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TAL 250K - Kompendium
#58
Nach längerer Pause möchte ich den Thread hier mit ein paar weiteren Beiträgen zum TAL-250K ergänzen. Beginnen wir mal mit der Praxis ..

Nachdem ich nun rund ein Dutzend mal die Sekundäreinheit mit der Methode, die Yuri Klevtsov beschreibt, justiert und auch des Öfteren den Hauptspiegel über die Kollimationsschrauben auf der Rückseite des Tubus kollimiert habe, möchte ich zunächst jenseits der Theorie von ein paar Erfahrungen berichten. Da es ja nicht allzu viele TAL-250K Besitzer gibt, versuche ich das Ganze mit Bildern möglichst anschaulich darzustellen, damit es gut nachvollzogen werden kann. Vielleicht wird es ja so auch für einen Nicht-Klevtsov Besitzer eine interessante Lektüre.

Zur Justage der Korrektoreinheit:

http://forum-stellarum.de/showthread.php...6#pid30256
Die im oben verlinkten Beitrag #44 beschriebene Methode ist sehr sensitiv. Zur Ausrichtung des Lasers sind Lineareinheiten, die die Möglichkeit haben im Mikrometerbereich zu positionieren, sehr hilfreich, wenn nicht fast schon notwendig.

Besonders sensibel reagiert die Abbildung die Newtonschen Ringe auf Lageänderungen des Tubus. Schon eine um ca. 0,5mm veränderte Position führt dazu, dass diese nicht mehr zentrisch erscheinen. Eine "perfekt reproduzierbare" Justage ist damit unerreichbar, weil der Fehlerbeitrag, der über die Kunststoffbuchsen (zur Markierung der optischen Achse) eingebracht wird, größer ist. Einfacher gesagt: Hat man die Korrektureinheit perfekt justiert und verschiebt testweise das Teleskop ein kleines Stück um den Laser dann per Buchsen erneut auf die optische Achse zu zentrieren, werden die Newtonschen Ringe (obwohl vorher "perfekt") höchstwahrscheinlich wieder nicht ganz zentrisch erscheinen, was eben der Ungenauigkeit in der Festlegung der optischen Achse geschuldet ist (geschätzt +/- 0,25mm). Insgesamt scheint es so, dass eine Abweichung der äußeren Newtonschen Ringe von rund 3mm vom zentrischen Idealzustand völlig akzeptabel ist und in der Fehlertoleranz liegt.

   

Die zentrischen Bohrungen der Kunststoffbuchsen sollten mit 0,5-1mm möglichst gering sein, um den Fehlerbeitrag möglichst gering zu halten. Auch die schwarze Markierung der winzigen Bohrungen hat sich bewährt um die feinen Löcher auch bei eingeschalteten Laser noch zusehen.

       

Ebenfalls definitiv notwendig ist ein Helium-Neon-Laser. Klassische "Justierlaser" (a la Newton), haben keine ausreichende Kohärenzlänge und bieten nicht den notwendigen dünnen und runden (!) Laserstrahl.

   

Der Laserstrahl sollte aus der Richtung des Okularauszugs zur Korrektoreinheit laufen und nicht umgekehrt. Eine Gruppe Moskauer Amateurastronomen wendet die Methode ebenfalls an, aber dieser markieren die optische Achse mit dem Laserstrahl aus Richtung der Korrektureinheit zum OAZ. Ein paar Versuche hier vor Ort zeigten, dass sich auch auf diese Weise die Newtonschen Ringe erzeugen lassen, allerdings weiten die Linsen der Korrektoreinheit den Laserstrahl deutlich auf, so dass er bei passieren der Buchse im Okularauszug schon 6-8mm Durchmesser hat, was eine präzise, zentrische Einstellung erschwert.

   

Entscheidend für die Genauigkeit ist eindeutig die möglichst exakte Festlegung der optischen Achse durch den Tubus per Buchsen und Laserstrahl. Hierfür sollte man die meiste Zeit verwenden und auch vorher schon den OAZ (soweit er diese Möglichkeit bietet) justiert haben.

Die sechs Justageschrauben an der Korrektoreinheit (alle arbeiten "auf Zug"), lassen sich anschließend gut mit einem T-Schrauber und 7mm Stecknuss drehen (M4).

   

Da man über die Abbildung der Newtonschen Ringe auf dem Projektionsschirm eine direkte visuelle Kontrolle über die Wirkung der Schraubbewegungen hat, entwickelt man sehr schnell Gefühl und Geschick für die Justage.

   

Beim Justieren geht es dann nur noch darum die Korrektoreinheit über diese sechs Schrauben zu fixieren und gleichzeitig die erzeugten Newtonschen Ringe mittig auf der optischen Achse, die der Laser markiert, zu halten. Es genügt die Justageschrauben gut handfest mit dem T-Schraubber anzuziehen, so dass jede Schraube in etwa dieselbe Anzugskraft ausübt - so ist die Kräfteverteilung optimal.

   

Konstruktiv gesehen können die Schrauben (auch bei starkem "Anziehen") keinen Astigmatismus an der Korrektoreinheit erzeugen. Dennoch ist es materialschonender die Kräfte zu dosieren.

Zur Kollimation am Hauptspiegel:
Die sechs Kollimationsschrauben befinden sich auf der Rückseite des Tubus (im Originalzustand abgedeckt durch einen Gummiring) und sind mitunter sehr stark angezogen.

   

Sie arbeiten ebenfalls alle "auf Zug" und im Gegensatz zu einschlägigen Empfehlungen nur drei der sechs Schrauben zu lösen um dann zu justieren), hat es sich bewährt alle Schrauben leicht (eine Vierteldrehung) zu lösen (drei Schrauben halten den Spiegel noch genauso fest, so dass sich da nichts justieren ließe).

   

Ein angebauter OAZ verhindert normalerweise die Erreichbarkeit aller sechs Schrauben mit einem geraden T-Schrauber. Eine Ratsche mit Stecknuss löst das Problem prinzipiell, ist aber meist zu dick um in den Zwischenraum zwischen OAZ und Adapter zu gelangen. In meinem Fall löste das Problem ein extra angefertigtes Werkzeug, das aus einer auf 11mm abgelängten Stecknuss, die in einen passenden Ringschlüssel eingeschweißt wurde.

   

Die Stecknuss ist lang genug um die versenkten Schrauben zu erreichen und kurz genug um in den Zwischenraum zwischen OAZ und Adapter zu gelangen.

       

Falls sich eine Schraube hartnäckig einer Drehung widersetzt, sollte man zunächst die anderen Schrauben lockern um diese eine zu entlasten (die Schrauben kontern sich letztlich gegenseitig). Anschließend sollte sich auch diese drehen lassen.

Um eine gute Ausgangsposition für die nachfolgende Kollimation zu bekommen macht es anschließend Sinn alle Schrauben nun soweit zu entlasten, dass sie sich gefühlt einigermaßen gleich schwer/leicht drehen lassen. Die Grenze sollte aber bei einer 180 Grad Drehung, maximal einer vollständige Umdrehung liegen. Die 14mm langen M6 Schrauben (Schaft 10mm) stecken mit ca. 4 Umdrehungen in einem Gewinde, so dass man sicher sein kann, dass der Hauptspiegel weiterhin gehalten wird. Im Querschnitt oben sind die Schrauben rot gezeichnet und der ringförmige Gegenpart in dem die Schrauben "stecken" ist violett.

   
   

Das Ausrichten des Spiegels erfolgt klassisch am defokussieren Sternscheibchen indem der Schatten der Korrektoreinheit zentrisch eingestellt wird. Bei stark dekollimierten Hauptspiegel zeigt sich anfangs eine deutliche Komafigur, die zunächst auch kaum auf die Schraubbewegungen reagiert.

   
(Komafigur unter Weglassung der Spider gezeichnet nach Vorlage von Aberrator 2.0)

Letztlich hilft nur eine Schraube so lange anzuziehen bis ein sichtbarer Effekt ("Schatten wandert nach ... oben ... unten ... links oben ... rechts unten") eintritt und das auf einem Blatt Papier schematisch festzuhalten. Diese Skizze leistet später wertvolle Dienste, wenn es darum geht ganz gezielt noch kleinste Bewegungen zu machen. So kann man sich sehr zuverlässig an den optimalen Zustand herantasten

   
(Komafigur unter Weglassung der Spider gezeichnet nach Vorlage von Aberrator 2.0)

Grundsätzlich sollten nur kurze Drehungen an den Schrauben (maximal 30-45 Grad) gemacht werden um das Sternscheibchen nicht aus dem Gesichtsfeld des Okulars zu verlieren. Anfangs wandert nach fast jeder Schraubbewegung das Sternscheibchen an den Rand des Gesichtsfelds und man muss das Teleskop neu positionieren. Motorisch ist "Rate 2x" (zweifache siderische Geschwindigkeit) eine angenehmes Maß hierfür. So kann man sich schrittweise: Schraube drehen - Kontrolle am Okular - neu im Gesichtsfeld positionieren - neue Schraube (mit Hilfe der Skizze) auswählen ... und wieder von vorne ... an die optimale Position herantasten.

   
(Komafiguren einer zunehmend besseren Kollimation unter Weglassung der Spider gezeichnet - Vorlage von Aberrator 2.0)

Die Kunst besteht darin dieses Herantasten unter Einbeziehung aller sechs Schrauben vorzunehmen. Das größte Problem ist es nämlich weniger den Hauptspiegel genau auszurichten, sondern viel mehr dass anschließend wieder alle Schrauben mit gleicher Anzugskraft an der Spiegelhalterung ziehen. Es tritt oft der Fall ein, dass der HS schon perfekt passt, aber noch ein oder zwei Schrauben recht locker sind und ein Anziehen dieser Schrauben den HS wieder aus seiner optimalen Position drückt. Die anderen vier bis fünf Schrauben können aber (zum Ausgleich) nicht noch fester angezogen werden ohne ein Abreißen der Sechskantköpfe zu riskieren. Hier hilft nur ein "Neustart" - also ein erneutes Lösen der Schrauben. Nicht anzuraten ist dies eine Schraube "locker" zu lassen, weil das den Status quo einer ungleichen Kräfteverteilung erhält und letztlich auch die verbleibenden 4-5 Schrauben rund 15-30% mehr Kraft aufbringen müssen um den Hauptspiegel genauso stabil zu halten, wie bei einer Kraftaufteilung auf sechs Schrauben.

Wenn man wie oben beschrieben ein Werkzeug mit Hebel benutzt ist besondere Vorsicht angebracht, um die Schraubenköpfe nicht abzureißen, da der subjektiv aufgebrachte Kraftaufwand natürlich deutlich geringer ist.

Für die Kollimation des HS halte ich mehrere (orthoskopische) Okulare bereit (bei mir Baader Eudiaskopic):
35mm um den Stern/künstlichen Stern (wieder) zu finden, wenn er bei höheren Vergrößerungen nicht mehr im Gesichtsfeld ist.
12,5mm (170x) TAL Fadenkreuz, bzw. Messokular um das Sternscheibchen mittig ins Gesichtsfeld zu bringen 10mm (213x) für eine erste Annäherung an einen guten Kollimationszustand (Schatten erscheint schon ziemlich zentrisch) 5mm (426x) für die präzise Ausrichtung des Hauptspiegels

   
   
Das TAL Messokular ist dafür sicherlich etwas "überdimensioniert", bietet aber eben auch ein sauberes Fadenkreuz.

Noch höhere Vergrößerungen werden meist durch das Seeing unterbunden. Auch bei einem künstlichen Stern um Innenraum machen kleinere Brennweiten nur noch bedingt Sinn. Das Seeing ist zwar weitgehend unter Kontrolle, aber die Helligkeit (und damit der Kontrast) sinkt deutlich. Und für einen KS, der keine sphärische Aberration mehr einbringt, braucht man bei 2130mm Brennweite einen sehr großzügigen Raum. Kürzere Abstände geht natürlich auch, weil das zentrische Einstellen des Schattens darunter nicht leidet, aber wenn man in den Fokus geht und dann am wirklichen Beugungsring noch weiter nachbessern will, stören dann die eben vorhandenen vielen Beugungsringe und deren Wabern und Tanzen doch erheblich


.jpg   Focus#1.jpg (Größe: 15,18 KB / Downloads: 982)
(Simulation erhöhter sphärischer Aberration durch einen künstlichen Stern in zu geringer Entfernung durch Aberrator 2.0).

Ich nütze (aber eigentlich nur noch zu Kontrolle und nicht mehr zum Schrauben) eine 2,5 x Powermate in Verbindung mit dem 10mm Okular (532x)

Effektiver ist es so nahe an den Fokus zu gehen, dass das Sternscheibchen zu einem kleinen hellen Ring zusammenfällt. In diesem Ring erkennt man an den Helligkeitsunterschieden sehr zuverlässig ob die Einstellung schon perfekt passt, oder Schatten der Korrektoreinheit noch eine Winzigkeit in Richtung des etwas dunkleren Ringsegments rücken muss.


.jpg   Ring.jpg (Größe: 14,65 KB / Downloads: 977)
(Komafigur unter Weglassung der Spider gezeichnet nach Vorlage von Aberrator 2.0)

Der Zeitbedarf liegt, bei einer sehr sorgfältigen Vorgehensweise, bei jeweils rund 2 Stunden - also nicht gerade wenig. Dazu muss aber gesagt werden, dass ich es bisher noch nie erlebt habe, dass sich die Korrektoreinheit oder der Hauptspiegel in ihrer Position selbstständig verändert haben. Jede Veränderung/Dejustage ging von mir aus. Das oben erwähnte mehrmalige Justieren/Kollimieren diente schlichtweg dazu Erfahrungen zu sammeln und Übung zu bekommen.

Summa summarum ist - nach etwas Übung - die Methode gut zu beherrschen und die sauberen Ergebnisse können zuverlässig reproduziert werden.
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Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“
                                                                                                                              (Mascha Kaléko)  
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TAL 250K - Kompendium - von Ralf - 23.12.2013, 18:36
RE: TAL 250K das etwas andere Teleskop - von Andreas-TAL - 31.01.2015, 23:39
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 30.06.2019, 19:22
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RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 01.07.2019, 23:31
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RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 02.07.2019, 21:16
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 03.07.2019, 18:51
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 04.07.2019, 21:55
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 05.07.2019, 15:33
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 05.07.2019, 15:36
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 10.02.2020, 22:04
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 08.03.2020, 12:31



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