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Mit Bino untwegs am Ostersonntagshimmel
#1
Hallo Sternfreunde,
hier mein Bericht zum kurzen Beobachtungsabend am Ostersonntag von der Dämmerung bis Mondaufgang:

Die letzten klaren Nächte waren vom Mondlicht, kaltem Ostwind und unruhiger Luft dominiert. Die Erwartungen lagen also nicht hoch und um den Aufwand klein zu halten stellte ich das 100er TS-Bino auf die Terasse.
Das Kunming Glas gibt es zu höherem Preis als ED-Variante, jedoch ist dieses Achromatische Glas ebenfalls sehr attraktiv für DeepSky Beobachtung.

Es ist nahezu "Grab and Go", da Stativ mit Montierung und einem Gewicht der erste Gang, das zweite Gewicht ein zweiter Laufweg und das Bino selbst den dritten Laufweg beim Aufbau erfordert.

   
   

Dazu gehört noch höhenverstellbarer Berlebach Stuhl, Sternkarte und Okulare.

Um 22.00Uhr war es dann richtig dunkel und außergewöhnlich transparend. Die Luft frisch aber nicht wirklich unangenehm. Das Seeing war wohl auch besser als die Nächte davor, jedoch nutzt man mit so einem Bino keine Hochvergrößerung.

Los ging es mit dem Leo "Doublet", dem Triplet fehlte zunächst NGC 3628 wie die Nächte vorher mit dem FLT 105 bei Mondlicht.
Bestückt war das Bino mit 24mm Panoptik, die so etwas wie Standardokulare für Bino´s mit Wechselokulare sind. Macht 23x bei 68° und gibt große Gesichtsfelder allerdings nur ohne Brille verwendbar. M66 und M65 waren schnell gefunden und kleine, strukturlose Fleckchen am Himmel, derweil NGC 3628 blieb verschollen. Ähnlich der Eindruck von M105, also nicht besonders spektakulär.


Doppelsterne mit schwachem Begleiter konnte ich testweise "einäugig" mit dem rechten Auge sicher erkennen während das ungeübte oder schwächere linke Auge den schwachen Begleiter nur blickweise und geradeso zeigte. Mit beiden Augen leichtes Spiel und die Grenzgröße verschiebt sich doch nach oben.
So ein Bino ist eben ein Maschinen – Mensch System mit eigenen Regeln.


Nervig ist dageben auf der rechten Bildseite, dass irgendwie Streulicht bei bestimmten Himmelsregionen ähnlich schachen Galaxien mir nicht vorhandene Objekte vorgaukeln wollte. Das könnte von hellen Sternen außerhalb des Gesichtsfeldes erzeugt werden!

Das mit den Galaxien sollte doch besser gehen dachte ich mir und steckte die 18mm Okulare aus dem Lieferumfang in die Okularstutzen. Die 31x wieder auf das Leo Triplet gerichtet zeigte nun auch NGC 3628. Die Messiers waren ebenfalls deutlicher zu sehen.
Die Randschärfe der "Ultra Flat Field 18mm" war o.k, aber auch nicht berauschend im 65° Gesichtsfeld.

Wenn Vergrößerung gut tut, dachte ich bei mir, warum nicht die 9mm Morpheus ausprobieren? Getan und nun mit 61x unterwegs konnte ich sofort feststellen das die Justage des Binos das ordentlich leistet. Das Gesichtsfeld war auf einen Schlag erschreckend groß was sich überhaupt nicht in den Zahlen 76° Gesichtsfeld ausdrückt.
Das ist echter "Spacewalk-Effekt" und das Bild war außerordentlich kontrastreich.

Das Triplet nun leicht als solches zu erkennen und zeigte nun auch Struktur in den Objekten.
Ein Auge geschlossen wirkte wie Beobachten durch "Mattscheibe" und das Bild flau und Zweidimensional, dagegen mit beiden Augen kontrastreicher, klar, deutlch tiefer und eben auch räumlich.

Dieses "Winning Team" 100er Bino und Morpheus geht auch mit Brille sehr gut und braucht nur etwas Übung im richtigen Platzieren der Augen über den Okularen. Das wirkt sich in der Schärfe deutlich aus. Indirektes Sehen mit beiden Augen ist auch eine neue Übung....

M51 als Doppelgalaxie war gut erkennbar und mit großem räumlichen Umfeld.
M13 schwebt so im Raum, durchaus mit vielen Einzelsternen sichtbar als Kugelsternhaufen.
M44 kommt sehr gut mit seinen leuchtenden Sternen

Das Highlight war der Virgohaufen und Markarians Galaxienkette konnte ich als solche erkennen.

Mit dem 100er Bino lässt es sich "tiefer eintauchen" als die 100mm Öffnung vermuten lassen.
Allerdings erst mit den Morpheus Okularen bei 61x, was doch überraschend war.
Das ist dann eine Art von "Linsendobson" mit 3D Effekt und Einblick von Hinten.

Ersetzt natürlich keinen Dobson mit hohem Vergrößerungsbereich und gewaltigem Lichtsammelvermögen, brachte mir aber gestern den Himmel auf besondere Weise näher.



Schönen Restfeiertag
Ralf
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