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Das schwärzeste Schwarz des Planeten?
#1
Bei der Vielzahl an Mattlacken, die man in Teleskoptuben einsetzen kann und den zahlreichen Erfahrungen dazu, kam mir die Idee eine (beliebig zu erweiternde) Übersicht über diese Lacke zu erstellen. Aktuell sind hier nur meine Erfahrungen zusammengefasst, aber gerne können Erfahrungen mit weiteren Lacken und Folien hier veröffentlicht werden.
Angemeldete Mitglieder können dies ganz einfach durch einen zusätzlichen Beitrag machen, den ich dann in die Übersicht übernehme. Alternativ, aus den Tiefen des Netzes, per Mail an „TAL_250K“ (add) „Yahoo.com“, dann kann das hier ergänzt werden.
 
Die Bewertungen sind natürlich subjektiv, schon allein deswegen weil letztlich die Erfahrungen und Beurteilung in einer praktischen Anwendung dahintersteht und keine quantifizierten Messungen. Das müssen andere leisten. Auf eine stark systematisierte Darstellung (Tabellenform, „durchdeklinierte“ Kriterien) möchte ich verzichten, da dadurch eine Objektivität suggeriert wird, die so nicht gegeben ist. Im Endeffekt sind hier individuelle Erfahrungen beschrieben, die man sich zueigen machen kann, oder eben auch nicht.

Presto Acryllack schwarz-matt: Ein einfach zu verarbeitender Lack zum Aufsprühen, der eine matte und sehr homogene Oberfläche zurücklässt. Im senkrechten Lichteinfall auf die Probe sehr schwarz, aber stark reflektierend bei bereits leicht schrägen Lichteinfall. Für astronomische Einsätze zur Streulichtunterdrückung nicht geeignet. Er eignet sich ggf. für Außenobenflächen von Bauteilen (Rückwände, Gehäuseaußenseiten)
 
Krylon Camouflage Ultra Matte: Der Lack erzeugt ein schönes, raues Sprühergebnis. Der Sprühnebel bleibt bis zur kpl. Leerung der Spühflasche fein und kleckst nicht. Die Rauheit unterbindet weitgehend eine gerichtete Reflexion. Der Lack selbst streut das Licht aber merkbar. Die darin verwendeten Mikropigmente haben also einen gewissen Glanzgrad. Für große Flächen, die mattiert werden sollen und bei denen es nicht auf die letzten Prozentpunkte an Streulichtunterdrückung ankommt, aber eine interessante Variante. Der Lack sollte in 2 Schichten aufgesprüht werden. Bei sehe warmen Außentemperaturen über 30 Grad bindet der Lack bereits teilweise ab, bevor der Sprühnebel sich mit der Oberfläche verbunden hat. Erreicht man einen perfekten Sprühauftrag, mattiert der Lack über seine dreidimensionale Struktur sehr gut. Interessant ist, dass der Lack mit Tetenal Kameralack als Primer und anschließend 1-2 Schichten Krylon eine noch verstärktgekörnte Oberfläche ergibt. Der Lack basiert allerdings auf Lösungsmitteln, die als VOC emittiert werden. 
 
Tetenal Kameralack: Der Lack erzeugt eine hochstrukturierte, raue Oberfläche, die sehr matt reagiert. Eine gerichtete Reflexion wird vollständig unterdrückt, die Streuung ist gering ausgeprägt und die Oberfläche ist gut abriebfest. Die Spraydose muss vorher sehr gut aufgeschüttelt werden um eine homogene Verteilung der Mikropigmente zu erreichen. Gegen Ende der Dosenfüllung wird der Sprühnebel oft klecksig. Die Trägersubstanz in der die Pigmente eingebettet sind, ist dabei deutlich glänzender als die Pigmente selbst. Je nach Untergrund benötigt mindestens 3 Schichten für eine vollständige Deckung, was die Kosten deutlich nach oben treibt. Wird zuviel Lack in einem Arbeitsgang aufgesprüht, bilden sich winzige, aber stärker glänzende Farbkügelchen auf der Oberfläche. Daher ist die Anwendung anspruchsvoller als bei einfachen, wasserbasierten Lacken. Er wäre möglicherweise auch als Finish über eine schon vorhandene, dunkle Schicht interessant. Ich verwende ihn manchmal in ZS-Gehäusen.
 
Schultafellack: Einfach zu verarbeitender Lack auf Lösemittelbasis (ca. 25%iger Anteil), der üblicherweise gestrichen oder gerollt werden kann. Der Lack baut eine schöne, matte Oberfläche auf. Die direkte, gerichtete Reflexion im Austrittswinkel ist gering, allerdings streut der Lack das auftreffende Licht in einem recht hohen Ausmaß wieder ab, so dass der Anteil des Lichts, das zerstreut wird geringer ausfällt. Dennoch ist er eine kostengünstige, sehr oft erprobte und daher auch gut dokumentierte Variante für Mattierungen. Ein zu dicker Auftrag in einem Arbeitsgang verschlechtert die mattierenden Eigenschaften deutlich. 
 
SL-94 glatt: Ein auf Lösemittel (max. 50%) basierender Lack, der lt. Hersteller zügig verarbeitet werden muss, oder nochmals eine weitere Verdünnung benötigt. Zu dicke Schichten scheinen, wie bei anderen Lacken auch, das Ergebnis deutlich zu verschlechtern. Das Lösemittel (VOC n-butylacetat) ist flüchtig und sollte lt. Hersteller nur in sehr gut belüfteten Räumen oder im Außenbereich verwendet werden. Das könnte dann vielleicht auch die Lagerung der beschichteten Teleskoptuben bis zum endgültigen Ablüften gelten. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch mehrere Tage danach das Lösungsmittel aus den Materialproben riechen konnte. Für den Lack gibt es ausführliche und sehr detaillierte anwendungs- , sicherheits- und gesundheitstechnische Hinweise um den Auftrag gelingen zu lassen. Wichtig scheint ein sehr gleichmäßiger und dünner Lackauftrag mit sehr weichem Pinsel und ein korrektes Aufrühren des Lacks zu sein. Laut Hersteller wird empfohlen idealerweise, den Lack mit Sprühpistole und Druckluft zu sprühen oder den Tubus zur Lackierung einzusenden. Mit Pinsel und Rolle konnte ich bei diesem Lack kein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen.
 
SL-94 rau: Senkrecht von oben betrachtet erscheint der Lack sehr dunkel. Bei diesem körnige Lack sehe ich bei sehr streifenden Lichteinfall einen starken Glanz. Nach Vertreiberangaben kann der Lack bis zu DIN Winkeln von 60 Grad eingesetzt werden. Die anderen Rahmenbedingungen (Verdünnung, Lackauftrag, Pinsel, Anwendungungshinweise, Gesundheitsschutz) sind identisch zu SL-94 glatt. Nach Vertreiberangaben wird der Lack SL-94 rau bei Laborgeräten erfolgreich eingesetzt. Bei Teleskoptuben soll, um das Ergebnis zu Optimieren, zusätzlich eine Schicht SL-94 glatt über den rauen Lack aufgebracht werden. Auch hier gelang mir mit Pinsel oder Rolle keine zufriedenstellende Oberfläche. 
 
Berger-Astrofarbe: Richtig aufgebracht (dünn und gleichmäßig, evtl. mit etwas Wasser verdünnt) erzeugt der Lack eine sehr matte Oberfläche, die sehr gute Mattierungseigenschaften hat. Die Streulichtunterdrückung ist nicht in jedem Winkel gleich. Bei sehr flachen Winkeln (nach DIN-Norm, die von der senkrechten = 0 Grad misst), also bei Winkeln von 80 Grad und mehr, reflektiert der Lack etwas stärker. In der Summe aber ein sehr guter „Allround“-Lack. Bei dickerem Lackauftrag bleiben die Strichspuren des Pinsels auch im abgetrockneten Zustand sichtbar. Besser ist es entweder mit 2 Aufträgen kreuzweise zu schlichten oder im verdünnten Zustand mehrmals zu rollen. Die Astrofarbe der Fa. Berger ist leider nicht mehr erhältlich.
 
Black 2.0: Neuentwickelte Künstlerfarbe aus England. Die Verarbeitung erfolgt entweder wasserverdünnt mehrmals gestrichen oder gerollt. Die Haftung bei nichtsaugenden Oberflächen ist ausreichend, allerdings kann man den Lack auf solchen glatten Oberflächen mechanisch rückstandsfrei entfernen.
Für eine optimale Wirkung auf der Fläche sind 2-3 dünne Anstriche sinnvoll. Die Farbe unterdrückt bei seitlichem Lichteinfall die Reflexion sehr stark. In sehr steilen Winkeln reagiert die Farbe ähnlich wie die Astrofarbe der Fa. Berger. Hier entscheidet dann die Qualität des Auftrags, welche Farbe weniger reflektiert. Der Lack in seiner wässrigen Lösung ist alkalisch (pH Wert 9-10). Je nach Untergrund muss das Beachtung finden.
 
Black 3.0: Aktuellste Version der Künstlerfarbe aus England. Black 3.0 erzeugt extrem matte Oberflächen und unterdrückt hochgradig Reflexionen. Es benötigt zur Haftung allerdings einen Primer als Haftvermittler (der auch Black 2.0 sein kann). Die Oberfläche ist hochstrukturiert, aber auch empfindlich und ist nicht abriebfest (leicht kreidend). Black 3.0 hat in allen Winkeln einen sehr stark streulichtunterdrückenden Effekt.
 
Fineshut Kiwami: Neuentwickelte aufklebbare Urethanfolie mit extrem starker Mikrostruktur. Flexibel handhabbar, mit geeigneter „Fusselrolle“ mehrmals regenerierbar. Vom Mattierungseffekt das Maximum dessen was erreichbar ist, wenn man den Effekt mit den Augen visuell „messen“ will. Die Einschränkungen sind die sehr hohen Kosten (also günstig zu anderen solcher Folien und Vantablack, aber extrem teuer im Vergleich zu Lacken), die zu bevorzugende Anordnung der Folienstruktur quer zum Lichteinfall und die Unmöglichkeit, das Produkt in einem Zug auf komplexe Oberflächen zu applizieren (faktisch nur Ebenen und zylindrische Formen). Dadurch dass die Folie auf Urethanmikroschaum basiert, ist Fineshut Kiwami (im Vergleich zu anderen Mattierungsfolien auf Aluminiumbasis) sehr robust und kann mehrfach gesäubert (regeneriert) werden.
 
Hinweis: Einige der vorgestellten Lacke enthalten in verschiedenen Umfang lösemittelhaltige Komponenten (ungenannt bei Tetenal, ~36% bei Krylon, ~25% bei Schultafellack, ~50% bei SL-94 glatt/rau). Neben der wichtigen, korrekten Anwendung um Gesundheitsrisiken durch VOC (volatile organic components) zu minimieren, gibt es auch Stimmen die Verwendung von Lacken mit Lösemitteln wegen möglicher Auswirkungen auf Beschichtungen und Vergütungen bei optischen Oberflächen kritisch sehen. Jede Anwendung geschieht daher ausdrücklich auf eigenes Risiko.

Wichtiger Hinweis: Auf Grund juristischer Androhungen zweier Händler auf ein freies Forum, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass jede Farbe, die vom Hersteller und Vertreiber angegebenen Spezifikationen einhält. Dass ich hier zu möglicherweise anderen Ergebnissen komme, liegt ausschließlich an meiner subjektiven Betrachtungsweise und/oder am falschen Auftragen der Farben auf die entsprechenden Materialproben.

Andreas.TAL
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Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“
                                                                                                                              (Mascha Kaléko)  
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Florian B. (14.09.2019), Ralf (22.09.2019)
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#2
Hallo Andreas,

schau mal hier:

Schwärzer als das schwärzeste Schwarz
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

Wer die Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!
Benjamin Franklin
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Andreas-TAL (22.09.2019)
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Andreas-TAL (22.09.2019)
#3
Und hier ist auch noch was kurioses:
https://www.bmw.com/de/design/der-bmw-X6...black.html
Andreas.TAL
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Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“
                                                                                                                              (Mascha Kaléko)  
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Herbipollution (26.09.2019), Ulf (22.09.2019)
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