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VdS Tagung vom 23.03.2019
#1
Servus,

endlich kann ich euch von der VdS Frühjahrs-Tagung in Würzburg, vom 23.03.2019 berichten. Der Tagung war wie immer sehr lehrreich, Abwechslung in den Themen hat das Interesse der Besucher immer hochgehalten.
Unter anderem waren vom Forum Stellarum Ulf, Phillip, Franjo, meine Wenigkeit, später Ralf und Martina vor Ort. Und natürlich Christoph, wieder wie letztes Jahr als Referent, mit einem interessanten Thema. Aber dazu mehr im Verlauf des Beitrags.

Nach der Begrüßung durch Dr. Elsässer, kam als erstes Thema die "Lichtverschmutzung im Kontext der Ökologie mit Fokus auf Gewässer und Messungen bei jedem Wetter" auf uns zu. Es hat mich angenehm überrascht, wie viel die letzten zwei bis drei Jahre passiert ist mit neuen Forschungsprojekten zu diesem Thema Lichtverschmutzung. In absehbarer Zeit haben wir endlich mehr und sehr fundierte Forschungsergebnisse als starkes Argument an der Hand.
Dr. Andreas Jechow (Laser-Physiker)vom Geoforschungszentrum Potsdam hat Forschungen mit und von ihm und Kollegen vorgestellt. Es ging viel um Untersuchung an Bakterien (Biomasse) mit Tests des Einflusses von Licht, auch ein Vergleich von Natrium zu LED Licht. Dazu wurde im Westhavelland ein Versuchsaufbau erstellt. 
Es wird auch der Einfluss von Skyglow von Städten untersucht. Man hat festgestellt das selbst der Skyglow Einfluss auf Gewässerorganismen zu haben scheint!!!  Exclamation Die Anlage ist die größte Weltweit für dieses Thema, aktuell - 9m durchmessende Zylinder, 24 Stück, bis auf den Grund des Stechlinsees getrieben. Wow, habe nicht gedacht das man mittlerweile doch so etwas großes in Angriff genommen hat. Es tut sich also was.  Daumen hoch

Danach ging es um Sonne und Sonnenzyklen mit Steffen Fritsche. Er erklärte Grundlagen der Sonnenfleckenzyklen und das sich evtl. ein neues längeres Minimum der Sonne ankündigt. 
Außerdem habe ich gelernt, das es bei der Sonnenfotografie im Weißlicht eigentlich sogar interessanter wäre die Umbra eines Flecks nicht dunkel sonder heller darzustellen - denn darin enthalten sich viele Strukturen (Granulen in der Umbra, Störungen). Empfehlung dafür: ruhig mit 1/100 bis 1/150 Sekunde belichten. Je nach Gerät.

   

Drittes Thema LRGB Zusammensetzung von LRGB Mondpanoramen, von Rolf Hempel. Er arbeitet seit mehr als sechs Monaten an einer neuen Software - dem Planetary Image Stacker. Als "Abfallprodukt" stellte der sein LRGB Mondpanorma Maker vor. Bisher gibt es nichts vergleichbares um scharfe LRGB Setups vom Mond auch scharf überlagert zu stitchen.

Dr. Uwe Pilz, hat wie immer mit seiner lockeren, fast schon kabrettistischen aber auch wissenschaftlich fundierten Art viel und sehr anschaulich über Nebensonnen, deren Entstehung erklärt. Genial einfach!  Daumen hoch

Nach dem Mittagessen und vielen Gesprächen am Tisch hat Erich Meyer aus Linz seine Erweiterung, des vor zwei Jahren vorgestellten Milchstraßenpanoramas, als 360° x 180° Panorama vorgestellt. Er hat wieder gut erklärt, wie wichtig es ist sich zu vergewissern: Sind die abgebildeten Strukturen auch tatsächlich korrekt oder Artefakt? Viele Astrofotografen verstehen nicht, wie einfach es ist kurz zu recherchieren was Großteleskope oder Satelliten, auch in anderen Spektralbereichen als Vergleichsmaterial liefern!

Danach kam de große Auftritt von unserem Christoph - "Einige Gedanken zum Thema Zeit". Seine vergleiche von geschichtlicher, religiöser und physikalischer Zeiterfassung und Entwicklung waren eine aufschlussreiche Gegenüberstellung und hatten zu vielen Diskussionen angeregt im weiteren Verlauf. vor allem die Gegenüberstellung Präsentismus - Possibilismus - Eternalismus waren echt interessant.

           

Peter Riepe hat im Anschluss ein sehr trockenes, aber gut aufbereitetes Thema zu Farben von HII-Regionen erklärt. Was ist eine realistische Farbwiedergabe? Und nicht einfach an den Reglern geschraubt in der Bildverarbeitung - viele Astrofotografen erzeugen gutes Rohmaterial und vernichten es häufig in der Bildverarbeitung.

Bernd Gährken hat über Marsopposition und Aufnahmen sowie einer Kartenerstellung des Mars in Namibia referiert. Wahnsinn! Bilder und die abschließenden Videos ließen von Urlaub träumen.

Nach der Kaffeepause ging es mit Oliver Klös um Bedeckung von Sternen durch Asteroiden und wie man das u.U. sogar mit einer Stoppuhr selbst machen kann. Ein Beispiel was geht, was aber auch schief gehen kann hat er mit einem Freiwilligen aus dem Publikum und einer Messung an einem Testvideo an der Leinwand gemacht.
Hier sieht man aber sehr anschaulich, wie viel wichtige Arbeit von versierten Amateuren, zur Bahnbestimmung und Verbesserung dieser von Asteroiden, einen wichtigen Teil in Zusammenarbeit mit den Profiastronomen ausmacht.

   

Die FKG hat über sichere Nachführung ohne Guiding referiert, auch ein Programm zur Optimierung des Pointing-Modells ihrer neuen Montierung von 10Micron vorgestellt. Trotz der guten Technik dieser nicht ganz billigen Montierung muss offenbar doch viel Zeit investiert werden, bis alles sauber läuft. 

Jens Leich hat Zeichnungen von Mondlandschaften vorgestellt, wie man so etwas machen kann und wie er angefangen hat. Es ist wie immer viel Übungssache, ob Zeichnen an sich oder die richtigen Stifte oder Papier. Super entspannend herübergebracht!  Daumen hoch

Zuletzt hat Rainer Sparrenberg Polarlichtfotografie und Beobachtung vorgestellt mit eindrücken aus seinem letzten Island-Aufenthalt. Wo kann man das am Besten machen, worauf muss man achten... rauscharmer Sensor, lichtstarkes Objektiv ... das übliche...  Big Grin
Aber am Interessantesten war eher wo und wie Fahren. Seine Empfehlung: ein Wohnmobil für den ersten Aufenthalt. Man ist flexibel, kann jederzeit anhalten, raus und ist nicht ortsgebunden. Ok, Offroad im Gelände des Landesinneren geht nicht damit. Aber für den Anfang ist es genau richtig! 
Am Besten fährt man im Spätsommer Herbst für Polarlichter nach Island! Übrigens: Island soll besser sein als Norwegen -  denn in Norwegen fällt tatsächlich mehr und öfter Niederschlag als in Island!! Außerdem hat man in Norwegen viel Lichtverschmutzung in der Nähe der Städte wie z.b. Tromsö im Norden. Die Energie ist wohl zu billig.

Nach der Verabschiedung ging wieder ein toller, aber am Ende auch anstrengender Tag mit der Tagung zu Ende. Ich freue mich wieder auf das nächste mal in 2020.

Ich hoffe ich konnte allen die an diesem Tag nicht kommen konnten einen kleinen Eindruck der Tagung vermitteln.

Grüße,

Florian
Astrobin
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Astronomie, einer der schönsten Gründe, nachts nicht schlafen zu gehen!
(Zeiss-Werbung)
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#2
Wow - toller Bericht, umfangreich und mit viel Inhalt. Danke für den Aufwand das Zusammenzufassen.
Respekt!
Andreas-TAL
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Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“
                                                                                                                              (Mascha Kaléko)  
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Florian B. (19.04.2019)
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Florian B. (19.04.2019)
#3
Hallo Florian,

super, dass du so ausführlich über die Tagung schreibst. Ich konnte leider mal wieder nicht dabei sein. Die letzten Jahre kam immer was dazwischen... So habe ich wenigstens einen kleinen Überblick.

Interessiert hätte mich besonders Jens Beitrag über die Mondzeichnungen. Ich habe ihn vor zwei Jahren in Essen auf der Astromesse getroffen. Dort haben wir uns kurz ausgetauscht.
Leider war die Zeit damals etwas knapp. Er hat durchaus eine andere Herangehensweise wie ich.

Christoph und Uwe kann man freilich auch immer gut zuhören Wink ...

Danke für deine Ausführungen! Daumen hoch
the sky is the limit

Gruß Uwe

"Sehen ist schwieriger als Glauben" Zitat aus "Die Kometenjäger"

http://www.the-night-black-white.de
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Florian B. (19.04.2019)
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Florian B. (19.04.2019)
#4
Hallo Florian!
Tollen Bericht hast Du geschrieben  Daumen hoch
und auch die Schwerpunkte der Vorträge wunderbar eingefangen!

Einzige Ergänzung meinerseits: die vielen Gespräche am Rande, die mich mit den anderen zusammen brachte. 
Leider kostete das beim einen oder anderen Vortrag Zeit und Inhalt für mich!
Jedenfalls ist nächstes Jahr schon fest eingeplant!
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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