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Leo I Galaxiengruppe
#1
Leo I Galaxiengruppe

Die Leo I Galaxiengruppe besteht aus zwei Untergruppen
einmal mit M66, M65 und NGC 3628 und zum Anderen M96/M95 und M105 mit NGC 3384/ 3389



Beide wohlbekannten Gruppen sind sozusagen Pflichtmotive für jeden Astrofotografen. Insbesondere wenn ein neues optisches System ausprobiert werden soll, sind solche Standardkerzen ein guter Maßstab um zu sehen wo man steht. Dabei sind diese Galaxien obwohl gleich fünf Messierobjekte enthalten sind, dennoch alles Andere als leichte Bildmotive. An dem Galaxienschweif von NGC 3628 hatte ich mich in der Vergangenheit vergeblich bemüht. Die Betrachter mit einem kontrastreichen Bildschirm sollten hier fündig werden. Evtl. das Bild bewegen, dann wird der ganz zarte Schweif links oben leichter erkennbar. Tatsächlich wäre die Darstellung dieses Details auch besser möglich gewesen, aber eben nicht für mich in der Weise umsetzbar, wonach dabei auch die Galaxien ein natürliches Aussehen beibehalten sollen. Also habe ich mich auf die Gesamtdarstellung konzentriert. Das Vollformat der Canon 6D zeigt hier beim Leo Triplet jedoch 3 + 1 große Galaxien, nämlich auch NGC 3593 ganz rechts und dazu zahlreiche kleine Galaxien. Der Astro-Optik-Manufaktur FLT 135 Apo wurde mittels eines Astro-Physics Quad Reducers 0,72x auf 778mm Brennweite bei Blende f/d = 5,76 reduziert. Die Nachführung lief mittels der auf dem Balkon aufgebauten GM 1000 HPS ohne Autoguiding mit Subs von 90s und 180s. Die 180s Subs brachten deutlich mehr, wie ich lernen durfte. Den Abstand von Reducer zu Sensor hatte ich berechnet und passende Unterlegscheiben gedreht um auf das gewünschte Maß zu kommen, in Vorbereitung auf das First-Light der Kombination.

Hier das Bildergebnis in Summe mit 6h Belichtungszeit der unmod. Canon 6D bei ASA 1600
   
Die zweite Untergruppe zeigte bei M96 ein zunächst überraschendes Detail. Den rötlichen Strich im Galaxienarm. Die normale 6D liefert bekanntlich in diesem Bereich wenig Signal und dennoch war das Detail nicht zu übersehen. Ein Blick auf eine Profiaufnahme konnte die Natur schnell klären: https://en.wikipedia.org/wiki/Messier_96...68_ESO.jpg



Belichtungszeit 60 x 180s = 3h wieder bei ASA 1600
   




Hier noch eine Summe von 288min der Galaxien M96 und M 95. Es wurde eine weitere Aufnahme von 108min dazugenommen, die auf die Galaxien zentriert war. Diesmal der Bearbeitungsversuch mit Drizzlefaktor 1,5x mehr Details aus den Galaxien zu holen. Meiner Meinung nach funktioniert das nicht wirklich. Die Bilder wurden mit einem Maßstab von 1,66“/Pixel belichtet und sind für die Geräteleistung „undersampled“. Schön zu sehen an den Kastenförmigen Sternen, aber nicht unbedingt im hohen Maß auflösungsverschlechternd.
Bei Dunkelwolken in Galaxien kommt die Auflösung mit Hell/ Dunkelkontrast zur Not mit einem Streifen von Pixelbreite aus. Dagegen sind die Sterne bzw. das Kernbild Faktor 2,4x größer als das Auflösungsvermögen.
Nach der Formel d= 1,34 µm * f/D ergibt sich für die Wellenlänge 550µm ein Kernbilddurchmesser von 7,74µm während die Pixel der Canon 6D 6,5µm groß sind. Eine vernünftige Sternabbildung braucht mind. eine Länge von 3 Pixeln um „rund“ zu wirken. Das heißt, wenn wir mal positiv ein 2“ Seeing annehmen und daraus folgend eine Abtastung von 1“/Pixel benötigen ergibt sich ziemlich treffend die Pixelgröße von 3,76µm der QHY268C. Mal sehen wie sich das bei nächster Gelegenheit in der Praxis darstellt.
   




Für Technikbegeisterte:
Der Quad Reducer wird mittels eines speziellen Adapters in den Auszug versenkt.
   



Die Sternabbildung der Kombination über das Vollformatfeld passt sehr gut, was auffällig ist. Eine Auswertung bestätigt den visuellen Eindruck. So besteht tatsächlich die Möglichkeit mit den modernen vollformatigen und feinpixeligen Sensoren wie z.B. der QHY 600 die enorme hohe Pixelzahl auch nutzbringend einsetzen zu können. Das würde einen ernormen Rechenaufwand nach sich ziehen……
   




Bestes Seeing wünscht
Ralf
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Astrokarsten (11.04.2021), Christoph (11.04.2021), el_Micha (21.05.2021), Florian B. (10.04.2021), Martin.F (12.04.2021), Uwe (11.04.2021)
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#2
Servus,

von der Abbildungsqualität macht der FLT mit dem Reducer einen sehr, sehr guten Eindruck. Daumen hoch  Ich bin gespannt auf einen Test mit der QHY268C! Der 0,72-fach Reducer ist wirklich der Hammer. Bei einem solchen Faktor auch bei Vollformat noch eine ordentliche Abbildung auch in den Ecken zu sehen. Die Ecken sind ja das Wichtigste...  Big Grin

Grüße,

Florian
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Astronomie, einer der schönsten Gründe, nachts nicht schlafen zu gehen!
(Zeiss-Werbung)
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#3
Hallo Ralf!
Nachdem ich im Hintergrund ein Nutznießer und Co-Beobachter war gefällt mir Dein Beitrag dazu sehr gut!
Sehr klar, umfassend und doch nicht langweilig beschrieben!
Und: ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Die im gleichmäßoig sehr gute Abbildung auf das Vollformat ist einfach ein Brett! Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch

Ich hatte ja sowieso eine große Übersichtsaufnahme vom LeoTriplet vor. Da war Dein Projekt sozusagen die Steilvorlage, die noch dazu kam, als wir Mails hin und her schrieben.
Vielen Dank für Deine sechs Stunden mit der D6 auf die Galaxiengruppe!!!! Smile
Verglichen mit meinen Aufnahmen von fast zehn Stunden am 180 mm EDT zeigte sich, dass der Sternschweif bei NGC 3628 viel, viel differenzierter ist, wie es auf vielen hoch gedrehten und dann weich gespülten Aufnahmen erscheint.

Hier ein Vergleich unserer beiden noch getrennten Summen, negativ dargestellt und bis an den Anschlag hoch gezogen (mit allen Fehlern! die habe ich bewusst drin gelassen)!
Ralf´s sechs Stunden-Bild:
   

Und meine achteinhalb Stunden (zum "Blinken" im Browser):
   

Dann war natürlich die Versuchung groß ein Hybrid aus all dem zu machen. Nachdem der gute alte Astroprofessionell APO mit 115 mm / 805 mm und einer ASI eh sonst gelangweilt mitgefahren wäre, habe ich noch diese Bilder dazu genommen. Damit kommt der Sternenschweif auch im "positiven" Normalmodus gut heraus. Insgesamt 1307 Minuten Belichtungszeit!

   

Eines ist mir bei dem Projekt klar geworden: die vielen, tollen Sternenschweif-Darstellungen beim Hamburger, NGC 3628, die im Netz zu finden ist, denen ist nicht zu trauen! Da wird doch zu viel und auch falsch "nachgeholfen". Zum Beispiel:
https://www.spektrum.de/alias/wunder-des...en/1705214
Das Ding ist wirklich sehr differenziert, hat mehrere Verdichtungen, eine rötliche Färbung am Anfang bei der Galaxie und soll ja angeblich 15% der Wasserstoffmasse von NGC 3628 enthalten. Länge: satte 330.000 Lichtjahre!

Vielleicht noch interessant: der Auslöser für den Sternenschweif ist wahrscheinlich M66. M65 ist irgendwie im abseits und hat keinerlei erkennbare Materie-Brücken zu den anderen beiden Galaxien (da stimmt mein obiges Rohbild im übrigen nicht!). Jedoch gibt es zwischen M66 und NGC 3628 über 300.000 Lichtjahren hinweg zumindest deutlichere Anzeichen dafür: der Kern von M66 ist leicht nach Osten ausgebeult von der Radiostrahlung her (Quelle: Bildatlas der Galaxien von Michael König und Stefan Binnewies).
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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#4
Guten Tag Christoph,
ich wusste nun nicht zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang Du Deine Arbeit präsentieren wolltest. Auf dem Weg hast Du diesen Thread jedenfalls weit über das Maß von "pretty picture" aufgewertet! Danke für die Informationen zu dem Sternenschweif.
Jeder Fotograf will diesen "Schweif" auf seiner Aufnahme zeigen, manchmal um jeden Preis Confused
Da hat es sich doch gezeigt, dass es einen großen Unterschied macht ob nun Software anhand zweifelhafter Daten zu sehr strapaziert wird oder ob signifikantes Signal/ Rauschverhältnis als Basis verwendet wird.
Dein verlinktes Bild ist mir dabei auch schon aufgefallen.

Besten Gruß
Ralf
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Christoph (11.04.2021)
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Christoph (11.04.2021)
#5
Hallo Ralf, hallo Christoph,

das sind ja mal wieder sehr interessante Ausführungen. Eure Ergebnisse sind klasse und dann noch die ganzen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen bzw. technischen Aspekte, von denen ich leider immer noch zu wenig verstehe...

Dass der FLT so gut mit dem Reducer harmoniert freut mich. Als Visueller schau ich freilich nicht gleich in die Ecken, sondern überlege, was da durchs Okular an den Objekten maximal möglich ist. Mit dem 10" ACF kommen da schon einige Feinheiten raus, der FLT bräuchte am Leo-Triplett noch sein Firstlight. Darauf freue ich mich. Das Staubband von NGC 3628 ordentlich zu erkennen, wäre für 135mm schon stark.

Schade, dass manche wirklich Schindluder treiben und Dinge fabrizieren, die tatsächlich so nicht stimmen. Nicht nur dass der Schweif bei der Aufnahme sehr gleichmäßig erscheint, ist er auch von der Lage (Bogenkrümmung) her falsch.

Unterhalb des "Hamburger"-Galaxienkerns ist ja auch eine Materieausbreitung zu erkennen, oder täusche ich mich da. Das sieht richtig spannend und dynamisch aus. 

Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch

Die Astrobilderkombi ist einfach sehenswert!

Super finde ich auch die Darstellung der winzigen, rötlichen Galaxie im Arm von M96. Auf der ESO-Aufnahme kommt das tatsächlich super rüber. Das ist mir bisher noch gar nie aufgefallen, dass hier im Detail eine weitere Sterninsel schlummert. Dazu noch ein tolles "Brett" in Seitenansicht , das an NGC 4565 erinnert.
the sky is the limit

Gruß Uwe

"Sehen ist schwieriger als Glauben" Zitat aus "Die Kometenjäger"

http://www.the-night-black-white.de
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#6
Hallo Ralf, hallo Christoph,

aso die Details sind wirklich atemberaubend! Im EOS Bild fällt mir der doch noch große Chroma - Noise auf. Kannst Du den vielleicht im linearen Bereich "bekämpfen"?

Der Schweif ist wirklich eine harte Nuss. Ich hatte ihne bei 6:10 h Belichtung damals deutlich mit drauf. Musste gar nicht viel pushen.

Leo von Karsten

Ich habe damals auch eine Betrachtung des Schweifes aus Sicht der Radio-Astronomuie gemacht. Das sollte mal ein Vortrag für Bebra werden, was es ja in der Form nicht mehr gibt.

Radiobetrachtung Leo Trplet
Klaren Himmel und klaren Kopf wünscht Karsten
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#7
Guten Tag Karsten,
welches EOS Bild meinst Du?
Mein Bild mit der Canon 6D
oder Christoph´s Hybridbild mit Daten aus EOS 6D und 6Da?

Farbrauschen macht meine Canon 6D sicherlich und über das Feld auch nicht gleichmäßig. Es domienieren dann Gebiete mit rotem Farbrauschen, welche ich mit APP nicht wirklich weg bekomme. Nur wenn derart eingegriffen wird, dass auch der Schweif beeinträchtig wird verschwindet es um den Preis von Datenverlust im schwachen Signalbereich.
Gewissermaßen gehört es zu diesem "Foto", was außer Anpassungen in APP keine speziellen Eingriffe erhalten hat. Die Flecken aus wandernden Staubpartikel hätte ich verhindern können, wenn ich in jeder der drei Nächte ordentliche Flats erstellt hätte.
Über Möglichkeiten wie Sie Pixinside bietet, verfüge ich nicht.

Dein Leotriplet habe ich mir angesehen und Du schreibst, nach 6h 10min und wenig puschen hast Du den Schweif "deutlich drauf gehabt".
Kannst Du bitte etwas über die Funktion "pushen" schreiben, was das Programm da macht?

Um beide Schweifdarstellungen vergleichen zu können, habe ich mein 6h Summenbild gestreckt bis der Schweif so deutlich wie möglich herauskam ohne Rücksicht auf Hintergrund oder die Galaxien.
Es sieht nun so aus, wie die invertierte Darstellung von Christoph . Zweimal, mit verschiedenen Geräten und Kameras belichtet, zeigen Sie doch Übereinstimmung in der Schweifform und Dichte.
Bei Deinem Bild sieht der Schweifanfang mit dem hellsten Bereich gleich aus. Im Verlauf nach den drei helleren Sternen im Schweif zeigen unsere Bilder einen dunklen Bereich oder Unterbrechung der Helligkeit. Dagegen am Ende des Schweifs, wo eine Verdichtung mit Helligkeitszunahme zu sehen ist, bleibt Dein Schweif dunkel.
In der Struktur und Dichte sind unsere Darstellungen nicht gleich. Es wirkt für mich so, als wenn ein Glättungsprogramm den Schweif "glatt" gezogen hat, dabei aber möglicherweise reale Helligkeitsunterschiede geebnet hat.
Schau´s Dir mal an und sag wie Du das beurteilst.
Hier meine nicht invertierte Version des "hochgezogenen" Schweif´s, wo ich nicht weiß ob das mit "Pushen" gleichzusetzen ist.
   

Besten Gruß
Ralf
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#8
Hallo Ralf,

gerade erst habe ich diesen Beitrag gesehen...Wow Daumen hoch
Alle Bilder gefallen mir sehr gut. Das erste Bild mit hin und herziehen ist echt gut geeignet um den Schweif wahrzunehmen.
Die Kombi mit dem Reducer hat was, vor allem bei der erreichten Lichtstärke!


Du verwendest wie ich sehe einen Motorfokus, klappt das in der Praxis perfekt oder ist es immer irgendwie ein Kompromiss zwischen "ich will nicht alle 60 Minuten die Bathinov drauflegen" und einer perfekten Fokusierung?

So mache ich es nämlich, ist aber echt aufwendig ohne Liveview, da ich dann mit Bathinov immer das Objekt verlassen muss und mir mit 16-fach an der G11 einen helleren Stern in der Umgebung suchen muß.....die Zeit bis das Guiding dann wieder läuft ca. 15-20 Minuten. Der Zeitaufwand ist vertretbar, die Schritte bis dann alles wieder sauber läuft allerdings sehr aufwändig!  Kurz zum Ablauf:


1. Guiding stoppen, 2: Aufnahmeserie abbrechen
3.Hellen Stern anfahren mit 16fach oder per Rutschkupplung und Telrad hinschwenken (danach allerdings wieder neues Alignment an der G11!)
4.Bathinov auflegen, Spike bei 200-facher Vergrößerung mittels Einzelbildern per Feinuntersetzung am Auszug wieder in die Mitte rücken
5.Referenzstern der Steuerung mitteilen, Gleiches Objekt mit 16 fach wieder anfahren (von Danebola oder Regulus zum Leo-Triplett ca. 3-4 Minuten....)
6.Hoffen, dass der Leitstern auf dem kleinen Webcam-Chip wieder erscheint (falls nicht, neuen Leitstern über Exzenter suchen und neu kalibrieren!)
7.Leitstern gefunden, 3 Minuten Probebelichtung, wenns passt neue Serie starten!

Nach einer Stunde Temperaturabfall von plus 5 auf minus 2 Grad nochmal von vorne, da der Spike sich nicht mehr optimal in der Mitte befindet!
Das Problem der Fokusveränderung habe ich beim 1300erApo (Alu) wie auch am 2000erACF

Natürlich könnte man sagen dann lasse den Fokus halt auf "nicht perfekt" oder platziere den Spike zu Beginn so, dass er nach 1 Std Temperaturabfall automatisch perfekt in der Mitte ist.

Aber lieber den Aufwand und perfekten Fokus als zu viele unscharfe Bilder. Ich muß aber gestehen, daß es mich schon manchmal nervt, vor allem wenn dir die Griffel eh schon fast abfallen Sad

Würde mich interessieren, wie du das siehst und handhabst Huh
Bist Du eher der nachfokusierer oder verändert sich dein Tubus-Material kaum bei ca. 6-10 Grad Differenz innerhalb von 4 Std?
Sag aber bitte nicht, dass Du alles vom warmen Wohnzimmer aus steuerst und am nächsten Vormittag deine Bilder auf dem Rechner liegen.... Big Grin Big Grin Big Grin


viele Grüße, Michi
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#9
Hallo Karsten!
Ralf hat ja etwas schon zum Farbrauschen geschrieben.
Auffällig ist für mich, dass meine 6Da mehr im Roten rauscht als die von Ralf.

Große Frage: wie viel soll in einem Bild weg gefiltert werden und was gehört dazu, weil es halt so ist? Huh

Wenn das Bild in den Kalenderdruck gehen sollte, muss da sicher noch mehr eingegriffen werden als hier im Forum.
Glatt bügeln geht immer, die Frage ist um welchen Preis.

Die Radiobetrachtung vom LeoTriplet ist interessant. Leider braucht man dazu aber noch größere Schüsseln zum Beobachten! Confused 
Da sind wir im Optischen Bereich einfach gut dran!
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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#10
Hallo Michael,
schön, dass es Dir gefällt. Der Hauch von Schweif war mir wichtig aber noch wichtiger der Rest des Bildes. Mit geeigneter Software und Bedienerkönnen wäre fortgeschrittenen Bearbeitern mehr möglich gewesen, aber dennoch bin ich für den aktuellen Stand meiner Möglichkeiten auf der zufriedenen Seite.

Beim "Aufnehmen" bin ich auch nur Zaubererlehrling, aber will ins nächste Lehrjahr aufsteigen. Da steht dann NINA auf dem Lernplan; Dithering, Autofokusing und das Ziel wäre Abends anschmeißen und früh ausschalten und zur Arbeit gehen.

Der aktuelle Stand ist die Montierung ohne Sicht zum Polarstern auf dem Südbalkon aufzustellen und mittels Softwareunterstützung die Montierung dahin zu bringen, unguided Subs mit mind. 180s hinzubekommen.
Der Laptop wird auf den Gartentisch gestellt und Fokus Lynx verbunden. Ebeno die Montierung per W-LAN. Das Canonprogramm ist ebenfalls offen und bereit für Serienbelichtung. Die Schärfe stelle ich mit 10x Vergrößerung nach Gefühl am Stern ein. Es folgt eine Auswertung mit ccd inspector, wo die FWHM Werte über das ganze Bild gemessen werden. Zum Einen wirkt die Genauigkeit des Fokus, zum Anderen das Seeing.
Das muss man einschätzen können wie gut das Gerät abbilden kann und wie es bei schlechtem Seeing mit den Werten aussieht.

So sieht es aus bei der Kombination aus, wenn es scharf getroffen und gutes Seeing bei der Canon 6D ankommt:
   
Wenn es so aussieht, wird es Zeit den Team Viewer anzuschalten und die Balkontüre von Innen zu schließen Big Grin
Der Rechner im Büro mit all dem Komfort der Umgebung wird auf den Laptop geschalten. Die Serie beginnt.....

Die Temperatur wird vom Focuser digital angezeigt und in der Regel wird es kälter, was intrafokales Nachfokussieren zur Folge hat. Es ist aber nicht so, dass der Alutubus daran Schuld wäre, ganz im Gegenteil gleicht der Tubus sogar den Fokusdrift teilweise aus! Das Übel liegt in der Brechkraftänderung der Gläser, welche Temperaturabhängig sind!! Confused
Das Gute daran ist, wenn es immer nur in Richtung Linse nachzustellen gilt, gibt es keine Verdrehung vom Auszug. Der FLT 135 hat eine gerechnete Tiefenschärfe, welche über ein Delta von einem Kelvin Temperaturänderung stabil ist.
Praktisch kann ich es jedoch noch viel feinfühliger Steuern. Die Auswertung des ccd Inspektors läuft immer wieder und wenn sich bei mir das Schärfezentrum, welches in der Grafik schwarz angezeigt wird nach links verschiebt, wird es Zeit 25 digits nachzufokussieren. Also gut alle 0,3 Kelvin Abkühlung. Der nächste Schritt wäre, das der Steuerung selbst zu überlassen. Der übernächste Schritt wäre eine automatische Auswertung mit nachfolgender Regelung.
So sieht es aus, wenn ich bei hohem Anspruch mit der Maus einen "Click" zur Nachfokussierung mache, natürlich mit warmen Fingern:
   
Auf der Aufnahme ist der Unterschied beider Bilder rein von der Schärfe praktisch noch nicht zu erkennen, aber die Messung über das ganze Feld ist da feinfühliger.
Bei den letzten Serien habe ich alle 10 Einzelbilder per click auf das virtuelle Keypad die Montierung etwas bewegt, also manuell gedithert. Die ersten Serien nicht, was dann "walking noise" zur Folge hatte. Das sollte auch mal automatisch gehen....

Soweit zu dem "Zwischenstand" der Bildgewinnung.

Besten Gruß
Ralf
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#11
Hallo Ralf, vielen Dank für deine ausführlichen Erklärungen.

Bei der Fotografie erscheint mir die positive Eigenschafft der schnellen Temperaturanpassung des Objektivs und der Fassung nun eher als ein Nachteil.

Wobei wahrscheinlich der Effekt sich bei von +20° auf +15° weniger bemerkbar macht wie bei von +4° auf -1° Grad. Mal sehen wie sich das im Sommer verhält?

Der Seeingeinfluß wirkt sich am Spike nicht allzu negativ aus. Dafür merkt man aber wirklich sehr genau und früh die Veränderung wenn an der Untersetzung gedreht wird. Will heißen, dass mit der Bathinovmaske ein sehr genaues Scharfstellen auf hohem Level möglich ist. Vor allem bei über 1m Brennweite und 200-facher Ansicht.

Was mich jetzt natürlich trotzdem interessiert wie der Vergleich ccd-Insp. vs. Bathinovmaske ausfallen würde, wenn man das so überhaupt vergleichen kann.

Anbei mal die Bilder mit Uhrzeit!

Start der Belichtung um 20.16 Uhr bei ca 7° Grad Außentemperatur

   

Um 21.48 Uhr Temperaturabfall um ca 6 Grad auf -1°, hier sieht man auf den Bildern schon den Schärfeverlust!

   

Nachfokusiert mit minimalster Reserve für die nächsten 2 Std!!

   

01.05 Uhr Temperatur nochmals um 4 Grad gesunken, endgültige Temperaturanpassung vom Material, Belichtungsende!

   

Das heißt, sobald sich der Spike sichtbar wegbewegt hat sollte man eingreifen sofern es einem die Mühe Wert ist. Oder eben alles mit Nina automatisieren, dass setzt aber voraus, dass richtige Equipment zu besitzen und dann natürlich die Technik zu beherschen.

Zum Dithern bin ich vom Astrophototool begeistert.

https://astrophotography.app/index.php

Mit diesem Programm kann ich sogar meine angehauchte EOS400D incl. Spiegelvorauslösung steuern. Und das Beste, nach jedem Einzelbild oder beliebigen Bildern sendet es einen zuverlässigen Ditherimpuls zu PHD2. Ich hätte nicht gedacht, dass dies so gut und zuverlässig funktioniert, aber es klappt wirklich hervorragend!

Die Flats u. Flatdarks erstelle ich innerhalb von 5 Minuten mit Lacerta Box und die Auslösungen werden ebenfalls mit dem Astrophototool durchgeführt, klappt auch wunderbar.

Mein Flaschenhals sind meine langsamen Original-Motoren an der G11, die können max. 16-fach. Dadurch zieht sich das Nachfokusieren natürlich in die Länge auf kosten wertvoller Belichtungszeit!

Aber während ein Fokusierstern angefahren wird kann man ja die Bathinovmaske auflegen und sich z.B. ein Getränk öffnen....


Außerdem, wenn alles so einfach wäre könnte ja auch jeder tolle Astrofotos mit hoher Brennweite schießen! Ein wenig leiden mit allen Störfaktoren ist ja auch legitim und nach der Herausforderung freut man sich vielleicht auch umso mehr.

Wahrscheinlich sagt der Vater irgendwann in 50 Jahren zu seinem Sohn..

Sohn, mach doch mal eben ein Foto vom Nordamerikanebel. Der Sohn hällt seine Canon X2000 zum Himmel und drückt ab. Vorher frägt er noch, Papa....mit ISO 4millionen oder reicht 3,5 Millionen....dann drückt er kurz durch und das Bild erscheint im Sucher.... Tongue

Viele Grüße und danke nochmals, Michi


PS: Den Reducer schau ich mir mal genauer an!
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#12
Sorry für die sch... Formatierung!
Ich kämpfe seit gefühlten 3 Std damit herum. Keine Ahnung warum es mir hier nach jeder Änderung vom Text was zerschießt? Muss es so lassen, auch ein erneutes kopieren, und wiedereinfügen vom Text bringt keine Änderung! Es hat alles gepasst bis ich zwei Wörter im Editor geändert hatte! Vielleicht weiß Ulf woran es liegt.....Sorry Sad

Ich habe Ulf angeschrieben, evt. kann er es zusammenschieben!
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#13
Erledigt
Astronomische Grüße
Ulf

[Bild: signatur.jpg]

Wer die Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!
Benjamin Franklin
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#14
Danke Ulf Daumen hoch
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#15
Hallo Michael,
das Formatierungsproblem kenne ich auch, mit jeden Klick mehr werden die Zeilenabstände größer Huh 

Du schreibst:
Bei der Fotografie erscheint mir die positive Eigenschafft der schnellen Temperaturanpassung des Objektivs und der Fassung nun eher als ein Nachteil.

Den Zusammenhang, den Du darstellst, verstehe ich nicht.

Temperaturdrift hat jedenfalls wenig mit Ölfügung oder Fassung zu tun. Dein LZOS ist davon genauso betroffen, wie jeder andere Hersteller auch, der Linsen einbaut. Die Hersteller geben solche Spezifikationen eben nicht an. Es gibt da auch keine endgültige Materialanpassung, sondern wenn die Temperatur rauf oder runter geht, ändert sich durch die veränderte Brechkraft der Gläser die Brennweite.
Die Glassorten haben Einfluss darauf und aus dem Datenblatt können die nötigen Werte abgelesen werden. Die Radien sollten auch eine Rolle spielen und das Öffnungsverhältnis hat direkten Einfluss auf die wellenoptische Schärfentiefe. Eine weniger lichtstarke Optik hält das Bild über einen größeren Fokusbereich stabil, und bei einer f/9,2 Optik im Vergleich zu den f/5,78 des FLT 135 mit Reducer macht das als Rechenbeispiel glatt Faktor ca. 2,5x aus!
Ein längerer Alutubus liefert durch seinen Längenausdehungskoeffizienten x Baulänge einen größeren Kompensationsbeitrag als ein kürzerer Alutubus.
Den FLT 135 schätze ich als relativ gutmütig ein, und den M31 habe ich im Herbst ohne nachzufokussieren über 2h belichtet.
Dein LZOS bei 1200mm Brennweite ist rein aus diesen Gründen 3x unempfindlicher auf einen Defokus.
Die Sache mit der Auswertung des ccd inspectors geht über das übliche Maß der Scharfstellung mit Bathinovmaske hinaus.
In meinem Beispiel habe ich 25 Schritte nachfokussiert. Die Schrittweite beträgt 25,4mm bei 24300 Schritten. Das heißt, ich habe 0,026mm nachfokussiert. Die Schärfentiefe beträgt jedoch bei Grün 0,035mm und damit hätte noch nicht zwingend nachfokussiert werden müssen.
Aber wenn doch die Möglichkeit besteht es optimal zu machen, warum sollte ich es nicht nutzen?

Berüchtigt für seinen Temperaturdrift ist der Tak FSQ 106. Die hohe Lichtstärke von f/5 wirkt hier mit und wenn es schnell abkühlt, reicht es nicht mal für eine Aufnahme ohne Nachfokussierung.

Die Methode mit der Bathinovmaske ist schnell und nicht seeinganfällig, da bin ich ganz bei Dir. Aber eben nicht praktisch für Fernsteuerung.
Durch Feldmessungen können genauere Aussagen getroffen werden und der Fokus kann sogar während der Belichtung nachgestellt werden.

Richtig fokusstabil wäre in dem Punkt ein Spiegelsystem mit Glaskeramik und passend gewickeltem Kohlefasertubus.

Da gibt es sicherlich viele Arbeitsweisen die Erfolg bringen. Wie Du schreibst geht die Technik weiter und da bin ich neugierig ob es mir einen Gewinn bringt. Die beschriebene Arbeitsweise ist ja auch erfolgreich, wie unsere Bilder beweisen.
Das Ziel ist bei mir die Anlage längere Zeit sich selbst überlassen zu können um Belichtungszeit zu erhalten, die ich selbst für Schlaf brauche.
Jedenfalls arbeite ich daran.... Wink

CS
Ralf
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Astrokarsten (16.04.2021), Christoph (16.04.2021), Uwe (15.04.2021)
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Astrokarsten (16.04.2021), Christoph (16.04.2021), Uwe (15.04.2021)
#16
Hi Ralf, jetzt check ich es  Idea
Ich dachte wenn sich das System schnell verändert, muss ich auch schnell wieder nachfokusieren...hab zu einfach gedacht Rolleyes

Super, dass Du dich so reinhängst, auch mit den Erklärungen usw. Danke dafür  Daumen hoch

Mit dem Hinweis kann Ulf bestimmt was anfangen, ich hatte das Schreibproblem schon öfter und dann nach mühevoller Arbeit ist alles auseinnandergezogen. Evt. kann er Abhilfe schaffen.

Schönen Abend Michi
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Ralf (15.04.2021)
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Ralf (15.04.2021)
#17
Hallo Michael!
Das mit der Temperatur und dem Nachfokussieren ist eine sehr haarige Sache. Will heißen, es geht um Haaresbreite, wenn es um die Scharfstellung geht. Je "schneller" das optische System, desto feinfühliger muss dabei vorgegangen werden. 

Bei meinem Newton f/3,75 mit Carbon-Tubus stelle ich automatisiert, wenn das System einigermaßen ausgekühlt ist(!), über einen Temperaturfühler 4µm pro Grad den Fokus nach. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber es ist genau der "Zacken", der gebraucht wird für optimale Ergebnisse.

So konnte ich in der Nacht zum 14.4. zB. bei über 5° Differenz den Fokus praktisch exakt halten. Ein Auszug aus dem Log-File vom APP zeigt das bei den FWHM-Werten:

   
Viele Grüße
Christoph

https://www.klostersternwarte.de
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#18
Hallo Christoph.

Natürlich ist die Sternabbildung beim schnellen Newton oder Refr. mit weniger Brennweite viel feiner als bei meinem 2000mm ACF.
Über FWHM-Werte ohne LiveView da einen Fokus zu bestimmen ist mir bisher nicht gut gelungen. Daher bin ich mit dem Bathinov-Spike besser gefahren. Mit Liveview oder CCD wo man ständig und schnell Bilder auslesen kann mag es anders aussehen.



Über all das haben wir uns früher keine Gedanken gemacht....da mußte nur der Stern im Fadenkreuzokular gehalten werden.... Heute wird es immer ausgefeilter, was aber ja auch Spaß macht.

Jetzt kann ich es besser einordnen, Danke dir Daumen hoch


Viele Grüße Michael
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Christoph (18.04.2021)




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