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TAL 250K - Kompendium
#90
Hallo Christoph, hier ist sie ...

Let’s talk about black, baby [...] let’s talk about all the good things, that may be ... Big Grin
Nachdem der Klevtsov also zerlegt war, tauchte zeitgleich im blauen Forum ein Artikel über schwarze Farbe auf. Natürlich wurde ich da neugierig:
http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=236663
 
Im Original war das ja eine Künstler & Theaterfarbe (so klassisches Black Theater), aber nachdem sie sogar Vantablack einigermaßen ebenbürtig sein sollte, war meine Interesse noch größer:
http://stuartsemple.com/project/black-v1-0-beta-worlds-mattest-flattest-black-art-material/

In einem recht seriös anmutenden „Test“ hat sie zudem auch gut abgeschnitten:
https://astronomie-teilen.de/reflexion-von-licht-an-absorbierenden-oberflaechen/
 
Kleine Anekdote zu Vantablack: Im August 2018 fiel ein Besucher im Museum Serralves in Porto in ein zweieinhalb Meter tiefes Loch, dass der Künstler Anish Kapoor installiert und mit der Farbe Vantablack hatte beschichten lassen. Dadurch sah es nicht mehr wie Loch aus, sondern wie eine begehbare Fläche. Alle Reflexe und Konturen im Inneren des Lochs verschwanden durch Vantablack.
 
OK, wenn diese Farbe an so eine Streulichtunterdrückung wie Vantablack auch nur herankommen würde und mein Klevtsov (vor allem das Blendrohr) aktuell gut zugänglich war, dann war das vielleicht ein Zeichen. Also habe ich mit besagtem Künstler Stuart Sample (der hat die Farbe entwickelt und vertreibt sie) Kontakt aufgenommen und eine 150ml Flasche bestellt.
 
       
 
Natürlich bin ich nicht so blauäugig irgendwas in meinem Klevtsov reinzupinseln, dass noch nie jemand zuvor zu diesem Zweck genutzt hat. Also machte ich hier - 150ml sind ja genug und die "Verschwendung" blieb in Grenzen - ein paar Beschichtungstests parallel mit zwei anderen schwarzen Farben. Das eine war „Tetenal Kameralack“, der findet sich meist im inneren mattschwarzer Kamerakörper, das andere war „Krylon Camouflage Ultra Flat“ aus den USA. Das sind die beiden, die ich aktuell zum Erreichen von reflexionsarmen Oberflächen verwende.
 
   
 
Die oft in dem Zusammenhang genannter Berger Astrofarbe verwende ich nicht mehr, weil sie einfach mit einer zu dicken Schicht austrocknet, die Pigmentierung sehr unregelmäßig ist und ein Großteil der Pigmente eher im Pinsel oder in der Rolle bleibt. Zudem hängt die reflexmindernde Wirkung stark vom Pinselstrich und der Richtung des Auftrags ab.

Hier das Ergebnis meiner, ziemlich primitiven Versuche:
Die Bilder zeigen die drei Farbaufträge und ihre Wirkung, fotografiert OHNE zusätzliches künstliches Licht in einem Kellerraum. Die Tür zum Flur (der von oben Tageslicht erhält) war offen und hat für eine diffuse "Grundhelligkeit" gesorgt.
Das Bild unten zeigt die Musterfarbtafel schräg abfotografiert (Winkel ca. 25 Grad). Die von mir absichtliche erzeugte Falte im ursprünglich weiß hochglänzenden Papier (um etwas an Konturen zu bekommen), geht übrigens durch alle drei Farbfelder hindurch!
Linker Bereich: "Black 2.0" / Mittleres Bereich: "Tetenal" / Rechter Bereich: "Krylon Camouflage"

     
Farblich geben sich die Schwarz nichts, extrem auffallend ist aber, dass die erzeugte Falte im Papier bei "Black 2.0" visuell nahezu komplett verschwindet, obwohl sie existiert! Alle Bilder stammen aus einem Foto. Der Versatz der Falte kommt dadurch zustande, dass ich das Foto etwas beschnitten habe um es schmäler zu bekommen. Für die, die hier nur Schwarz sehen: Das hängt natürlich sehr stark von der Monitorkalibrierung ab. Ich habe einen großen 32“ Monitor für Grafikanwendungen, da sehe ich Unterschiede sehr deutlich. Auf dem iPad mit seinem LCD sehe ich auch schwarz. Heißt aber auch, dass alle drei recht schwarz sind.

Hier ist dieselbe Farbtafel, aber senkrecht von oben fotografiert.

   
Im senkrechten Bereich fällt der Unterschied deutlich geringer aus. Die Farbverteilung ist identisch zu oben.

Sehr deutlich wurde es, als ich den Blitz dazu genommen habe:

   
 
Die Wirkung war also ziemlich eindeutig, zumindest kamen meine zwei anderen Referenzfarben nicht wirklich hinterher, obwohl sie wirklich gut sind. Nachdem die optischen Elemente am Teleskop sowieso gerade noch mit Polymer abgedeckt waren, konnten die Malerarbeiten beginnen. Zuvor baute ich mir noch ein „Spezialwerkzeug“ aus einer Malerrolle, um gut in die Tiefen des innenseitigen Blendrohr zu kommen und es innenseitig problemlos schwärzen konnte. Auch für den Tubus leistete die Rolle sehr gute Dienste.

           
Den HS habe ich dennoch (sicher ist sicher) mit passend konturierten Papier abgedeckt. Der Farbauftrag erfolgte zweimal. Die Farbe deckt sehr gut, ist extrem stark pigmentiert (holla, die Waldfee - ein Minitropfen irgendwo braucht massenhaft Wasser bis der endlich komplett weggewaschen ist).

Da das iPhone beim Fotografieren die Blende automatisch angleicht (je nach Helligkeit des Bildes im Fokus), sind vorher - nachher Bilder nicht seriös möglich. Aber der dunkle Tubus hier spricht eine deutliche Sprache. Da scheint also durchaus eine Verbesserung erfolgt zu sein.

       
Hier wieder die Fotos im normalen Tageslicht, das Fenster rund 120 cm entfernt
 
Grundsätzlich ist es ja so, dass stark streulichtunterdrückende Farben letztlich in einer 3dimensionalen Struktur austrocknen. Also ist immer darauf zu achten, dass man die beschichteten Flächen so wenig wie möglich berührt, um diese Struktur zu erhalten. Da sind Sprays natürlich im Vorteil, weil der Auftrag selbst fast schon dreidimensional erfolgt (ja man ja nicht wie mit einem Pinsel oder einer Rolle "drückt" oder wischt. Wenn man das im Blick hat, scheint "Black 2.0" eine gute Option zu sein, wenn man nicht per Spray arbeiten kann oder will. In meinem Fall erfolgte ein zweimaliger Auftrag per Rolle. Interessant ist auch dass Black 2.0 einerseits wirklich „voll fett schwarz“ erscheint und Strukturen per Auge und auf Fotos völlig konturlos werden, andererseits aber auch einen dunkelgrauen (statt schwarzen) Eindruck hinterlassen kann. Viel hängt anscheinend auch hier davon ab, wie stark gerichtet das Licht ist und wie der Reflexionswinkel ist. Wenn ich bei Tag auf die Spider blicke, kommen die dunkelgrau daher, im schwachen, dämmrigen Licht erscheint der Tubus mit den Spider davor jetzt aber völlig strukturlos und nicht mehr dreidimensional.

   
Das Bild gibt näherungsweise den Eindruck wieder, wie sich der Tubus (der Fokuspunkt war im Schwarzen und die Empfindlichkeit war ganz nach oben geschoben, wie der völlig überbelichtete Hintergrund zeigt) jetzt visuell darstellt.
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Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“
                                                                                                                              (Mascha Kaléko)  
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Andreas Paul (30.06.2019), Christoph (30.06.2019), Florian B. (30.06.2019)
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TAL 250K - Kompendium - von Ralf - 23.12.2013, 18:36
RE: TAL 250K das etwas andere Teleskop - von Andreas-TAL - 30.06.2019, 17:00
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 30.06.2019, 19:22
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RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 01.07.2019, 02:29
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 01.07.2019, 23:31
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RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 04.07.2019, 21:55
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 05.07.2019, 15:33
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RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 10.02.2020, 22:04
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 08.03.2020, 12:31



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