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TAL 250K - Kompendium
Das Licht lacht immer über das Werk der Dunkelheit
(Sprichwort aus den baltischen Staaten)

Licht an, die Show beginnt: Was soll ich schreiben?
Im Vergleich zu den Vorgängerversionen sind diese Lochblenden eine enorme Verbesserung. Die Lichthöfe um die Bohrungen, die Schattenwürfe und Kringel sind eine wahre Augenweide (wenn man so drauf ist, dass man Lichtreflexe und so‘n Zeug geil findet) und zeigen eine enorme Schärfe.
Eher per Zufall habe ich entdeckt, dass man nun auch vor die Teleskopöffnung, so in 1 m Abstand einen weißen Karton im 90 Grad Winkel stellen kann. Darauf werfen die Blenden und Pinholes durch den Laser diverse Schatten und Reflexe. Das ist wie eine zusätzliche Zoomstufe in der Darstellung: Das bedeutete eine große Hilfe in der genauen Positionierung des Lasers. Auch auf der M42 Blende zeigte sich ein hochfeines Muster konzentrischer oder eben nicht konzentrischer Kreise.
 
Es war fast ein Spaß immer wieder zwischen den verschiedenen Locheinsätzen zu wechseln, mit den verschiedenen konzentrischen Schatten, die die Blenden, die konzentrischen Kreise, die Bohrungen auf diesen Karton warfen, zu spielen und so (das ist ja alles ein iterativer Prozess) die Ausrichtung des Lasers auf die tatsächliche optische Achse des Teleskops immer weiter zu steigern. Die Bilder zeigen nur Ansatzweise die feinen Strukturen. Das menschliche Auge ist weitaus empfindlicher wie eine Smartphone Kamera, die das Ganze hier nur sehr unvollkommen und „grob“ abbilden kann.
 
       
So sieht der Schattenwurf auf dem weißen Karton rund 100cm von der Teleskopöffnung entfernt aus. Die Smartphone Kamera ist hoffnungslos überfordert die sehr feinen und detaillierte Bildbereiche in so einer Totale wiederzugeben. Das menschliche Auge ist da viel sensibler unterwegs und kann, vor allem mit den starken Helligkeitsunterschieden, besser umgehen. In echt war gerade der Kern in der Mitte (der hier einfach überbelichtet ist) sehr detailliert zu sehen. Auf dieses Bild konnte man den Laser unheimlich genau einstellen.

Der Lichtkern ist der Laser, der die beiden Blendenöffnungen passiert, der innere Halo ist das Licht, dass durch die Acrylglasblenden gestreut wird und das Teleskop dann nach vorne gerichtet verlässt. Der große, äußere Ring ist der Lichtreflex des HS, da die Korrektoreinheit den Laserstrahl an den Linsenkanten bricht und einen geringen Teil wieder Richtung Tubusrückwand reflektiert. Ein Teil davon passiert das Blendrohr und bildet die sog. "Newtonschen Ringe" die um einen Projektionsschirm um den Laser herum sichtbar werden (die braucht man dann zur Justage der Korrektoreinheit), der größere Teil wird vom HS wieder Richtung Tubusöffnung gespiegelt und erzeugt diese große Lichtfläche in der die "Curved Spider" ihren Schatten werfen.

Die Ausrichtung des Lasers mit diesem Teststand und den Mikrometereinheiten ist sehr senibel.

   

Hier sieht man das Bild eines leicht abweichenden Laserstrahls. Die Abweichung hier beträgt (wenn der Laser seitlich zur Achse versetzt wäre) rund 0,15 mm. Wäre stattdessen ein leicht „schiefer“ Winkel in dem der Laser abstrahlt die Ursache, wäre das eine Abweichung von 0,008 Grad. Die hohe Genauigkeit kommt durch den langen Abstand zwischen Laserkathode und dem oben sichtbaren Punkt - hier über 300 cm. Also wirklich super sensibel - mit dem Nachteil, dass es eigentlich nie so absolut perfekt passt. Nicht weil es so ungenau ist, sondern weil es eigentlich zu genau ist.

   


Und hier passt jetzt tatsächlich alles! Luft anhalten, nicht mehr sprechen, nichts berühren und gaaanz langsam den Raum verlassen.

   
Das ist auch wieder das Schattenbild wie es auf der Acrylglasplatte hinter der Korrektoreinheit zum Liegen kommt (wie oben). Der innere weiße Punkt ist das 1 mm große Pinhole dieser Blende. Der größere weiße Punkt ist das 0,6 mm große Pinhole der Blende, die in der Tubusrückwand des Teleskops steckt (der ist dennoch größer, weil sich der Laserstrahl der dieses Pinhole passiert, aufweitet). Die weiteren Kringel außen herum sind die Beugungserscheinungen, die sich durch das Passieren des Laserstrahls durch die Pinholes ergeben. Entscheidend sind die beiden hellen Ringe/Punkte, da diese die zentrisch positionierten Pinholes vorne und hinten am Teleskop repräsentieren.
Fazit: Beide Kringel zueinander zentrisch = Laserstrahl geht exakt mittig durch das Teleskop = der Stahl ist jetzt "identisch" mit der optische Achse des Teleskops. Der Schatten-Licht Reflex auf diesem Bild ist übrigens (in Originalgröße und gemessen inkl. dem schwach sichtbaren roten Ring außen) nur 8-9 mm groß. Der innere schwarze Kringel hat 0,15 mm Dicke. Das ist die Sensitivität, die ich brauche. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Kontrolle: So sah das nicht auf der Acrylglasplatte, sondern 100 cm weiter dahinter, auf dem weißen Karton aus. Immer noch zentrisch und mittig. Der Abstand wirkt ja wie ein Zoom auf das Bild. Passt!
Astrofotografisch gesehen könnte man zu dem Ergebnis sagen: Summenbild aus insgesamt 10 Stunden Belichtungszeit ...


   

Natürlich gab es eine Art Lernkurve meinerseits: Anfangs mühevolle Schritte verbesserten sich immer weiter, zu einem sehr fixen „Workflow“, so dass diverse Neustarts (weil man sich in einer Sackgasse glaubte) nicht weiter tragisch waren, da ich dann den letztbesten Zwischenstand sehr schnell reproduzieren konnte. Dennoch zog sich das Ganze rund 14 Tage hin, wobei sich darin aber eben „nur“ 3 oder 4 Tage verbergen, an denen ich jeweils so 2-3 Stunden mit dem „Erkunden“, „Ausprobieren“, „Spielen“ beschäftigt war, bis der Laser (meiner Einschätzung nach) mit der erforderlichen Genauigkeit, auf der tatsächlichen optischen Achse herumlaserte ...
 
Ein großer Wurf war es auch, den OAZ zunächst demontiert zu lassen und das Ganze erst über die eingesetzte Blende in der Tubusrückwand laufen zu lassen. Das hat dann den zweiten Schritt, nämlich mit angebauten OAZ (und dann der Blende im OAZ drin) zu schauen und zu prüfen, enorm beschleunigt. Außerdem konnte ich auf diese Weise (der OAZ ist über seine Adapterplatte justierbar) sehr genau die Verkippung des OAZ herausjustieren und mir war sehr bewusst, welche Abweichung von der optischen Achse, auf wessen Konto ging.
 
       
Mit einer anderen Pappscheibe justierte ich dann, in einem weiteren Schritt die Adapterplatte des OAZ so, dass dieser maximal genau auf der Achse lief. Hier musste ich einen kleinen Kompromiss eingehen, weil das Auszugsrohr eine hauchfeine "Welle" aufwies (so um die 0,1 mm). Die extrem starke Verkippung, von der ich in einem anderen Beitrag berichtete war weg (auch auf den letzten 10mm des Einfahrens). Ich vermute jetzt, dass ich ehemals mit den OAZ eine leicht schief festgelegte optische Achse kompensieren wollte und dass dann (notwendigerweise) auch schief einfahrende Auszugsrohr, auf den letzten Millimetern in Kontant mit der Seitenwand des Blendrohres kam und dann dem verdrückt wurde. Die Abweichung, die hier zu sehen ist (Lichtpunkt nicht exakt auf Fadenkreuz), war die maximale Ablenkung zwischen komplett eingefahrenen und ausgefahrenen Einzugsrohr, nachdem ich den Fehlerbetrag gemittelt hatte.

Und - wie sollte es auch anderes sein, habe ich für die Justage der Adapterplatte des OAZ wieder ein spezielles Werkzeug gebraucht. Die kleinen Madenschrauben, die hier zu sehen sind, drücken gegen die Tubuswand, die Senkkopfschrauben in die entgegensetzte Richtung. Damit kann man also die Adapterplatte (inkl. daran hängenden OAZ) genau und stabil justieren. Nur sind natürlich wieder einige der Madenschrauben im engen Zwischenraum zwischen OAZ und Adapterplatte gelandet. Aber dazu musste nur ein Inbusschlüssel etwas gekürzt werden. Sieht seltsam aus die Krücke, geht aber perfekt.

   
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Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“
                                                                                                                              (Mascha Kaléko)  
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TAL 250K - Kompendium - von Ralf - 23.12.2013, 18:36
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 30.06.2019, 19:22
RE: TAL 250K - Kompendium - von Christoph - 30.06.2019, 20:04
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas Paul - 30.06.2019, 23:17
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 01.07.2019, 02:29
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 01.07.2019, 23:31
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 01.07.2019, 23:32
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 02.07.2019, 16:14
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 02.07.2019, 21:16
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 03.07.2019, 18:51
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 04.07.2019, 21:55
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 05.07.2019, 15:33
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 05.07.2019, 15:36
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 10.02.2020, 22:04
RE: TAL 250K - Kompendium - von Andreas-TAL - 08.03.2020, 12:31



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