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ADA im Norden
#1
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Hallo, 

habe gerade ein wenig Luft und trage mal ein paar meiner bisherigen Erfahrungen mit meinem neuen Traumgerät zusammen. Vorweg: Das Wetter hat es mir schon ein wenig schwer gemacht, und auch kleine technische Details, mit denen ich nicht gerechnet hatte, die aber überhaupt nichts mit dem Teleskop selbst zu tun haben.

Nachdem ich am Tag nach der Abholung aus Lindelbach zunächst erfolgreich meinen Berlebach Teleskopgriff und den Leuchtpunktsucher (meine EQ6 vefügt nicht über GoTo) montieren konnte, gab es in der Sternwarte die erste Überraschung: Der Montierungskopf ist im Durchmesser größer als die Aussparung der Vixen-Schiene, die mir Uwe netterweise überlassen hatte. Die Klemmung funktioniert auch so relativ sicher, dennoch ist hier noch Handlungsbedarf. Der zweite Punkt ist was zum schmunzeln. Ich hatte zunächst Probleme, das 2"-Zubehör am TS Photoline-Auszug zu klemmen, bis ich begriffen hatte, dass ich nicht an den drei Schrauben, sondern am ganzen Ring drehen muss  Undecided  Huh ! Welch Luxus an einem Auszug made in China. Die Klemmung erfolgt natürlich super. Dritter Punkt: Um in den Fokus zu kommen, benötige ich eine Verlängerungshülse. Glücklicherweise habe ich zwei in meinem Zubehörkoffer, die von meinem William 80/555 passte dann. Aufgefallen ist mir noch, dass der ADA leichter als mein bisher verwendeter TS Individual 150/900 ist, ich kann auf eines der drei Gegengewichte verzichten. 

Dann ging es los mit der ersten Beobachtung, meinem persönlichen First Light sozusagen, und das schon am ersten Abend. Leuchtpunktsucher an Arcturus eingestellt, wusste gar nicht, dass der so wunderschöne Beugungsringe hat  Tongue . Ich bin kein Experte für die Interpretation von Beugungsbildern, durfte bei Ralf Mündlein den ADA auf der optischen Bank testen und habe natürlich auch noch die Bilder meiner bisherigen Teleskope in etwa im Kopf. Was ich jetzt sah, war für meine Begriffe einfach perfekt. Dann bin ich erstmal auf die "Standardkerzen" los, ohne großartigen Karteneinsatz. Bei der Suche nach M27 konnte ich einen kleinen offenen Sternhaufen (dabei fällt mir ein, dass ich noch nachsehen wollte, welcher das eigentlich war) wunderbar auflösen, den ich im 30 mm Widescan irrtümlich erst für den Nebel gehalten und mich gewundert hatte, so klein war der doch nicht  Huh ! Als ich dann M27 gefunden und einige Zeit bei verschiedenen Vergrößerungen beobachtet hatte, meinte ich, Hintergrundsterne indirekt gesehen zu haben, was mir bisher nur bei meinen Dobson ab 10 oder 12" gelungen war. Epsilon Lyrae konnte ich dann mit dem 7 mm XW locker trennen, Chi und H Persei waren absolut traumhaft, und, das Zitat muss jetzt sein, lieber Uwe, "Refraktorsterne" (ich hatte bei der Übergabe ein wenig spekuliert, was mich wohl bei der Side-by-side-Beobachtung mit dem ADA und meinem 12"-Dobson erwarten würde) gesehen (sein Grinsen war unter dem Mund-Nasen-Schutz, den wir in (oder an?) der Astrotheke trugen, zu erkennen   Big Grin ). Und dann gab es ja noch M13, was soll ich sagen? Ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich hatte den Eindruck, ihn schon mit dem 30 mm Okular auflösen zu können. Nicht ausmachen in der Nacht konnte ich NGC891, sie ist im Streulicht des nordöstlich gelegenen Bremen förmlich "abgesoffen". 

Nach diesem ersten Abend hat mich dann das Wetter im Stich gelassen. Dabei sah es am folgenden Wochenende gar nicht so schlecht aus. Als ich mir nach dauerbewölktem Abend gegen 23:30 Uhr das Wetterradar angeschaut habe, eigentlich nur für den nächsten Tag, entdeckte eine unmittelbar bevorstehende und scheinbar ausreichend große Wolkenlücke. Ein kurzer Blick in den Nachthimmel, sie war schon da! Also schnell raus und aufbauen. Ich wollte doch jetzt auch Planeten sehen. Aufgrund der geringen Höhe von Jupiter und Saturn musste der ADA auf die Giro Ercole. Wieder ein kleines technisches Problem: Die TS Prismenklemme deluxe ist zu schmal für die Vixen-Schiene, also umrüsten auf die Berlebach- Klemme. Als dann alles angerichtet war, zogen schon die nächsten Wolken auf, ich konnte nur noch einen ganz kurzen Blick auf Jupiter hinter Wolkenschleiern erhaschen, aber was ich trotzdem noch sehen konnte, hat mich da schon umgehauen. 

So, wie heißt es immer: Lange Rede kurzer Sinn, ich bin jetzt schon total begeistert und richtig glücklich, mich für den ADA entschieden zu haben. Ich hoffe nun auf das kommende Wochenende, der dann schon ziemlich volle Mond wird mich nicht stören  Cool .

Herzliche Grüße und klare Nächte 
Joachim
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Andreas Paul (29.07.2020), Andreas-TAL (29.07.2020), August (29.07.2020), Christoph (31.07.2020), Florian B. (29.07.2020), Uwe (01.08.2020), Winfried Berberich (29.07.2020)
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Andreas Paul (29.07.2020), Andreas-TAL (29.07.2020), August (29.07.2020), Christoph (31.07.2020), Florian B. (29.07.2020), Uwe (01.08.2020), Winfried Berberich (29.07.2020)
#2
Hallo Joachim,

freut mich, dass du auch hier im Forum deine ersten Eindrücke am Himmel mit dem ADA schilderst. Er ist ein tolles Teleskop - definitiv! Wie wir hier schon öfter berichtet haben hat er eine "besondere" Abbildung, die von der Ästhetik her wirklich keine Wünsche offen lässt.

Ein Traumteleskop eben...  Rolleyes

Er bildet Sterne und Doppelsterne einfach hervorragend ab. Klasse ist auch seine Performance, was das Auskühlverhalten betrifft. Da wirst du nie Schwierigkeiten bekommen.

Du wirst bei dunklen Bedingungen auch im Deep-Sky Bereich sicher noch viele positive Momente erleben. Der kleine Sternhaufen in der Nähe von M27 ist M71 im Sternbild Pfeil!

Gestern war ich bei Ralf und wir haben mit dem 105 FLT Bino und meinem 135 FLT beobachtet. Wir haben wieder sehr interessante Erfahrungen gemacht. Meine Eindrücke schildere ich hier noch in einem extra Post.

Viele Grüße in den hohen Norden - aus "Badisch - Sommersibirien" (gestern hatten wir +35°C)!
the sky is the limit

Gruß Uwe

"Sehen ist schwieriger als Glauben" Zitat aus "Die Kometenjäger"

http://www.the-night-black-white.de
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