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California Nebel und ein Pferdchen von der hohen Geba
#1
Servus,

ich war in der Nacht vom 30.10. auf 31.10. auf der hohen Geba. Geplant war eigentlich, dass Simon mit seinem 16-Zöller vorbeikommt. Aber er musste ein paar Kilometer vor dem Ziel wieder nach Hause fahren, sein Auto hat ihn fast im Stich gelassen.
Ich war um 18:00 Uhr angekommen und von da ab auch die ganze Nacht nicht völlig alleine. Zwei Astronomen aus der Gegend um Eisingen war ebenfalls am fotografieren. Leider hatten wir alle mit der Technik genug zu tun, so haben wir quasi nicht viel miteinander zu tun gehabt. Schade, ich hätte gern ein wenig gequatscht, denn gerade die Minusgrade waren nach meinem Teneriffa-Urlaub, wenige Wochen zuvor, sehr sehr gewöhnungsbedürftig.  Cool
Außerdem habe ich jetzt mit einer Nachuntersuchung festgestellt, dass das DSLR Steuerkabel vom MGEN zur Kamera einen Defekt hatte, offenbar schon ab Werk. Ich musste ständig bei der Ausrüstung bleiben und immer wieder nachschauen.

Trotz all der Ausfallzeit von zusammen gerechnet 1,5 Stunden und einigen Stunden Wolken (haben sich erst gegen 22:00 Uhr so langsam verzogen) habe ich doch einiges an Belichtungszeit zusammen bekommen.
Mein Haupt-"Röhrchen" war der 72/432mm ED Refraktor, aufgesattelt auf der AZ-EQ-6, mit MGEN II geguided.

Einmal der California-Nebel: 39 x 5 Minuten, mit der modifizierten EOS 6d bei ISO2500 mit UHC Clipfilter. 

   

Und zum Test ein Objekt, dass mich mit diesem Setup doch nochmal gereizt hat und ich keinen Bock auf Meridianflip hatte (zu kurz fixierte Kabel) - Pferdekopf- und Flammennebel: nur 22 x 5 Minuten, ebenfalls mit der modifizierten EOS 6d bei ISO2500 mit UHC Clipfilter.

   


Nur ein Ausschnitt aus eigentlich diesem Bild! 

   

Ich habe die Kamera nicht gedreht, sonst hätte ich zwischendurch schon Flats machen müssen. Also, dachte ich für einen Test reicht es auch so.
Interessanter weise ist links im Bild, unscheinbar, aber sichtbar eine Galaxie. Wusste ich vorher auch nicht. Das fasziniert mich immer an den Bilder, wenn man anfängt sie mal genauer unter die Lupe zu nehmen.  Big Grin

Im California Nebel Bild sind ebenfalls etliche Hintergrundgalaxien. Ich bringe beim nächsten Stammtisch, wenn ich kann, einmal einen größeren Ausdruck mit. 
Ich bin auf jeden Fall begeistert, was mit dem kleinen Gerät in der kurzen Zeit so gut abzubilden ist.

Leider sind meine Versuche eines riesigen Milchstraßen-Panoramas nichts geworden, da muss ich nochmal ran.

Ich hoffe bald wieder auf die hohe Geba zu kommen, hoffentlich mit jemanden von euch?!

Grüße,

Florian
DreamDiver.fb

Astronomie, einer der schönsten Gründe, nachts nicht schlafen zu gehen!
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#2
Hallo Florian, 

wirklich beeindruckend was der kleine ED mit der DSLR da rausgeholt hat. 
Daumen hoch
Gruß Karsten
________________________________________
GSO 12" f/5 Dobson 300/1500mm
ED80 80/560mm auf Meade LXD75 Montierung

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#3
Hallo Florian!
Ja, die 3"er haben es richtig drauf von Schärfe und Bildfelt. Die Canon 6Da scheint die richtige Partnerin dafür zu sein.

Super Bild hast Du da von Kalifornien gezaubert! Daumen hoch 

Die Umgebung um das Pferdchen ist auch gut geworden - trotz der Kürze der Belichtungszeit. Daumen hoch 

Eine Frage blieb mir: warum setzt Du, trotz Hoher Geba, noch einen UHC-Filter ein? Braucht es den auch da oben gegen Streulicht? oder geht es Dir mehr um den Kontrast für die Nebelobjekte bzw. Abdämpfen der Sterne?
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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#4
(17.11.2019, 08:56)Christoph schrieb: ...
Eine Frage blieb mir: warum setzt Du, trotz Hoher Geba, noch einen UHC-Filter ein? Braucht es den auch da oben gegen Streulicht? oder geht es Dir mehr um den Kontrast für die Nebelobjekte bzw. Abdämpfen der Sterne?

Hi Christoph,

warum machen manche Schmalband? Genau, deine Vermutung geht in die richtige Richtung: mehr Kontrast am Nebel bei kleineren Sternen. Denn die Bilder "saufen" immer noch in Sternen ab, je nach Region, mit einem solch noch großen Bildfeld mit  432mm Brennweite.
Dann muss ich dadurch nicht mehr so sehr in der EBV anfangen zu zaubern. Am Ende sind ja nahezu alle Schritte in der EBV immer ein Kampf die Verluste gering zu halten beim herausarbeiten. Der UHC hilft hier bei Nebeln natürlich enorm, lässt er doch für den California Nebel alle relevanten Emissionslinien durch, ist aber sonst schon sehr "schmal-bandig", wenn auch kein Schmalband - dadurch spare ich mir aber die viele Zeit für alle Farbkanäle z.B. mit Schmalbandfiltern Aufnahmen zu machen (auch wenn dabei tendenziell natürlich noch mehr Kontrast dabei herauskommt, klar...).
Sonst würde für ich auf der hohen Geba Filter nur Einsetzen für Widefield Aufnahmen mit 50mm oder weniger, wenn Nebel nicht so im Vordergrund stehen. Bei Widefield sieht man leider auch dort oben noch ordentlich Lichtverschmutzung und am Ende Gradienten im Bild. Wir sind halt in Deutschland und nicht Namibia.  Undecided

Grüße,

Florian
DreamDiver.fb

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#5
Servus,

übrigens: Der Einsatz vom UHC Filter, oder alternativ des etwas breitbandigeren UHC-E Filters den ich an APS-C auch schon eingesetzt habe, hat nicht nur den Vorteil den Kontrast an Nebeln zu erhöhen. Ich nutze den Lacerta 72mm ED Refraktor. Es gibt etliche optische Geschwister dieses Refraktors, ich vermute sie kommen alle vom ehemaligen Williams 72mm Refraktor her.
Sei es wie es sei: Alle diese ED Röhrchen werden tlw. als Voll-Apo verkauft. Natürlich haben die Teile noch Farbfehler, bei meiner Optik liegt der Farbfehler vor allem im blauen Spektrum, rot und grün sind sichtbar top korrigiert. Ein Zweilinser-System eben!

Der UHC Filter schneidet mir den extremen Blaubereich ab, erst das H-Beta Spektrum kommt dann wieder durch ohne nennenswerte Dämpfung. Das hat den Vorteil, das ich den leichten, aber deutlich sichtbaren Blausaum um sehr hellen Sternen nicht mehr habe. Ergo habe ich ein wesentlich schärferes Bild, der Match im extremen Blau ist einfach nicht auf dem Chip.  Idea
Trotzdem bleibt noch einiges an blauem bis blaugrünem Farbspektrum übrig zur Anpassung und Korrektur in der Bildbearbeitung. Alles recht leicht und mit ein paar schnellen Handgriffen, reproduzierbar zu "klicken".  Idea

Die kleinen ED Refraktoren und ED Systeme im Allgemeinen können also ein günstige Alternative für viele sein und in Kombination mit den richtigen Filtern eine Spitzenergebnis hervorbringen. Noch besser geht sicher, dann muss man aber schon etwas mehr investieren.

Fazit: Ein fest verbauter, neuer UV/IR Filter auf meinem DSLR-Sensor macht Sinn um den völlig außer Fokus liegenden IR Bereich zu blocken und wie bei den meisten Kameras heutzutage auch das "interne Streulicht" von IR LEDs zur Verschlusskontrolle zu blocken. In Verbindung mit einem Clipfilter kann man den Kontrast diverser Objekte, v.a. Nebel, deutlich erhöhen und das in Sternen ertrinkende Bild (bei 432mm durchaus noch ein graßes Problem) je nach Geschmack leicht an Sternen bzw. Sterndurchmessern reduzieren.

Das ist der Grund warum solche Filter eben Sinn machen, genauso wie man aus dem gleichen Grund die viel krasseren Schmalbandfilter einsetzt um solche Effekte noch weiter zu erhöhen. Nicht nur Lichtverschmutzung. Ich setze solche Filter also bewusst für bestimmte Ziele in der EBV ein!  Exclamation Idea Exclamation
Es gibt dennoch viele ältere, erfahrene Amateuer-Astrofotografen, die mir den Clipfilter-Einsatz bei solch gutem Himmel wie auf der hohen Geba, als unsinnig abtun. Nicht hier im Forum, aber schon wo anders öfter geschehen. Sad  Perfekte Farbkalibrierung gelingt nie ganz, kann mit den entsprechenden Programmen aber relativ gut gelingen, auch mit OCS Kameraaufnahmen und Filtern. Aber das ist eben nicht alles. Hohe Schärfe und Kontrast gehören für mich vor allem zu einem guten Bild und vor allem keine durch falsch verstandene, fanatische Farbkalibrierung an Sternen abgewürgte Hintergrunddetails wie kleine Galaxien, galaktischer Cirrus etc. - der Nachthimmel ist ja eben nicht absolut dunkel und schwarz. Bildkompostition und -ästhetik gehören auch bei einem Astrofoto mit dazu, genauso wie eine gewisse "künstlerische" Freiheit jedes Fotografen.

Ich sehe eben so viele Bilder, bei denen die Rohdaten sehr gut sind und viel Potential haben, aber die Astrofotografen zu mehr als 90% vieles in der Bearbeitung zerstören und wild an den Reglern drehen für irgendwelche Farben o.ä.

Ich hoffe das zeigen die Aufnahmen oben, dass mit kleinem Gerät und älteren Kameras, aber richtig belichtet mit der richtigen Equipment-Kombi und nachbearbeitet, so richtig was geht in der Astrofotografie.

Grüße,

Florian
DreamDiver.fb

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Andreas Paul (24.11.2019), Christoph (24.11.2019)
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Andreas Paul (24.11.2019), Christoph (24.11.2019)
#6
Hallo Florian,

einfach irre! Danke für die Erklärung der Hintergründe.
Total spannend. Und ganz schön gewieft! Hut ab!

Viele Grüße,
Andreas



Bunker 599
https: //de.wikipedia.org/wiki/Bunker_599
www .raaaf.nl/en/projects/7_bunker_599/581
.
 
 . weniger . langsamer . einfacher . schöner .

 
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