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Jenoptem 10x50W
#1
Seit gestern ergänzt ein (gebrauchtes) Carl Zeiss Jena Jenoptem 10x50W Fernglas neben einem Hensoldt 8x56 NachtDialyt, einem Zeiss 7x42 Dialyt und einem Zeiss 8x42 Conquest HD unseren kleinen "Fernglas-Fuhrpark". Hier möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, es näher vorzustellen. 
Das 10x50 Jenoptem genießt in Astrokreisen einen schon fast legendären Ruf und ist in sehr gutem bis fast neuwertigem Zustand 
auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Gehandelt werden die 10/50iger Jenoptem mit ca. 200,- €, was im ersten Moment ein recht ordentlicher Preis für ein etwa 30 Jahre altes Fernglas darstellt. Aber eben nur im ersten Moment...
Denn es kann optisch und mechanisch, meiner persönlichen Meinung nach, durchaus noch sehr gut mit modernen Ferngläsern in der 200Euro-China-Klasse oder sogar darüber mithalten. Sicherlich mögen moderne Ferngläser einen Tick schärfer oder heller sein, vielleicht auch mit einer etwas besseren Randschärfe punkten. Aber es ist zu 100% "Made in Germany" und nach wie vor ist eine Reparatur zu moderaten Preisen in Deutschland möglich. Aus diesem Grund wäre es von meiner Seite aus ein heißer Tipp für einen Astronomie-Anfänger und durchaus auch fortgeschrittenen (Hobby)Astronomen als (Zweit)Fernglas zu empfehlen. 
Sobald wieder klarer Nachthimmel ist muss es dann noch zeigen, was es an den Sternen und im Deepsky-Bereich draufhat, idealerweise auf einem (noch zu beschaffenden) Stativ. Erste Test bei Tageslicht und in der beginnenden Dämmerung an unterschiedlichen Objekten (Bäume, Ziegeldächer, Mauerwerk und ca. 1200 Meter entfernte Häuser) waren sehr vielversprechend was Schärfe und Kontrast angeht. Einziges Manko sind die nicht Brillenträger-geeigneten Okkulare. Da wir das Fernglas aber überwiegend astronomisch nutzen wollen, fällt dies für uns nicht so sehr ins Gewicht.    

Technische Daten (zum Teil Werksangaben, zum Teil selbst ermittelt*):
Gewicht: 1020 Gramm/1050 Gramm mit originalem Lederriemen*
Vergrößerung: 10fach
Obektivdurchmesser: 50mm 
Austrittspupille: 5mm
Lichtstärke: 25 
Dämmerungszahl: 22,36
Sehfeld: 128m/1000 Meter
Vergütung: Mehrschicht
Brillenträgerokkulare: Nein 
Baujahr: ca. 1988*

   

   

   

   
Don´t talk to aliens. (Stephen Hawking)  
Folgenden 2 Usern gefällt Jürgen D.'s Beitrag:
Florian B. (29.06.2017), Georg (30.06.2017)
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Folgenden 2 Usern gefällt Jürgen D.'s Beitrag:
Florian B. (29.06.2017), Georg (30.06.2017)
#2
Hallo Jürgen,

das Fernglas gerne auch zu unserem nächsten Stammtisch nochmal mitbringen und auch zu unserem Teleskoptreffen im Herbst. Ich würde gerne mal einen Blick durch wagen. Ich habe selbst ein günstiges Meade 10x50 "China-Klasse", ganz ok, aber nervtötend bis man es eingestellt hat, so dass man angenehm durchschauen kann.

Grüße,

Florian
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Astronomie, einer der schönsten Gründe, nachts nicht schlafen zu gehen!
(Zeiss-Werbung)
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#3
Hallo Florian,

ich bring das Fernglas (und gern auch Dialyt oder Conquest als Referenz) selbstverständlich zum nächsten Stammtisch mit. Das mit dem Einstellen geht beim Jenoptem eigentlich ganz fix und bleibt dann auch stabil. Ich kenne das Problem bei günstigen Gläsern, m.M. nach sind sie meist nicht sauber justiert bzw. hat die Okularfokusierung zuviel Spiel (bis zu +/- 1cm oder mehr). Was wiederum dazu führt, das man ständig nachfokussieren muss. 
Ok, ich bin natürlich durch unsere Hensoldt- bzw. Zeiss-Optiken sehr verwöhnt, was Schärfe und Kontrast sowie die Mechanik angeht.
Im rein optischen Vergleich zu Dialyt und Conquest macht das Jenoptem aber immer noch eine gute Figur. Ok, wir sprechen hier von der 1000 Euro-oder-mehr-Klasse und da kann ich nur meinen Hut ziehen, was vor gut 30 Jahren im Arbeiter-und-Bauern-Staat an optischem Know-How vorhanden war! Der damalige Neupreis war übrigens 379,- DM (Quelle: Carl Zeiss Jena-Katalog um 1990 -> auf der Internet-Seite von Holger Merlitz)    
Solltest Du ernsthaft in Erwägung ziehen Dir ein Jenoptem anzuschaffen, würde ich evtl. etwas mehr Geld in die Hand nehmen und ein geprüftes Glas vom Händler erwerben. In meinem Fall hatte ich das Glück, vor Ort bei einem Fotohändler in Nürnberg fündig zu werden und das Fernglas vor dem Kauf testen zu können. Bei Ebay werden 10x50er Jenoptem (und andere DDR-Zeiss-Ferngläser) recht häufig angeboten, wäre mir aber zu unsicher was den Zustand angeht.    

Gruß 
Jürgen
Don´t talk to aliens. (Stephen Hawking)  
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#4
Grade eben durchs offene Fenster freihändig mit dem Jenoptem den Mond angepeilt. Die Krater etwa in der Mitte zwischen Mare Nubium und Mare Tranquillitatis knackscharf und ansatzweise auch der eine oder andere Zentralberg zu erkennen. Auf einem Stativ dürfte sicher noch mehr drin sein....
Don´t talk to aliens. (Stephen Hawking)  
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#5
Hallo Jürgen,
schöner Bericht!
Ich habe ein Dekarem 10x50 mit Köcher im Schrank liegen, dass ich sehr selten benutze. Die Optik halte ich auch nach heutigen Maßstäben für sehr gut in dem Preisbereich. Das Gewicht ist relativ hoch so das langes freihändiges Beobachten schwer fällt. Entweder Arm auflegen oder gleich Stativ nutzen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Deinem Jenoptem und dem genannten Dekarem? Sie sehen äußerlich nahezu gleich aus.

Wenn Jemand so ein Glas erwerben möchte, ich würde Meines verkaufen Wink

C.S
Ralf
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#6
Hallo Ralf,

soweit mir bekannt, waren Bezeichnungen wie Dekarem (fürs 10x50 W ) oder Deltintrem (fürs 8x30 W) interne Bezeichnungen für den Vertrieb in der DDR.
Die Jenoptem-Ferngläser waren praktisch baugleich und für den Export in den Westen vorgesehen. Das Ganze kam vermutlich aber erst ab den späten 80iger Jahren bzw. kurz vor der Wende zum Tragen, um dringend benötigte Devisen zu beschaffen. 

Ist Dein Dekarem schon multivergüted (ab 1978) oder hat es noch die alte, blaue Vergütung? Anhand der Seriennummer und Vergütung lässt sich das Fertigungsjahr ziemlich genau eingrenzen. 

Gruß
Jürgen
Don´t talk to aliens. (Stephen Hawking)  
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#7
Hallo Jürgen,
ich habe das Glas nach der Wende verkauft und die Optik ist mulitvergütet - stimmt!
Vielen Dank für die Erklärung!

CS
Ralf
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#8
Mittlerweile konnte ich mit dem Fernglas auf einem Fotostativ erste astronomische Erfahrungen machen. 

Mond: knackscharf, leichter 3D-Effekt. Details wie Krater mit Zentralberg sind gut zu erkennen.
M31: als länglicher Nebelfleck zu beobachten, Galaxienkern ist bei längerem hinsehen zu erkennen. Unter dunklem Himmel und ohne Mond dürfte noch mehr gehen. 
M45: füllen etwa 50% des Sehfeldes aus. Nadelscharfe Sterne fast bis zum Rand. Schärfebereich ca. 75-80% des Sehfeldes. 
Jupiter: 2 Monde zu erkennen. 
Milchstraße: Nadelscharfe Sterne. Die Randunschärfe sehr dezent und nicht störend. 

Für mich im Moment das perfekte Astroglas.
Don´t talk to aliens. (Stephen Hawking)  
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