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Beobachtungs-Zusammenschau vom 2.4. und 21.4.
#1
Hallo!
Anfang April war ich in Nebraska mit einem farbigen Drei-Zöller auf einer von Hand gesteuerten GP-Montierung am Nachthimmel bei -5°C unterwegs. Gestern Abend hatte ich das Vergnügen mit einem 12"-Newton auf einer Computer gesteuerten Montierung bei kuscheligen 15°C mein damaliges Programm nochmals zum Teil abzufahren. Da es ungefähr eine Stunde Dunkelheit gab bis der Mond kam, war auch Eile geboten.

Angefangen hatte ich am 2.4. im Großen Bären. M81, M82 (länglich!), NGC 3077 und NGC 2768 - ganz erstaunlich, was der Refraktor mir im 31 mm Hyperion präsentierte, das mit einer 2,7x Barlow die Vergrößerung von 35 x betrieben wurde. M51 und M101 rundeten das Programm in UMA ab, allerdings musste ich mich beim 3"er mit der Auffindung der Galaxien zufrieden geben. Die Verrenkungen in Richtung Zenit waren auch nicht gerade meinem Eifer förderlich!
Gestern Abend hatte ich den 12" Lichteimer zunächst mit einem 30 mm Okular bestückt. Die Vergrößerung sollte ich nicht zu hoch sein. Schon M81 hatte gleich seine Spiralarme zu bieten und feinere Strukturen sah ich aufblitzen. M82 war zerklüftet im Zentrum und seeehr lang, weniger in der Mitte aufgebläht, wie ich es von den Fotos her vermutet hätte.
M51 war gestern Abend richtig der Kracher. Eine wirbelnde Spirale, die ich nicht wirklich zu fassen bekam und erst bei 92 x zu bändigen war. Selbst bei M101 war ich über die Detailfülle erstaunt, die einzelnen Knoten in den Armen und die Asymmetrie im Anblick der Galaxie. Das war einer der Glanzpunkte gestern!

Dann ging es an den Osthimmel: Die Kugelhaufen NGC 5486, M3, M53 und NGC 5033 fanden alle ins Okular. Danach ging es an die Galaxien in Coma und Jungfrau. Über die Black-Eye Galaxie, die tatsächlich unregelmäßig daher kam, ging es höher zu NGC 4725, anschließend NGC 4595 und dann der Schwenk rüber zu NGC 4631 - NGC 4656 habe ich vielleicht nur in meiner Einbildung gesehen, denn mit 10,5 mag war an diesem Abend das Ende des Geländes für Galaxien erreicht.
Diesen Teil beobachte ich gestern Abend nicht mit dem 30 cm Newton, da die Beobachtungsposition noch recht unangenehm war.

In Nebraska bot sich für mich ein Spaziergang durch den Virgo-Galaxienhaufen an. Ausgehend von M98 surfte ich über NGC 4216, dann zu M99 hin zu M100. Dann ging es entspannt zu M86, M86 und der Markarianischen Kette hinauf: NGC 4438 (die Augen blieben leider einäugig), 4473, 4477, 4495. Zur Erholung gab es dann klare elliptische Galaxien: M87, M89, M90, M58, M59 und M60. Weiter im Süden sammelte ich noch M49 und die NGC4526 und 4535 ein.
Wow! Was ist alles mit einer kleinen Öffnung zu sehen in dieser Galaxienlandschaft!
Diese ganze Fülle konnte ich gestern Abend gar nicht alle einholen, da ich schon zu lange für Einzelobjekte am Okular blieb. Einstieg war wieder M98 (länglich mit Auhellung), M99 (rund mit hellerem Zentrum) und M100 (schon größer und helles Zentrum) im westlichen Teil des Virgohaufens (der ja gestern Abend noch im Südosten am Himmel stand). Auch wenn der 12"er noch weit von Auflösung der Galaxien entfernt ist, wie das die Fotografie zeigt, so war ich erstaunt, was da alles vom Aussehen zu erfassen war.
Dann ging es hinab zur Markarianischen Kette: M84 und M86 sind richtige elliptische Kracher im Okular. Darunter zeigt sich in der Mitte NGC 4388. NGC 4425 liegt noch auf dem Weg zu den Augen, die sich als solche auch im Okular präsentieren! Weiter ging es zu NGC 4461 und 4458. NGC 4473 war dann schon wieder leichter und NGC 4477 war der Abzweig nach oben zu NGC 4459 und schon richtig schwach NGC 4474 als Abschluss der Kette nach Norden. Einfach Wahnsinn diese Fülle von Galaxien, alle ungefähr 50 Millionen Lichtjahre entfernt!
Richtig rein gehauen hat dann M87 und M90 als Abschluss. Das sind schon richtige Brummer nach der Fizzelchen-Kette!

Leider ging gestern da schon der Mond auf. Es hätte noch so viel gegeben am Himmel... Das war der Vorteil in Nebraska: kurz vor Neumond und nicht kurz nach Vollmond!
Quintessenz für mich: ich brauche ein größeres Teleskop in der Prärie (wenn ich wieder mal dort bin).
Zwei Teilnehmer meines Tagesseminars zu "Wonderful Cosmos" schwärmten mir von ihrem Nachthimmel im Westen von Nebraskas. Dort muss es ein SQM von deutlich unter 22 mag/"^2 geben, also fst jenseits der 7 mag! Rolleyes
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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#2
Hallo Christoph,
jetzt weiß ich was ich will: Idea

22 mag/"^2 und 22°C Nachttemperatur.  Angel 

Clear sky ohne bissigen Ostwind 
Ralf
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Christoph (23.04.2019)
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Christoph (23.04.2019)
#3
Tongue Daumen hoch Big Grin

Im Sommer ist das sicher in Nebraska drin!
Nur einen Wind geschützten Ort müsstest Du dann aufsuchen. Am besten eingraben!
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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#4
Hallo Christoph, 

schöner Bericht von deiner ergiebigen Beobachtungsnacht. Die meisten von dir beschriebenen Objekte hatte ich auch schon besucht und sind immer wieder lohnend.  Ja M87 ist schon ein Brummer und imoment sehr prominent. Der Süden ist bei mir leider durch Schweinfurt aufgehellt und  daher schwieriger. In Nebraska ist das schon was anderes, so dünn wie es dort besiedelt ist. Konnte mir ja vorletztes Jahr selbst einen Eindruck verschaffen. 
Ich hatte mich diese Nacht mehr in nördlicher Richtung in Uma und Draco beschäftigt und unter anderem den Quasar  KUV 18217+6419 aufgesucht. Aufmerksam bin ich durch den Bericht im aktuellen VDS Journal geworden. Er ist mit 14,24 mag im V Band und mit Z 0,297 (2,9 Mrd Lj) angegeben. Hatte ihn schnell mit dem 14" Dobson gefunden war leicht direkt zu sehen und zu halten. Es der 22. er und mein bis jetzt schnellst aufgesuchter Quasar. Vom erstmaligen Lesen bis zum Beobachten.
"Einen Klaren Himmel , und lasst uns wieder das Staunen lernen"

Viele Grüße  Philipp 


"Das schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle"    Zitat von Albert Einstein 
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Christoph (23.04.2019)
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Christoph (23.04.2019)




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