich den Kollegen an und finde das du ein klasse Bericht geschrieben hast. 
Tolle Fotos und eindrücke deiner Reise. Klasse  Daumen hoch
Gruß Karsten
GSO 12" f/5 Dobson 300/1500mm


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#10
Hallo zusammen,


Der Thread ist zwar mittlerweile schon ziemlich verstaubt, jedoch habe ich noch auf der Festplatte den letzten Teil zu dieser Reise. Auch habe ich noch einige Fotos, unter anderem von Jörg, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Im letzten Teil möchte ich vermehrt auf die Beobachteten Objekte eingehen. Ich hatte ja bereits während unseres Aufenthalts auf La Palma einen Bericht über die „Nacht der Quasare“ verfasst.

Jörg und ich hatten uns die Nächte aufgeteilt, sodass wir jeweils während der ersten bzw. zweiten Nachthälfte Beobachten konnten. Das ermöglichte es uns die Nächte komplett auszunutzen. Während der Übergabezeiten beobachteten wir gemeinsam. Ansonsten wurde getrennt beobachtet, was insbesondere bei den ganz schwierigen Objekten von Vorteil war. Da der gemietete Dobson über digitale Teilkreise verfügte, war es Jörg möglich, die Objekte der Begierde über das Tablet anzufahren. So konnte mir Jörg einige interessante Objekte zeigen konnte, die in meinen Karten nicht verzeichnet waren. Hierfür vielen Dank an Jörg!
Ich arbeitete hingegen so gut wie immer mit dem Stropek. Da dieser nur bis zum -35° Deklination reichte, half ich mir für die südlicheren Bereich mit dem Deep-Sky-Reiseatlas aus.

Durch die geografische Breite hat man am Himmel eine breite Auswahl an bereits bekannten und auch neuen Objekten. Der südliche Himmel war ganz klar das bevorzugte Beobachtungsgebiet. Jedoch gab es auch bei den bei uns bekannten Himmelsgefilden noch einiges zu Entdecken. Anbei eine kleine Auswahl an Objekten – Für den Fall dass es euch auch einmal auf die Isla Bonita verschlägt.

NGC 1365
Diese Galaxie fand ich rein zufällig, als ich mich beim Starhopping gnadenlos verfuhr. Welch ein Glück! Im Okular war sofort der sehr hell ausgeprägte Balken zu erkennen. An den Enden des Balkens war jeweils ein Spiralarm, welche fast genauso lang wie der Balken im zentralen Bereich waren. Ein sehr schönes Objekt

NGC 1531/1532
Diese zwei Galaxien bilden zusammen ein wechselwirkendes Paar. Beide Galaxien waren sehr einfach zu erkennen. In NGC 1532 konnte man unweit des hellen Kerns einen länglichen Knoten erkennen. Dieser erschien fast so hell wie der Kern selbst.

Skullnebel
Jörg hatte mir glücklicherweise den Tipp mit dem Skull-Nebel gegeben, welchen wir dann auch gleich mittels Tablet und den digitalen Teilkreisen anfuhren. Im Okular erwartete uns ein sehr heller, großer und klar strukturierter Nebel. Dieser Nebel wäre wirklich ein „M“-Nummer wert gewesen!

Fornaxhaufen
Auch hier bekam ich von Jörg wieder einen sehr guten Tipp! Im zentralen Bereich waren im Übersichtsokular auf einen Schlag mehr als ein dutzend Galaxien sichtbar. Diese bildeten eine Kette, in Form eines auf dem Kopf stehenden Fragezeichens. In der näheren Umgebung stieß man auf eine große Anzahl hellerer Galaxien. Das war für mich ein Highlight!

Rosettennebel
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich daheim bislang noch nicht am Rosettennebel versucht hatte. Dafür war die erste Begegnung mit dem Nebel sehr beeindruckend. Der Nebel füllte annähernd das komplette Gesichtsfeld meines 31er Naglers aus. In Kombination mit dem O-III Filter wurde ich durch die Details fast erschlagen. Ich brauchte sehr lange und mehrere Beobachtungen um alle Feinheiten wahrzunehmen. Der Anblick lässt sich meiner Meinung nach gut mit einem einfache Astrofoto in Schwarz/Weiß vergleichen.

Hicksen-Gruppen im Bereich des Sternbild Pegasus
Den HCG´s in diesem Bereich hatte ich damals eine ganze Nacht gewidmet. Auf La Palma waren hierzu ideale Bedingungen gegeben. Mithilfe der Detailkarten aus dem Stropek konnte man die helleren Galaxien sicher auffinden. Die schwachen/schwächsten Galaxien dieser Gruppen waren teilweise sehr harte Nüsse, jedoch war die Motivation nach jeder gefundenen Hickson-Gruppe nur noch größer! Unter anderem wurden die HCG´s mit der Nummer 1, 2, 5,7, 92, 93, 94, 95, 96, 98, 99, 100 beobachtet. Ein wahrer HCG-Marathon!

Pferdekopfnebel (B33)
Der Pferdekopfnebel in seiner Grundform war eine einfache Sache. Dieser hob sich klar vom dahinter liegenden Emissionsnebel IC 434 ab. Das „Horn“ auf dem Kopf des Pferdes war dagegen schon etwas schwerer zu erkennen. Nur beim Maul des Pferdes war ich mir sicher, ob es Einbildung
war oder ob ich es wirklich gesehen habe.

Cirrus-Komplex
In unseren Breiten eigentlich ein gut bekanntes Objekt, jedoch unter palmerischen Himmel eine Offenbarung. In der Hexenhand konnte man sehr gut die einzelnen Knoten, Unterbrechungen und Zwischenräume erkennen. Auch hier passt der Vergleich zu einem einfachen Astrofoto in s/w ganz gut. Besonders Interessant waren für mich die Nebelfetzen NGC 6974 bzw. NGC 6979 zwischen dem „Schnabel“ des Sturmvogels und der Hexenhand. Was die Fülle an Details angeht, passt hier der Vergleich zur Hexenhand unter Mitteleuropäischen Himmel ganz gut. Eines meiner Lieblingsobjekte in neuen Licht!

Zodiakallicht
Zum Ende der Nacht hin erschien im aufsteigenden Sternbild Krebs das Zodiakallicht. Schon allein dafür hat es sich für mich gelohnt auf die Kanaren zu fliegen. Zum Ende einer jeden Beobachtungsnacht gönnte ich mir eine gute viertel Stunde um diesen spitz zulaufenden Schimmer am Osthorizont auf mich einwirken zu lassen. Zusammen mit der Wintermilchstraße ein herrlicher Anblick!


So, was lange währt wird endlich gut. Der Bericht über den vergangenen Urlaub ist nun komplett. Auch hier wieder viel Spaß beim lesen! Zum Schluss noch ein paar Impressionen.


Gruß
Simon
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
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Andreas Paul (20.03.2017), Christoph (20.03.2017), Florian B. (20.03.2017), Herbipollution (20.03.2017), joko (21.03.2017), Karsten (20.03.2017), Martin.F (20.03.2017), Ralf (23.03.2017), Ulf (20.03.2017), Uwe (19.03.2017)
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#11
Hallo Simon,

schöner Bericht  und starke Bilder. Ein wahrhaftiger Spechtelmarathon den ihr da hingelegt habt. Allein die vielen HCGs im Pegasus. Ja wenn man mal vom Weg abkommt kann es auch schon mal schöne Überraschungen geben. Hab ich auch schon erlebt. 

Gruß  Philipp
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#12
Hallo Simon,

ein wunderbarer Abriss von der Sternenreise und tolle Bilder, die in einem die Sehnsucht wecken auch einmal dorthin zu fliegen. Da wird´s einem warm ums Herz.

Klasse, was du alles beobachten konntest. Besonders die HCG´s sind immer wieder interessant - auch wenn unser Himmel nicht so gut ist wie dort. Hast du IC 434 und den Pferdekopf ohne Filter betrachtet, oder hattest du einen HBeta-Filter dabei?

Danke für den Bericht!!! Daumen hoch
the sky is the limit

Gruß Uwe

"Sehen ist schwieriger als Glauben" Zitat aus "Die Kometenjäger"

http://www.the-night-black-white.de
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#13
Hallo Simon,

tolle Fortsetzung von deinem Beobachtungsbericht! Da bekomme ich sofort wieder Sehnsucht nach La Palma zu fliegen.

CS!

Frank
Nur in einem ruhigen Teich
spiegelt sich das Licht der Sterne...
(aus China)
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#14
Hallo Simon,

klasse Bilder und klasse Bericht. Daumen hoch
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

Wer die Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!
Benjamin Franklin
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#15
Hallo Simon!
Der Thread ist überhaupt nicht "angestaubt"!

Danke für das Teilen, die Bilder und den tollen Bericht! Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch
Viele Grüße
Christoph

http://www.klostersternwarte.de
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#16
Hallo,
schön, dass euch auch der letzte Teil gefallen hat. Smile

@ Uwe
Den Pferdekopfnebel bzw. IC 434 hatte ich mit einem H-Beta Filter beobachtet. Den hatte ich damals, wie das ganze andere Zubehör wie Okulare, Justierwerkzeug und Kartenmaterial, aus der Heimat mitgenommen.

Gruß
Simon
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#17
Zuallererst einmal herzlichen Dank für den umfassenden Bericht! War wirklich sehr interessant zum Lesen. Die Langzeitbelichtung von der Sternwarte gefallen mir ausgesprochen gut! Die Übernachtung auf dem Roque de Los Muchachos war sicher trotz schlechtem Seeing ein tolles Erlebnis.

Daumen hoch

Herzliche Grüße,
Karl
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