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Beobachtung 07.02.2010
#1
Guten Tag alle zusammen,

nachdem ich die gestrige Sonne aus zeitgründen nicht beobachten konnte (ich ärgere mich immer noch), habe ich dann um halb sieben die Montierung raus, genordet und die Optik darauf geschnallt. Das ganze Werk habe ich dann etwa eine Stunde durchkühlen lassen, damit die Temperaturdifferenzen nicht den Spaß verderben.

Gleich zu Beginn wollte ich es wissen. Mars stand schon günstig und ich richtete das C8 darauf. Da war sie wieder, die kleine Scheibe, die mir ihre Oberflächendetails schon zweimal dieses Jahr verwehrt hat. Erst im Übersichtsokular exakt mittig eingestellt und dann das 9mm Ortho in den Auszug. Die Polkappe sprang förmlich ins Auge. Auch ein dunkles Band (bekannt unter Terra Cimmeria) zierte die Oberfläche. Mit einem Orange-Filter kommen die Oberflächendeteils noch etwas mehr hervor, die Polkappe wird aber schwächer. Diese Ansicht habe ich versucht zeichnerisch festzuhalten. Die Bildorientierung wird durch den Zenitspiegel beeinflusst, außerdem ist das Bild spiegelverkehrt.
   

M42 war bei 66-facher Vergrößerung eine Augenweite. Zeitweise habe ich auch einen OIII Filter verwendet aber ohne ist der bekannte Orionnebel fast schöner. Einfach in Ruhe beobachten.

Danach schwenkte ich rüber zum bekannten Rosettennebel bzw. den Sternhaufen NGC2244. Im 4 Zoll Refraktor bei 22-fach und einem wahren Feld von über 3° ist der Sternhaufen in einem Meer von Sternen eingebettet, aber der Nebel bleibt leider verborgen selbst unter Einsatz von Filtern. (Am 28. Dezember 2008 mit Philipp zusammen auf dem Kreuzberg war der Nebel im C8 bei 66-fach und Filter zu sehen. Nur ist die Vergrößerung schon viel zu hoch.) Weil die Optik gerade gut passte, ging es rüber zur Praesepe. Welch ein atemberaubender Anblick. Einer der schönsten Sternhaufen. Zack, eine Strichspur quer durch das Gesichtsfeld. Uhrzeit 21:40 Uhr. Da ist wohl etwas verglüht in der Atmosphäre... Man könnte schon zu der Meinung gelangen, dass gerade Sternhaufen-Zeit war, denn NGC2324 und NGC2301 standen auch noch im Okular. Viele Einzelsterne und weniger lichtstark nur letzterer weist eine gewisse Struktur auf. Noch ein Sternhaufen, nun aber wieder im C8 war M67.

Ein weiteres Objekt, das ich schon lange nicht mehr vor den Spiegel bekommen habe, ist der Eskimo Nebel NGC2392. Am schönsten war dieser ohne Nebelfilter bei 100-fach im 20mm Okular. Das Zentrum sehr hell, insgesamt ein kreisrundes Nebelfleckchen. Eine differenziertere Struktur war nicht auszumachen.

Der Löwe stand in östlicher Richtung nun schon relativ hoch, so dass ich auch ein paar Galaxien beobachten wollte. Angefangen habe ich bei der Spindelgalaxie (gehört aber zum Sternbild Sextans) NGC3115. Diese war aber leider noch so niedrig, dass ich gerade so erkannt habe, dass die Galaxie etwas länglich aussieht. Auch die danach angefahren Galaxien M66 und M65 offerierten nicht viel mehr außer ihren hellen Kern, ich weiß, da geht mehr. NGC2628 war gar nicht sichtbar, normalerweise sind alle drei genannten Galaxien gerade so ins Gesichtsfeld zu bekommen. Aber nicht unter diesem Himmel.

Saturn stieg auch langsam höher sodass ich natürlich mal nachschaute ob die Ringe noch alle da sind. Sie sind es! Auch die nun schon wieder deutliche Ringöffnung sieht man. Insgesamt stand er aber noch so tief, dass die Atmosphäre sogar Farbränder am Planetenumriss bewirkte.

Zum Abschluss beschäftigte ich mich nochmals mit dem Objekt, mit dem ich angefangen hatte. Die Rotation des Mars' hat bewirkt, dass ich nun ein völlig neues Bild von der Planetenoberfläche erhielt. Wie schon zuvor beobachtete ich mit dem 9mm Ortho aber ohne Filter. Eine markante Oberflächenstruktur, auch bekannt unter Syrtis Major, war nun das dominierende Oberflächendetail. In einer Zeichnung habe ich dies ebenfalls festgehalten.
   

Ein paar Stunden und ein Planet sieht komplett anders aus. Um es mit Spok auszudrücken: "Faszinierend!"
[Bild: signatur_fs.gif]
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#2
Klasse Bericht Florian!!

Deine Marszeichnung (die erste) bestätigt meine Beobachtung und meine Skizze. So hab ich ihn auch betrachtet.

Die Marsdrehung und die Veränderungen auf der Oberfläche finde ich ähnlich interessant, wie die Mondbewegungen der Galileischen Monde des Jupiters.

Es ist wie du beschreibst: "faszinierend" diese Himmelsschauspiele live mitzuerleben.
the sky is the limit

Gruß Uwe

"Sehen ist schwieriger als Glauben" Zitat aus "Die Kometenjäger"

http://www.the-night-black-white.de
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#3
Hallo Florian,

sehr schöner Bericht.

Wie viel Zeit liegt zwischen den beiden Marszeichnungen, oder wann wurden sie gemacht?

Ah - sehe gerade 20:20 und 22:50 Uhr.

Das sind gerade mal 2 Stunden und 30 Minuten. Der Mars dreht sich in knapp 24 Stunden und 30 Minuten einmal um seine Achse. Da verändert sich die Oberfläche nicht derart stark.
Wenn ich deine Zeichnung mit Mars Previewer vergleiche ist die erste Zeichnung nicht deckend dafür passt die zweite Zeichnung perfekt.
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

Wer die Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!
Benjamin Franklin
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#4
Hallo Ulf,

jetzt verblüffst Du mich schon etwas. Uwe hat sogar bestätigt, dass er zur fast selben Zeit den ähnlichen Anblick im Okular hatte. Aber ich habe die Skizze mit dem Marsbild mal etwas aufbereitet.
   

Bitte bedenke, dass ich mit einem SC beobachte, das einen Zenitspiegel hat. Dadurch ändert sich die Bildorientierung je nachdem wie man reinschaut. Außerdem ist die Abbildung auch noch spiegelverkehrt. Zur Orientierung habe ich die Rotationsachsen mit rot etwas eingezeichnet.

EDIT: Erste Bildpaar ist original vom Zeichenblatt. Zweites Bildpaar ist gespiegelt und verdreht.
[Bild: signatur_fs.gif]
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#5
Hallo Florian,

auch du konntest, das erste mal in diesem Jahr richtig beobachten, toll wen man die Sterne sieht Big Grin und mir nichts nützen. Mein weg zum Beobachtungsplatz wurde zugeschoben, über 70cm Schneehügel, meine Hofeinfahrt ist Spiegelklatt und Lampen stören. Also auch schlecht der Platz.
Rasen im Garten kann ich sowieso vergessen, zugeschneit. So verbrachte ich den Abend also drinne. Angry Ärgerlich.

Deine Zeichnungen sind toll geworden, und der Bericht lässt sich gut lesen.
Mars ist schon ein richtig interessantes Objekt, das ich gerne wieder sehen will.
Es wird Zeit, das es draussen Auftaut. Rolleyes
Gruß Karsten
________________________________________
GSO 12" f/5 Dobson 300/1500mm
ED80 80/560mm auf Meade LXD75 Montierung
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#6
Hallo Florian,

wo hast Du die Farbigen Bilder (es ist zweimal das gleiche) her, damit ich mal vergleichen kann.

Hier mal die Ansicht aus Mars Previewer. Abbildung Spiegelverkehrt, Norden oben.

07.02.2010 20:20 Uhr

.jpg   Mars_2010.02.07_20.20.jpg (Größe: 11,62 KB / Downloads: 97)

07.02.2010 22:50 Uhr

.jpg   Mars_2010.02.07_22.50.jpg (Größe: 11,67 KB / Downloads: 97)
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

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Benjamin Franklin
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#7
Hallo,

@ Karsten: Das Teleskop lieber in den Schnee gestellt als die wenigen klaren Nächte sausen lassen. Wink Mars entfernt sich schon seit Ende Januar wieder von der Erde.

@ Ulf: Die beiden "bunten Bilder" (übrigens aus Stellarium) sind natürlich die gleichen. Diese sind nur zur Veranschaulichung doppelt. Meine Zeichnung habe ich angepasst indem ich sie gespiegelt und gedreht habe. Zum weiteren Vergleich noch die Mars Previewer Bilder. Mit Mars Previewer arbeite ich selbst nicht. Auch diese nun noch passend gedreht.
   
[Bild: signatur_fs.gif]
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#8
Hallo,

hier mal noch meine Skizze zum Vergleich. Bin gerade erst von der Jugendsitzung heimgekommen.


Angehängte Dateien
.bmp   Unbenannt.bmp (Größe: 292,08 KB / Downloads: 37)
the sky is the limit

Gruß Uwe

"Sehen ist schwieriger als Glauben" Zitat aus "Die Kometenjäger"

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#9
hallo Leute,
jetzt erwische ich ja mal ein paar Visuelle auf einem Haufen...Big Grin

Spass beiseite,
wirklich tolle Berichte, die IHR hier abliefert (damit meine ich all unsere Berichterstatter für Beobachtungsberichte wie Uwe, Florian, Philipp, usw..)

Das wollte ich mal hier Kundtun,
denn da gehört schon einiges dazu das in Worten "rüberzubringen"

PS:Vielleicht mag man es kaum glauben, aber auch ich BEOBACHTE gerne, und habe so manche Erlebnisse....
Grüße: Thilo

AstroBin-Thilo
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#10
Hi Thilo,

ich werde mich bemühen auch weiterhin in treffender Art und Weise mein Hobby (die visuelle Beobachtung) zu verschriftlichen, damit ihr euch daran erfreut.

Wie ich in Michaels Thread bereits erwähnt habe ist die Mischung in unserem Forum sehr brauchbar. Wir haben für die verschiedensten Bereiche "Exoten". Sei es unterschiedliche Fotografietechnik, visuelle Beobachtung an Sonne oder in der Nacht, Montage und Teleskopbau, Händler, Programmexperten und und und...

Das macht´s aus und unser Wissen dient allen. Auf gut Deutsch:

"Ich fühl mich Sauwohl in unserer Truppe!"
the sky is the limit

Gruß Uwe

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#11
Hallo Florian.

OK so kommen wir der Sache schon näher.
Sieht aus als wäre das Bild aus Stellarium näher an der Wirklichkeit.

Die Bildverdrehung beim SC ist doch sehr ungewohnt. Wink
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

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Benjamin Franklin
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#12
@ Uwe: Wow auf Deiner Zeichnung kommt noch wesentlich mehr rüber. Da muss ich meine "künstlerische Ader" mal ein bisschen trainieren und sensibilisieren. Vor allem des Gesehene immer so auf das Blatt zu bekommen wie es im Okular aussieht ist nicht immer so einfach. Man kann ja nicht simultan mit einem Auge beobachten und mit dem anderen Auge ein Blick auf die Zeichnung haben und darauf los skizzieren.

@ Thilo: Danke! Zu "...aber auch ich beobachte gerne...": Das ist gut, denn nur eine reine Fotooptik? Aber wir brauchen auch ein paar Experten die die Bilder machen. Dann können wir unsere Skizzen mit den Bildern vergleichen.

@ Ulf: Wenn wir wieder mal zusammen beobachten, kannst Du Dich davon mal live von der Bildverdrehung durch den Zenitspiegel überzeugen.
[Bild: signatur_fs.gif]
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