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Auf der "optischen Bank"!?
#1
BB vom 02.03.2021

Hallo,

die klare, trockene Nacht war eine der außergewöhnlichsten, die ich in meiner Astronomie-Historie bisher erleben durfte. Da ich die letzten Beobachtungen mit dem FLT unternommen hatte, durfte der ACF auch mal wieder an die frische Luft. Ich wollte mit 10" Deep-Sky-Objekte genießen, die mit dem APO eher am Rande der Möglichkeiten liegen.

Gegen 18:00 Uhr kühlte das Gerät draußen vor, so dass gegen 19:00 Uhr die Sternabbildung schon sehr brauchbar war. Noch dachte ich mir nichts dabei, aber im Laufe des Abends erlebte ich eine Luftruhe wie ich sie - ich glaube noch nie - erlebt hatte. Erstaunlich war bspw. am Orion-Trapez, dass die E- und F-Komponente selbst im 36mm Okular bei 70x gut erkennbar waren. Als winzigste Pünktchen standen sie dezent neben den vier helleren Sternen. Die Durchsicht war prima.

Nachdem ich mich an Galaxien, PN und OH Richtung Löwe erfreute und alle möglichen Objekte abfuhr wurden die Ansichten immer eindrucksvoller. Ich hatte richtig Freude daran, welche feinen Details zu erkennen waren. Zwei Zeichnungen (siehe Zeichenboard) für mein Logbuch waren entsprechend gut anzufertigen. Es fiel mir die feine Zeichnung der Sterne auf und bei höherer Vergrößerung waren im Beugungsbild und den Beugungserscheinungen kaum Bewegungen auszumachen.

Natürlich wollte ich es nun wissen und erhöhte sukzessive die Vergrößerung. Bei Rigel und zurück am Trapez konnte ich tatsächlich mit dem 3,5er Nagler bei ca. 750x die Sternche... eigentlich waren es jetzt schon richtig große Sterne / Sternscheibchen .... deutlich und ruhig sehen. Um das Airy-Disk standen eins, zwei deutliche Beugungsringe mit den typischen unterschiedlichen Helligkeitsbereichen (diese sind oft dreigeteilt). Normal ist bei so einer Vergrößerung immer die Luft der limitierende Faktor. Gestern war es der Kontrast des Geräts...

Ja die Sterne mitsamt der Lichtverteilung standen!!! Nur ab und zu zuckte das ganze Sternchen, aber es drehte, flackerte oder wabbelte nichts, gar nichts um das helle Sternscheibchen.

Der Anblick war wie der Blick durch eine Optik auf Ralfs "Schlachtbank". Ich erinnere mich nicht so ein merkwürdiges Seeing jemals beobachtet zu haben. Alles wirkte surreal. Ich saß vor den Okularen und war einfach sprachlos. Wie festgenagelt sah ich die Lichtkringelchen um die hellen, leuchtenden Scheibchen.

Da fiel mir Mars ein, der ja in der Nähe der Plejaden unterwegs war. Schnell war er über die SXD angefahren und mir verschug es wirklich den Atem. Der rote, ... beigebraune Planet zeigte die Polkappe. Die dunkleren Strukturen hoben sich zart von der restlichen Oberfläche ab. Ich hätte locker zeichnen können, wenn nicht der Kontrast, der bei diesen Übervergrößerungen "einbricht", die Übergänge verwischte. Mars stand riesig im 7er, 6er... 5er Okular... 500fach... echt krass!

Es reute mich, dass der FLT nun im Astroschrank stand. Das wären bestimmt auch hier einzigartige Ansichten geworden, zumal der Kontrast in der Linse brutal ist.

Die Grenzgröße lag im ACF gestern dafür bei gut 14,5 - 15 mag und die folgenden Objekte waren faszinierend anzusehen. M81 mit deutlichen Armen - riesig!, M82 wurde regelrecht durch die Dunkelstrukturen zerteilt. Am Leotriplett überzeugten alle drei Galaxien, wobei NGC 3628 ihr Staubband stolz zur Schau stellte.

Absolut beeindruckt war ich auch von der Gruppe um NGC 3190. Die vierte schwache Galaxie, die sonst eher indirekt zu sehen ist stand deutlich neben der Dreierreihe - "Boooahhh... " dachte ich bei mir und schwenkte von Sterninsel zu Sterninsel...

Erst der aufgehende Mond konnte mich von den Okularen trennen. Da es auch schon 22:45 Uhr war, und ich nochmal gut 1 - 2 Stunden hätte warten müssen, bis ich den Erdtrabanten zerlegt hätte, entschloss ich mich zum Abbau.

Man soll ja auch aufhören, wenn es am schönsten ist. Gestern war die Ausnahmenacht, was die Luftruhe betrifft. Wahrscheinlich kommt soetwas einmal in 5, vielleicht in 10 Jahren vor.

Ich hoffe ihr wart auch alle nochmal draußen. Heute ist ja schon den ganzen Tag anders als gemeldet, eher bedeckt.

Ein besonderer Tag für das schönste Hobby der Welt!!!
the sky is the limit

Gruß Uwe

"Sehen ist schwieriger als Glauben" Zitat aus "Die Kometenjäger"

http://www.the-night-black-white.de
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#2
Hallo Uwe!
Da hattest Du eine Super-Nacht und Beobachtungsprogramm! Daumen hoch 

Gestern war vom Seeing her ein guter Abend, das hat sich an den FWHM-Werten am Newton / APO gezeigt. Wenn ich da mal in die Nähe von 2" innerhalb von 3 min komme, dann sieht das schon gut aus! Das Bild ist aber noch im Pixelwolf.

Visuell war ich am Montagabend mit Abt Michael unterwegs.
Da war es vom Seeing her auch recht ordentlich im Maintal und die Durchsicht war ein Brett, besser als gestern.
Mars haben wir bis 500x vergrößert - leider zu früh für die große Syrte und der andere Teil zeigt ja "nur" den geschwungen dunkleren Teil im Süden. Dafür war das "unrunde" Marsscheibchen schon gleich zusehen.

Orion-Nebel mit dem Trapez und E / F sprang einem schon bei 130x deutlich an. Die Differenziertheit im Nebel, die Farben ein halbstündiger Genuss.
Mein Co-Beobachter ließ sich viel Zeit und sah - ohne großes Hintergrundwissen - mit seiner ruhigen Geduld alle interessanten Details. Das war schon toll! Wenn man eben nicht erklären muss, was zu sehen ist.

Neben dem Inuitnebel, der einfach sein muss bei diesen Temperaturen, M35 und kleiner Begleiter, M1, Plejaden ganz am Anfang, war NGC 2683 weit über dem aufgehenden Mond, ein würdiger Abschluss.

Da hatten wir gestern schon zwei Stunden mehr von der Nacht als am Montag!
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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Florian B. (08.03.2021)
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Florian B. (08.03.2021)




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