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Herkuleshaufen und Venusbedeckung
#1
Hallo,

nach mehrwöchiger Zwangspause die ich aufrund eines Bandscheibenvorfalls einlegen musste konnte ich letzte Nacht endlich wieder mal mit dem Dobson auf Jagt gehen. Primäres Ziel war der Herkules Galaxienhaufen, an dem ich mich in der Vergangenheit mehrmals versucht hatte. Es scheiterte mehr oder weniger an Karten und Bildmaterial. Ralf hatte anfang Mai ein schönes "Suchbild" vom Herkuleshaufen Abell 2151 eingestellt. Inspiriert davon als Aufsuchhilfe und bewaffnet mit der Sky Safari App konnte ich mich nun endlich ans Werk machen. Das Gebiet ist schnell aufgesucht, da es von ein paar markanten Feldsternen umgeben ist die im Sucher leicht zu sehen sind.

Im Gebiet nun angekommen nahm ich mir die hellsten Kandidaten 13,3 - 13,6 mag. vor. Der Galaxienhaufen ist sehr weit entfernt und ist daher mit durchschnittlich großen Amateurteleskopen visuell schwer zu erreichen. Viele Mitglieder liegen jenseits von 14 - 15 mag.

Ich fange mit NGC 6041A 13,3 mag.  Entfernung 510 mio Lj an. Sie zeigt sich als relativ große Aufhellung. Daneben NGC 6040A ebenfalls 13,3 mag und lt. Sky Safari gewaltige 600 Mio Lj entfernt. Ich wechsle vom 5 mm Nagler 320x auf das neue 3,5 mm Nagler 457x dass ich mir vor zwei Monaten zugelegt hatte und sehr zufrieden damit bin. Der Himmelshintergrund wird noch ein Tick dunkler und die Wahrnehmung steigt noch etwas. Etwas östlich dann NGC 6047 13,5 mag 460 Mio Lj. Hier habe ich zu knabbern, bis ich sie einigermaßen warnehmen kann. NGC 6055 kann ich nicht orten und gehe auf NGC 6061 13,6 mag 540 Mio Lj  Sie liegt dicht an einem aufälligen Dreieck aus Feldsternen die das Aufinden erleichtern. Es sind wie schon gesagt die hellsten Mitglieder die ich zumindest in dieser Nacht bei meinem aufgehellten Vorstadthimmel erreichen konnte. Allesammt sehr weit entfernt, die einen tiefen Blick in den Kosmos mit Amateuergeräten erlauben. Ich bin mit der Ausbeute in dieser Nacht zufrieden und ein dunkler Landhimmel würde natürlich das ganze erhöhen.

Die Nacht ist nicht störungsfrei und es ziehen in rascher Folge immer wieder ein paar Wolken durch, die ein konstantes Beobachten erschweren. So schwenke ich zwischendurch mal auf den PN NGC 6210 und den PN NGC 7662 Blue Snowball der bereits im Osten schon hoch steht. Beide und insbesonders beim Snowball sind Wollknäuel ähnliche Strukturen zu erkennen.

Die Anschaffung des 3,5 mm Nagler hat sich gelohnt. Es ist schon ein Unterschied zum 5 mm Nagler mit eingeschraubter Barlowlinse. Nicht übermäßig aber eben ein Tick besser. das Bild ist etwas brillanter und klarer und das macht es in manchen Situationen aus. Ich hatte das anfangs als ich es neu hatte vor allem an Kugelsternhaufen getestet und war zufrieden mit der Investition.

M13 nahm ich Anfangs auch kurz ins Visier und bemerkte ein recht gutes Seeing in dieser Nacht, wenn es auch ziemlich feucht war.

Zu guter letzt dann Saturn und Jupiter, die nun hoch genug im Süden standen. Saturn mit seiner Cassiniteilung und den Monden Japetus, Dione, Tethys, Reha und Titan zeigten sich majestätisch im Okular, wenn auch ein bisschen wackelig aufgrund der niedrigen Höhe über dem Haus. Jupiter wie immer als dicke Kugel mit Ganymed der sich gerade von Jupiter abgelöst, und seinen Durchgang beendet hatte. Die Monde waren schön als kleine Scheibchen erkennbar. Die Wolkenbänder zeigten sich zeitweise strukturiert mit ihren Verwirbelungen.

Ich mach dann Schluß. Fürs erste nach den Wochen reicht mir das und die Einblicke in die Tiefen des Universums waren erfolgreich.


Heute morgen:

Wie ich bereits im Forum geschrieben habe, findet heute die Venusbedeckung durch den Mond statt.  Es sind ein paar Schleierwolken unterwegs, ansonsten sieht es recht gut aus. So baue ich dann nach dem Frühstück die EQ6 mit dem Maksutov Newton auf. Nach dem Einrichtungsprozedere fahre ich dann die Sonne zum fokusieren an, um dann auf die Venus zu gehen. Ich sehe sie aber nicht im Sucher. Das Goto trifft nicht so gut und die Schleierwolken stören auch etwas. Nach einigen manuellen hin und herfahren hab ich sie dann endlich im Sucher und es wird auch höchste Zeit. Nur noch zehn Minuten. Geb der Steuerung dann den Zentrierbefehl auf Venus und bau dann den Binoansatz für die Stereobeobachtung ein. Eine schöne große, wenn auch etwas zappelige Venus steht nun in Bildmitte bei höherer Vergrößerung. Ich kann nun auch den blassen unauffälligen Mondrand der beleuchteten Tagseite schwach erkennen, wie er sich immer mehr an die Venus heranschiebt. Jetzt entsteht der Eindruck im Okular, als würde die Venus am fast waagerechten Mondhorizont untergehen, da der Mondrand leicht gekrümmt als Teilausschnitt zu sehen ist. Genau um 09:54 wie in der Sky Safari App angezeigt, die parallel mitläuft, wird die Venus nun angeschnitten. Zwei bis drei Minuten später ist sie auch schon am Horizont untergegangen. Ein Eindrucksvoller Anblick, den ich so gut noch nicht gesehen hatte.
Jetzt ist Zeit bis 10:44 und hoffe das das Goto die Zentrierung auf die Venus hält. Um 10:40 bin ich dann wieder am Gerät, aber ich kann die Venus in den nächsten Minuten nicht finden. Die Schleierwolken haben zugenommen und aufgrund der fehlenden genauen Polausrichtung am Tag vermute ich, dass die Trifft in der dreiviertel Stunde doch zu groß war und bei der höheren Vergrößerung außerhalb des Gesichtfeldes lag.  Kurze Zeit später endeckte ich sie dann im Sucher und sie war ein knappes Grad abseits gelegen. So schaute ich mir noch ein wenig die wieder komplette Venussichel an. Das Beste jedenfalls, der Eintritt am sichtbaren Mondrand war bei recht guter Sicht gelungen und hatte den Aufwand entschädigt.

Christoph hat ja schon eine kleine Bildreihe eingestellt, aber das visuelle Erlebniss ersetzt es natürlich nicht.  Auf alle Fälle hat es geklappt.
"Einen Klaren Himmel , und lasst uns wieder das Staunen lernen"

Viele Grüße  Philipp 


"Das schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle"    Zitat von Albert Einstein 
Folgenden 3 Usern gefällt Philipp's Beitrag:
Christoph (19.06.2020), Florian B. (22.06.2020), Martin.F (21.06.2020)
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Christoph (19.06.2020), Florian B. (22.06.2020), Martin.F (21.06.2020)
#2
Hallo Philipp!
Freut mich sehr, dass Du die Venus und Mond visuell beobachten konntest!  Daumen hoch
Ich habe nur Venus gesehen - allerdings auch nur im kleinen Gerät!
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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