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120mm Großfernglas
#1
Großfernglas Explore Scientific 120mm

   
Stellvertretend für die immer beliebteren Großbinos aktueller Herstellung möchte ich das Explore Scientific 120mm Großfernglas vorstellen. Ob nun ES, TS oder APM, mit unterschiedlichen Lackierungen und Aufdrucken ist die gleiche hochwertige Technik verbaut. Jedenfalls was die sogenannten „Semi-Apo´s“ oder „non-ED“ angeht, während die ED und SD Varianten der Ferngläser ausschließlich bei APM im Angebot sind.
Die Größen 70, 82, 100 und 120mm stehen zur Wahl und je nach Anbieter mit 90° oder 45° erhältlich. Die SD Variante des 120er ist die Königklasse ohne Zweifel. Wer sich dafür entscheidet, bitte gleich mit Berlebach Planet K70 und der Big Variante der Gabelmontierung sowie High Power Kollimation. Das neue 150er wäre dann sozusagen der „Kaiser“. Hier kommen schnell 8K€ zusammen für das „120er“ ohne Okulare und deswegen bleibt das für die meisten Binofreunde ein Traum, während die „Normalversion“ mit 2,5K€ inkl. Stativ und Gabelmontierung eher erschwinglich ist. Natürlich haben auch die Kleineren der Großgläser Ihre Vorteile und Einsatzgebiete, aber der Aufpreis zum „120er“ ist beim „Semi-Apo“ relativ gering und die Öffnung leistet im Deep Sky Bereich Erstaunliches. Darüber möchte ich berichten, was Ende Februar, Anfang März zu sehen war.
Die 45° eignen sich für Tagbeobachtung und Himmelsbeobachtung bis ca. 60° Höhe. Das würde ich bei den kleineren Großgläsern auf 45° in der Höhe einschränken. Jedoch ragt das 120er soweit nach hinten heraus, dass der Beobachter sich unter das Glas setzen oder sogar teils liegend platzieren kann. Ein höhenverstellbarer Stuhl, z.B. ein verstellbarer Bürostuhl, ist hier Voraussetzung.
   
Stativ: Das Edelstahlstativ gehört bei ES zum Lieferumfang der Montierung. Die Gabelmontierung ist aber bei TS auch Einzeln erhältlich und kann z.B. mit dem Berlebach UNI 19C kombiniert werden, was den Vorteil einer Höhenverstellung via Kurbel bietet. Die Gabelmontierung ist solide gefertigt mit zwei kleinen Nachteilen. Beim Herausnehmen des Zapfens aus dem Azimutlager fällt gerne die Kunststoffbuchse mit heraus. Wirklich untauglich ist dagegen die gut gemeinte, aber schlecht gemachte Klemmvorrichtung. Das Fernglas lässt sich hier nicht in die Klemme einklappen wie von Vixen oder Losandy gewohnt, sondern nur von Vorne einschieben. Das ist im Dunkeln äußerst unpraktisch! Meinen Kunden baue ich die Gabel immer auf Berlebachklemme/ V-Schiene um.
   
Die Gabel mit dem Edelstahlstativ trägt das Großglas ohne zu Klagen, wenn auch das Nachschwingen bei hoher Vergrößerung auffällig ist. Das 120er mit seinen 8,8kg ist per Griff gut zu packen und die Montage ist auch für nicht zu kräftige Personen gut machbar. Der vergleichsweise geringe Platzbedarf und der Einblick von hinten macht auch Balkonbeobachtungen möglich. Die Bewegungen gehen angenehm weich ausführen und lassen sich bei Bedarf per Handschrauben hemmen oder auch klemmen. Die Mechanik des Glases geht gewollt schwer beim Augenabstand einstellen und verstellt sich nicht von Alleine. Die Einzelfokussierungen des Glases gingen leichtgängiger als bei den bisherigen Gläsern. Vielleicht hat das Werk hier eine Änderung vorgenommen, jedenfalls ist angenehm zu fokussieren. Die Taukappen lassen sich ausziehen und die Staubdeckel müssen dazu vorher abgeschraubt werden.
   
Das Problem der zu losen Kunststoffgewinde hat das Werk mittlerweile auch im Griff. Das leichte Magnesiumgehäuse beherbergt große Prismen mit 28mm freien Durchlass für 1,25“ Okulare. Die Prismenaufnahmen würde ich militärisch solide bezeichnen. Die für mich wichtigste Frage bei einem Bino ist die Justage des Glases. ES/Bresser spricht tatsächlich von 75x, was eine sehr ordentliche Leistung ab Werk wäre. Mein Glas liefert auch bei 112x Vergrößerung eine angenehmes Bild. Nicht jeder Beobachter schaut geradeaus und auch ich habe einen gewissen „Höhenschlag“ in meinen Augen. Beim Glas macht leichtes Schielen nichts aus, weil wir Menschen das gewohnt sind vom Nahsehen. Dagegen wirkt sich Höhenversatz immer störend aus, was hier nicht der Fall ist. Die Justage ist für die Möglichkeiten des Glases voll in Ordnung. Die gute sphärische Korrektur wird beworben und hier möchte ich zustimmen. Beide Objektive liefern eine Sternabbildung wie ein guter Achromat, was bei einem f/5,5 Gerät keine Selbstverständlichkeit ist.
In der Reihenfolge komme ich als Letztes auf die Farbreinheit zu sprechen. Am Tag beobachtet und außerhalb der Achsen bzw. am Rand erscheint blau und gelb im Bildfeld, während genau auf der Achse der Farbfehler recht gering ist. Die mitgelieferten ES 20mm Okulare sind dabei farbneutraler als die Panoptic 24mm bei Tagbeobachtung. Am Mond zeigen die Baader Morpheus 6,5mm am Mond bei gut 100x farblich gewöhnungsbedürftige Ränder am Mond. Allerdings sind die 5mm ED TS Okulare trotz 112x hier deutlich farbreiner bei diesem 120er Glas. Damit lässt sich der Mond ordentlich bestaunen und nur wer die Möglichkeiten eines Apos kennt, wird hier Jammern. Bei mondloser Nacht mit guter Durchsicht offenbart das Gerät dann seine Hauptanwendung.
   
Das Team aus ES 120Großglas und TeleVue 24mm Panoptic, was für Binofreunde ohnehin die Wahl ist, brachte mich zum Staunen. Ein randscharfes Bild mit sauberen Sternen und enormer Tiefe lässt den Beobachter binokular auf seine eigene Weise tief in den Himmel tauchen oder hineinsaugen, wie es auch ein 0,5m Spiegel in der Weise nicht leisten kann. Das große Gesichtsfeld mit gleichzeitig hoher Auflösung hat etwas „Magisches“ an sich. Bleibt man am Orionnebel hängen, hilft Vergrößerung um den Nebel besser zu erfassen und Details sichtbar werden zu lassen. Hier machten dann die Morpheus 6,5mm einen guten Job und brachten auch die höchste Detailerkennbarkeit. Gut zu sehen am Trapez, wo 5 Sterne dauerhaft zu sehen waren und der 6te ab und an mal blinzelte. Auf Rigel gerichtet zeigte sich das ungleiche Doppelsternpaar ohne Probleme. Den Flammennebel angepeilt und sofort erkannt mit den wieder eingesetzten Pan24ern. Die Galaxiensuche im Löwen war ebenfalls von Erfolg gekrönt und die 9mm Morpheus konnten hier überzeugen. Da fährt man durch die Himmelslandschaft und die Galaxien fallen sozusagen ins Auge. Vermutlich leichter, als es selbst bei einem 8“Newton der Fall wäre. So würde ich das Potenzial bei DeepSky mit dem 120er einschätzen, kein Witz. Zum Schluss wurden dann die Astronomik UHC-E Filter eingeschraubt. Beim Schwenken durch die Wintermilchstraße waren dann praktisch ständig wechselnde Nebelobjekte zu sehen, die eben mehr oder weniger deutlich zu sehen waren. Der Rosettennebel erschien wie ein riesiges Nebelgebiet und weniger als isolierter Bereich.
Fazit aus den zwei kurzen Beobachtungen war, dass es meine Liebe schon nach dem zweiten Aufeinandertreffen gewonnen hat.
Beidäugige Grüße
Ralf
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Christoph (12.03.2021), el_Micha (22.03.2021), Florian B. (13.03.2021), Herbipollution (20.03.2021), Hubert.H (13.03.2021), Michael (12.03.2021), Philipp (13.03.2021), Ulf (12.03.2021), Uwe (12.03.2021)
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#2
...jetzt hab ich doch glatt Blauäugige gelesen und erst beim zweiten Blick gesehen Beid - BEID  Blush
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

Wer die Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!
Benjamin Franklin
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#3
Hallo Ralf!
Dein Bericht schreit ja förmlich nach öffentlicher Vorführung! Daumen hoch 
Hoffentlich haben wir bald mal wieder die Gelegenheit zu einem Teleskoptreffen!
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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#4
Hallo Ulf,
also "Blauäugig" sollte man nicht an die Sache herangehen...  Angel 

@Christoph, das Teil ist ja gut transportabel. Bring ich gerne mit wenn wir wieder dürfen...

CS
Ralf
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#5
Hallo Ralf,

schöner und interessanter Bericht. Ja die Binos sind mittlerweile angekommen.  Hast du ja schon beim letzten Online Stammtisch glaube ich erwähnt. Als ich 2012 mit meinem Bino das erste mal auf dem ITV war, gehörte ich noch zu den Raritäten. Es war damals lediglich noch einer mit so einem Selbstbau dort. Stefan (die meisten kennen ihn ja) hatte mir damals zwei 100 mm  f7 ED APOs von Astro Professional solide zusammengebaut, mit denen ich immer noch sehr zufrieden bin. Das ganze Bino bringt 12,7 kg auf die Waage und ist denoch sehr handlich. Mit f7 ist es sicher nicht so schnell bzw. lichtstark wie die von dir vorgestellten Großbinos. Ich schätze mal so grob, dass die bei f4 liegen. Ich glaube meine beiden ED APOs sind ein ganz guter Kompromiss zwischen Großfernglas bei niedriger Vergrößerung 29x und eben Teleskop bei hoher Vergrößerung um 200x  und das zu einem günstigeren Preis als die angebotenen Spitzengeräte.

Mit den 24 mm Panoptics liebäugle ich schon länger. Wie du schon geschrieben hast, sind sie beste Wahl. Bieten sie soweit ich weiß das größtmögliche Gesichtsfeld von 68° bei 1,25" Steckdurchmesser. Die kegelige Form eignet sich auch gut für das Binosehen. Meine jetzigen Okus sind ebenfalls angeschrägt und sehr angenehm beim Einblick. Allerdings bei "nur" 60° und abfallender Randschärfe. Randschärfe, großes Gesichtsfeld und Qualität kosten eben halt. Die Panos stellen schon eine gewisse Investition dar. 

Was mir an den Geräten auch gefällt, ist die Heliakalklemmung für die Okulare. Die habe ich nicht, kann aber evtl. Versätze (Doppeltbilder) mit Stellschrauben an den Winkelprismen leicht ausgleichen.

Schöne Großbinos jedenfalls, wenn man genügend investieren kann.
"Einen Klaren Himmel , und lasst uns wieder das Staunen lernen"

Viele Grüße  Philipp 


"Das schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle"    Zitat von Albert Einstein 
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Florian B. (13.03.2021)
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Florian B. (13.03.2021)
#6
Servus,

ich liebäugle schon lange mit einem Bino als ich zum ersten mal bei Philipp durchschauen konnte. Auf dem ITV 2019 spätestens war mir klar, welche Leistungsfähigkeit solche Binos haben können und nicht zuletzt bei dir auf der Terrasse mit den FLTs. Dein Bericht lässt einem schon die Finger jucken, sich so etwas zuzulegen.  Big Grin

Grüße,

Florian
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Astronomie, einer der schönsten Gründe, nachts nicht schlafen zu gehen!
(Zeiss-Werbung)
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#7
Guten Tag Philipp,
das Öffnungsverhältnis beträgt f/5,5 wie bei der ganzen Serie bis auf das 70er Glas mit f/5,7. Das Öffnungsvehältnis ist bei ED und non ED identisch.
Die ED Varianten sind relativ teuer und durchaus lässt es sich günstiger ans Binovergnügen kommen, z.B. so wie Du es betreibst. Beobachter, denen es auch auf die Ästhetik des Geräts ankommt, finden bei den neuen Großbinos auch an der Form gefallen. Bis hin zum Lack lässt es sich nun auswählen über das Lieblings-Branding. ( Fast schon wie bei den Autos Smile )
Die SD Variante des 120er zeigte mir bei Marsbeobachtung mit 100x die kleine, aber klar in weiß erkennbare Polkappe. Insgesamt fällt die Farbkorrektur besser aus als es bei f/5,5 der Fall sein sollte.  Erklärbar, wenn bei der Rechnung der Glasweg der Prismen einbezogen wurde zur besseren Farbkorrektur.
Vermutlich sogar besser als bei Deinem ED mit Zenitspiegeln. Aber wie gesagt der Preis ist heiß, auch wenn Er mir für Qualität angemessen erscheint.
Du hast dagegen auch die Wahl 2" Okulare einzusetzen. Beim Fernglas hier ist 1,25", wobei wie Du auch schreibst nicht jeder Beobachter über einen so großen Augenabstand verfügt, dass die Nase sinnvoll dazwischen passt.
Bei den 1,25" ist das relativ entspannt und die Panoptik 24 mm trotz Ihres Alters immer noch up to date Heart 
Sobald die Brennweite ein gewisses Maß übersteigt, helfen auch 2" Okulare nicht mehr. Das Panoptik 41mm steht zum 24mm im Verhältnis 1:1,7. Ab 1127mm Brennweite ergibt sich rechnerisch auch mit 2" Okularen kein Vorteil mehr zu den 660mm Brennweite vom 120mm Glas mit 1,25" Anschluss. Aber welches Gesicht schafft es schon zwei Panoptik 41mm zu vereinen Confused ?
Die Panoptik 24mm erzeugen ein 27,5x Vergrößerung bei einer Austrittspupille von 4,4 mm. Also auch noch für ältere Herrschaften geeignet.
Die 32mm Plössl bieten das gleiche Feld bei 21x und 5,7 mm Austrittspupille. Also für dunklen Alpenhimmel und gesunde Augen geeignet.
Das Seherlebnis der Panoptics mit seinen 68° macht aber schlicht mehr Spaß.  Hinzu kommt, dass bei der Brennweite von 660mm die Bildfeldkrümmung nicht mehr so zuschlägt wie bei den kleineren Geräten mit der Folge, dass die Abbildung als Randscharf bezeichnet werden kann.
Allerdings würde ich als Ergänzung bei vornehmlicher Tagbeobachtung z.B. bei 45° Gläsern die Panoptik nicht wählen, weil die Verzeichnung doch deutlich ist. Nachts sind die Sterne superscharfe Punkte, aber das gesamte Gesichtsfeld verzeichnet doch, was nur tags auffällt.
All das bietet oder betrifft auch die "non ED" Version, was für eine Wortschöpfung sich die Chinesen haben einfallen lassen. Huh 
Bei einem Preis von ca. 1850,-€ für das 120 mm Glas mit Okularpaar die jüngste Versuchung Big Grin . Schließlich hat es bei diesen Großgläsern mit der ED Version begonnen und die Normalversion ist die Neueste.
Übrigens hatte ich vor Kurzem Gelegenheit durch ein 100er Miauchi zu blicken. Damals das Maß der Dinge, mal abgesehen von Fujinon. Richtig trübe das Bild auf den ersten Blick. Da hat die Vergütungstechnik heute aber für mächtig mehr Lichtdurchlass gesorgt. Jedenfalls sorgen die achromatischen 120mm Gläser für ordentlich Licht auf der Netzhaut und solange man nicht mit ED Optik vergleicht, kann das Glück so einfach sein.

@ Florian
"Die süßeste Versuche, seit es Großferngläser gibt" oder so ähnlich hieß es mal in der Werbung Cool 

CS
Ralf
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el_Micha (15.04.2021), Florian B. (14.03.2021), Michael (14.03.2021), Philipp (13.03.2021)
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el_Micha (15.04.2021), Florian B. (14.03.2021), Michael (14.03.2021), Philipp (13.03.2021)
#8
Hallo,

ich möchte nochmal auf auf das Thema Bino und Okulare zurückkommen. Meine erste Wahl wären die 24 mm Panoptic. Allerdings schreckt mich der Preis schon ein wenig ab. Sind da schon fast 800.-€ fällig.  Ich hab mich mal nach Alternativen umgesehen und bin mir eben nicht sicher, ob es eine wirklich gute gibt. 
Von APM wird auch ein 24 mm Okular angeboten, welches angeblich im Vergleichstest überaschend gut gegenüber den Panos abgeschnitten hat und das zum wesentlich günstigeren Preis. Nur sind sie wirklich so gut? Des Weiteren noch ein 24 mm 
Okular von Explore Scientific. Doch lest selbst...

https://shop.abenteuer-sterne.de/APM-24-...-p75037655

https://shop.abenteuer-sterne.de/Tele-Vu...p276925825

https://www.teleskop-express.de/shop/pro...dicht.html

Um nichts Misszuverstehen: Ich will hier keinerlei Werbung machen. Mir geht es lediglich um euere Einschätzung und Erfahrung.
"Einen Klaren Himmel , und lasst uns wieder das Staunen lernen"

Viele Grüße  Philipp 


"Das schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle"    Zitat von Albert Einstein 
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#9
Hallo Philipp,

das ist ganz nüchtern eine Frage der Qualitätsstreuung.

Es gibt Firmen – z.B. TeleVue, Takahashi – da braucht man sich
darum keine Gedanken zu machen.

Bei manch anderen Herstellern sollte man am besten bei einem Händler
vor Ort direkt vergleichen, ob man zufrieden ist.
Und wenn man ein hochwertiges Objektiv hat, nimmt man das mit.
Denn da offenbart sich erst, was ein Okular wirklich leistet.
Das eine oder andere No-Name-Okular habe ich, das gut abbildet.
Nicht wirklich gut, aber immerhin.

Nachdem ich unter dem aufgehellten Himmel hier vor allem Mond,
Planeten und kugelige Sternhaufen bestaune, sind beim mir klassische
Orthos erstklassiger Qualität zusammen gekommen. Sämtlich gebraucht.
Passend zu meinen klassichen Taks aus den 80ern.

Ein Freund kam vor Jahren mit einem 5 mm "Planetary" Okular zu mir.
Im Takahashi FS-128 auf M13 eingestellt. Er schaut durch, ich schaue durch.
Wir lachen beide. Wieder raus mit dem Ding. Einfach nur grottenschlecht.
Wer billig kauft, kauft zweimal. Davon leben die Trash-Willis.
Und vielen Kunden fällt`s noch nichtmal auf.

Gutes und vollmundiges Marketing sagt noch nichts über die Produktqualität aus.
Oder über die Serienstreuung. Die Kunden sind oft die Qualitäts-Tester.
Was eben so ist. Man berücksichtige das und handle entsprechend.
Wir glauben nur allzu gern und willig die tollen Beschreibungen. Nur zu!

Immer ist das natürlich auch eine Frage der persönlichen Vorstellungen
und Ansprüche – und Möglichkeiten. Im Zweifel warte ich lieber und spare
und verzichte erstmal. Die Trash-Anbieter, die kommen mir nicht ins Haus.
Nicht mehr. Grundsätzlich. Aufgrund der Erfahrungen.

Viele Grüße,
Andreas



"Gleiche Zaubermacht übt Schönheit wie Musik, die uns so oft
unbekannten Paradiesen hehres Geheimnis zu enthüllen scheinen."

Giacomo Leopardi (1798 - 1837)
.
 
 . weniger . langsamer . einfacher . schöner .

 
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Philipp (20.03.2021)
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Philipp (20.03.2021)
#10
Zu der Okularwahl ein paar Gedanken,
die Pano 24 sind teuer ohne Zweifel. Meine 24er habe schon sehr lange und da waren die Teile im Verhältnis noch günstig.
Sie sind eben zeitlos schlicht, aber elegant. Recht schlank für Binoverwendung und der Augenabstand ist angenehm.

Die Explore Scientific bieten die gleichen optischen Kennzahlen in vergleichsweise bulligem Gehäuse und zählt vom Image auch zu den mittlerweile etablierten Marken. Eben dicker und nach Kundenrückmeldungen nur minimal schlechter. Wer nicht vergleicht, wird vermutlich nichts vermissen.

Die APM 24 werden nun bei den SD Gläser gleich mitgeliefert, statt den sonst üblichen 18mm Okularen. Wenn diese gleich dabei sind, kommt der Wunsch nach den Panoptic24 nicht zwingend auf, aufgrund der Brennweite.

Bei Okularen ist der persönliche Eindruck so wichtig wie auch unterschiedlich. Hier fällt auf, dass bei den Pano24 mir jedenfalls keine schlechten Rückmeldungen bekannt sind. Dreimal so teuer ist bestimmt nicht dreimal besser. Je nach Beobachtungstyp reicht aber schon wenig aus um aus einem Produkt ein untaugliches Produkt werden zu lassen. Aus seiner Haut kann man nicht raus und wenn etwas stört, dann lässt es sich auch mit wirtschaftlichen Argumenten nicht schöner machen.

Dummerweise gibt der Gebrauchtmarkt sehr wenig Angebote an Pan24 her, die Explore´s sind derzeit neu nicht zu bekommen und die APM sollen dagegen in 6 Wochen wieder verfügbar sein.
Zu den sonstigen Entscheidungskriterien kommt nun noch die neue "Tugend" hinzu, die sich "Geduld" nennt..... Big Grin 

CS
Ralf
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Christoph (22.03.2021), Philipp (20.03.2021), Uwe (19.03.2021)
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Christoph (22.03.2021), Philipp (20.03.2021), Uwe (19.03.2021)
#11
Hallo,

um das Thema Okulare fürs Bino sozusagen abzuschließen:

Ich habe mich letztendlich dazu entschlossen noch mal zu investieren und als befriedigende Endlösung mir die beiden 24 mm Panoptics zugelegt. Keine evtl. Kompromisse mehr, sondern einfach gute Okulare für den niedrigen Vergrößerungsbereich bei maximalen Okulargesichtsfeld die es für 1,25" gibt. Wie nicht viel anders erwartet liefern die Panoptics eine hervorragende Abbildung in Schärfe, Kontrast und Transmission am f/7 Binoteleskop. Die Sterne schön scharf bis zum Rand, wie man es auch von den Naglern gewohnt ist. Das Gesichtsfeld von 68° wirkt mit beiden Augen natürlich noch größer und 8° mehr zu meinen alten 60° Okularen macht mehr aus, als man beim Vergleich von nackten Zahlen denkt. Ich hab die neuen und alten Okus direkt im Bino quasi als überlagerte Bilder verglichen. Der Unterschied von 25 mm 29x zu jetzt 24 mm 30x fällt kaum auf. Das tatsächliche Gesichtsfeld am Himmel ist praktisch gleich, nur jetzt im Okular halt etwas größer bzw. wirkt großzügiger. Auch sind die Okulare nicht so groß, relativ leicht und die schräg zulaufende Form angenehm für das Binosehen, was auch deshalb ein Endscheidungskriterium für mich war.

In der nächsten Nacht testete ich dann auch am f4,3 Dobson. Auch hier die Sterne am Rand praktisch Randscharf bzw. nur eine sehr gering zu vernachlässigende Randverzeichnung unmittelbar am Rand, bevor der Stern verschwindet. Am Binoansatz konnte ich eine leichte Randabschattung feststellen die bei den alten 60° Okularen nicht auftritt. Es fällt aber bei der Deepskybeobachtung bei dunklen Hintergrund kaum auf. Hier ist der Durchlass vom Binoansatz nicht groß genug. Da bräuchte man ein Großfeldbino mit größeren Durchlass, aber damit kann ich leben. Die Okulare sind mehr für den Einsatz am f7 Binoteleskop gedacht.

Alles in allem eine deutliche Verbesserung, ähnlich wie beim 3,5 mm Nagler für die Hochvergrößerung am Dobson, welches ich mir vor einem Jahr zugelegt hatte. Auch hier ein Gewinn von Schärfe und Transparenz, ohne den Kompromiss vom Einschrauben einer Barlowlinse einzugehen.
"Einen Klaren Himmel , und lasst uns wieder das Staunen lernen"

Viele Grüße  Philipp 


"Das schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle"    Zitat von Albert Einstein 
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Andreas Paul (06.04.2021), Andreas-TAL (06.04.2021), Florian B. (06.04.2021), Herbipollution (Heute), Ralf (10.04.2021), Uwe (06.04.2021)
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Andreas Paul (06.04.2021), Andreas-TAL (06.04.2021), Florian B. (06.04.2021), Herbipollution (Heute), Ralf (10.04.2021), Uwe (06.04.2021)
#12
Vielleicht könnten sich ja bei einem nächsten Forentreff auf dem Kreuzberg der Ralf und Phillipp und ich treffen.
So als Okulartest am Bino. Schade Phillip, die APM 24mm sind spitze, die hättest Du sehen können. Ob nun die 3x so teuren auch 3x besser sind? Ist ein wenig schlechter immer gleich so schlecht? 
Meine Augen befinden sich im letzten drittel der Lebenszeit. Für mich reicht es wenn es nicht so performant ist.
Bis bald mal?!
Gruss aus Unterfranken, Michael
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